Döttinger Winzerfest

Eine Freude für den Gaumen und das Auge – die schönsten Bilder vom Winzermarkt

Was ein Bummel über den abwechslungsreichen Döttinger Winzermarkt mit Gene Kelly zu tun hat – ein Erlebnisbericht.

Hey – ich war high. Dabei hatte ich erst drei Hanf-Guetzli vom Märtbeck aus Oberhofen gegessen. Aber die schmecken ja so gut, dass mir nach dem Genuss zumute war, wie Gene Kelly in «I’m singing in the rain». Ja – es hat geregnet, aber der Winzermarkt ist deswegen längst nicht bachab gegangen. Dafür hat er viel zu viele treue Marktfahrer und ebensolche Besucher.

Zudem hat der Regenmacher – ob es nun Petrus ist oder nicht – in regelmässigen Abständen kurze Pausen eingelegt. Vielleicht hat die Anbieterin von pflegenden Aloe Vera-Produkten eine gewisse Umsatz-Einbusse hinnehmen müssen, weil Regen ja bekanntlich schön macht. Dem Duft, der vom Stand der Chilspeler Landfrauen her lockte, vermochte der Regen hingegen null Abbruch zu tun: Die frisch geflochtenen und gebackenen Zöpfe fanden wie jedes Jahr reissenden Absatz.

Grad als ich beim «Buchfink», dem fahrenden Antiquariat in den dünnen broschierten Band «Ideale Nacktheit – Naturaufnahmen menschlicher Körperschönheit» versunken war, ertönte ein gewaltiges , vielstimmiges «Bummm», dem zahllose weitere folgten: Auf der Showbühne beim Salmen schlugen 30 stramme Tambouren aus der 7500 Seelen-Gemeinde Brisighella in der Emilia Romagna auf ihre Trommeln, wie ihre Ahnen es bereits im Mittelalter taten. Das war nicht nur zum Hören, auch zum Schauen ein eindrückliches Erlebnis. Tonlos hingegen begeisterte die Kunst der Gaukler, die rund um die Bühne beim Altersheim Gross und Klein zum Staunen und Lachen brachten.

Hinter den Trick, mit einer langen Nadel einen Faden durch einen Luftballon zu ziehen wie Otto il Bassotto es tat, bin ich nicht gekommen, obwohl ich vor lauter Aufpassen schier zu atmen vergass. Vor dem Können des Jongleurs hingegen habe ich meinen Regenhut gezogen: Der balancierte auf seinem Kinn doch glattweg einen Stab mit zwei Etagen Gläser, die in der oberen Etage mit rohen Eiern gefüllt waren, schubste dann die untere Etage weg, fing die die obere mit dem Stab auf und kein Ei war kaputt.

Viel Handgemachtes und viel Feines zum Probieren

Mindestens ebenso unbegabt in Sachen jonglieren, war ich schon in der Schule beim Stricken. Entsprechend bewundere ich jeweils das grosse Angebot an reizenden, handglismeten Babyfinkli und Kinderjäckli. Überhaupt fasziniert mich stets aufs Neue, wie viel Handgemachtes es am Winzermarkt es zu entdecken gibt.

Zum Beispiel die Chips, die Veronika Waldvogel aus Schneisingen statt aus Härdöpfel aus Bananen in den Geschmacksrichtungen Nature, Salz & Essig und Paprika herstellt – eine Exklusivität in der Schweiz. Oder die von Karin Bendel und Susanne Schudel daheim in Hellikon hergestellten 28 Sorten Pralinés aus Edelschoggi. Unter all dem Gluschtigen habe ich frische Feigen aus Döttingen gesichtet, ebenso Kiwi-Konfi mit Chili , wie auch Glarner Alpchäs von der Talalp-Spanegg probiert.

Edle Tropfen trotzen Regen-Tropfen

Edle Tropfen trotzen Regen-Tropfen

  

Am Stand vom Arbeits- Wohnzentrum – AWZ – Kleindöttingen haben die «Beziehungskisten» und die mit Arvenholz-Flocken gefüllten Kissen meine Neugier besonders geweckt. Ersteres sind eine Art Wundertüte mit kleinen «Helferlein» wenn’s in der Liebe mal kriselt – wie etwa einem Geduldsfaden, Gesprächsstoff und Liebspillen. Zweiteres soll die Tiefschlaf-Phase entscheidend verbessern und wird mit einer Tüte voll Ersatz-Flocken verkauft.

Unterwegs bin ich dem schlank gewordenen Papa Moll begegnet – FdH oder Weight Watchers? Was auch immer: Sollte er im «Weissen Rössli» eingekehrt sein, hat er dem Speiseangebot garantiert nicht widerstehen können. Die Gastgemeinde Lengnau hat mit dem Schimmel in seinem Wappen in die gemütliche Festbeiz zu von einem Profi während 48 Stunden «Sous-Vide» gegarten Rinderbrust mit Dinkelreis und Gemüse gelockt und die Vegis zu gebratenen frischen Steinpilzen. Fazit: Das Wetter hat den verführerischen Reizen von Kunst, Kitsch und Köstlichkeiten rein gar nichts anhaben können.

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