«Heute Erfolg zu haben, ist echt schwierig, wenn man sich nicht traut, aus sich herauszugehen», raunte eine der Besucherinnen ihrer Sitznachbarin im «Forum» zu. Die Damen waren der Einladung des Vereins Zurzibieter Frauen zur Podiumsdiskussion über «Mut zum Erfolg» gefolgt. Auf der Bühne: Manuela Laube Hitz, die in Mellikon einen Betrieb mit 29 Mitarbeitenden führt; und Renate Gautschy, Grossrätin, Ammann von Gontenschwil und Präsidentin der Aargauer Gemeindeammännervereinigung. Kolumnistin Sybil Schreiber fungierte als Moderatorin und fragte ihre Gäste gleich zu Beginn nach ihrem mutigsten Entscheid. Gautschy berichtete zwar kurz von ihrer politischen Laufbahn als Präsidentin eines Männergremiums, kam dann aber auf ihre Scheidung zu sprechen – und läutete damit eine Reihe sehr persönlicher Geschichten ein, mit denen sich die beiden Frauen in die Herzen der rund 30 Zuhörerinnen sprachen.

Laube, heute 36-jährig, erzählte von ihrem Entschluss, mit nur 29 Jahren die Leitung des Familienbetriebs zu übernehmen – und nur zwei Tage später schwanger zu werden. Heute arbeite sie «mehr als hundert Prozent». Die sich die Betreuung der beiden Kleinkinder teile sie sich mit ihrem Mann, dessen Chefin sie ist, und mit den Grosseltern. Doch der Erfolg hat seinen Preis: «Ich arbeite dann, wenn mich meine Familie am wenigsten vermisst», sagte Laube. «Deshalb fange ich jeden Morgen zwischen 5 und 6 Uhr an.» Immer auf Abruf bereit zu sein und viel Verantwortung zu übernehmen macht Laube mitunter gesundheitlich zu schaffen – bereitwillig erzählte sie davon und liess die Zuschauerinnen spüren, dass auch bei ihr nicht alles rund läuft.

Gautschy, einige Jahre älter als Laube aber nicht minder sympathisch, musste sich als Frau in der männerdominierten Politik schon oft behaupten. Etwa dann, wenn ranghohe Militärbeamte eine Sitzung mit dem Gemeinderat erst beginnen wollten, «wenn Ihre Chef do isch».

Sie erzählte nicht nur von gescheiterten Beziehungen, sondern auch, warum sie das Chef-sein durchaus geniesst. Nur nicht gerade dann, wenn sie als Ammann guten Freunden sagen sollte, dass diese ihren Wintergarten abreissen müssen, weil er ohne Bewilligung gebaut wurde. Überhaupt war das Wort «Ammann» in der reinen Frauenrunde im «Forum» umstritten – bis eine Zuhörerin einwarf, das Wort sei doch der Inbegriff von Weiblichkeit, weil es an «Amme» erinnere.

Zum Schluss wollte Moderatorin Schreiber wissen, als welches Tier sich ihre Gäste sähen. «Eine Kuh, weil sie Hörner hat, aber Ruhe ausstrahlt», sagte Gautschy. «Und weil sie nur Gras frisst, nachher aber Rahm gibt – ich liebe Rahm.»

Laube hingegen sieht sich als «Zweiohrküken», eine fiktive Filmfigur, «weil ich zwei Ohren habe, eins für Familie und Freunde, eins für die Firma. Und ich bin ein Küken, weil ich noch so jung bin – mein Mann würde mich aber eher als ‹Gluggere› bezeichnen», sagt sie und lacht.