Wie die 42 Aargauer Abwasserreinigungsanlagen (ARA) fit für die Zukunft gemacht werden können, das zeigt ein Konzept des Kantons vom Jahr 2014 auf der Grundlage des kantonalen Richtplans. Es zeigt zudem auf, wie die Aargauer ARA-Landschaft in 20 bis 30 Jahren aussehen könnte. Denn je nach Zustand und Bedarf sollen die Anlagen nicht nur auf den Stand der Technik gebracht und damit saniert werden. Das Konzept fasst auch Erweiterungen und damit Schliessungen von Anlagen ins Auge. Es mache aber kaum Sinn, noch nicht amortisierte Anlage zu schliessen.

Im Unteren Aaretal steht gemäss Informationen des «Badener Tagblatt» zur Debatte, aus den drei Kläranlagen in Klingnau, Kleindöttingen und im Leuggermer Ortsteil Gippingen eine zu machen. Wobei auch ein Neubau unterhalb des Wasserkraftwerks geprüft wird.

Jörg Kaufmann von der Abteilung für Umwelt Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) bestätigt diese Informationen. "Die Anlagen im Aargau sollen wirtschaftlicher und ökologischer betrieben werden können", nennt er konkrete Vorteile des Konzepts für die Gemeinden und die Steuerzahler. 

Die Arbeitsgruppe mit Kaufmann sowie Behördenmitgliedern aus Klingnau, Döttingen, Tegerfelden, Böttstein und Leuggern hat sich bereits mehrmals getroffen. "Wir analysieren die drei Anlagen", sagt Kaufmann. "Zudem prüfen wir, ob in Zukunft ein ARA-Standort sinnvoller wäre." Die ARA in Klingnau reinigt die Abwässer aus dem Städtchen sowie von Döttingen und Tegerfelden. Jene in Kleindöttingen aus der Gemeinde Böttstein und jene in Gippingen aus der eigenen Gemeinde sowie einem Teil von Mandach. 

Grössere Anlagen sind effizienter

Grundsätzlich gilt: Je grösser eine Anlage, desto effizienter ist ihre Reinigungsleistung und desto wirtschaftlicher lässt sie sich betreiben. "Das grösste Potenzial für einen effizienten Ausbau hat Klingnau", sagt Kaufmann. Die dortige ARA ist die grösste (siehe Tabelle). Dazu gehört der Gemeinde das angrenzende Land, das für eine Erweiterung nötig wäre. Eine wichtige Voraussetzung hat sie schon vor einigen Jahren gelegt: Bei der letzten Revision der Bau- und Nutzungsordnung wurde dieses umgezont. 

Eine nicht unwesentliche Rolle spielen finanzielle Überlegungen, sprich die nötigen Investitionen für die Gemeinden und der zukünftige Schlüssel für die Betriebskosten. Bei der ARA Klingnau wird dieser nach der Wassermenge, das aus den jeweiligen Gemeinden zugeleitet wird, festgelegt. Bei anderen Anlagen im Aargau werden dagegen die Einwohnerzahl und der Industrieanteil berücksichtigt. "Es gilt, einen Kostenverteiler zu finden, bei dem alle profitieren", sagt Kaufmann. "Am Ende ist das Festlegen des Kostenverteilers ein politischer Entscheid." 

Klingnaus Ammann Oliver Brun bestätigt die Abklärungen. Welcher Standort das Rennen macht, sei aber offen. «Wir werden genau analysieren, welche Lösung am meisten Sinn macht.» Er verweist darauf, dass verschiedene relevante Faktoren wie Machbarkeit, Vorschriften und finanzielle Aspekte geprüft werden. «Wenn greifbare Resultate vorliegen, werden wir informieren.» Sich weiter zu äussern, mache zurzeit keinen Sinn und würde nur die Verhandlungen stören. «Bis gebaut wird, egal wo, wird aber noch viel Wasser die Aare hinunterfliessen.»