Stausee Klingnau

«Eine Einleitung kann verantwortet werden»

Regierungsrat: «Massnahmen gegen die Verlandung des Klingnauer Stausees sind absolut notwendig.»

Regierungsrat: «Massnahmen gegen die Verlandung des Klingnauer Stausees sind absolut notwendig.»

Erst schlugen die Fischer Alarm. Nun nimmt der Regierungsrat Stellung zur Einleitung des PCB-belasteten Schlamms aus dem Stausee Klingnau in den Rhein.

Nachdem die Fischer wegen der Absicht des Kantons, PCB-belastetes Material aus dem Stausee Klingnau in den Rhein zu pumpen, Alarm schlugen, reichte Grossrat Theo Voegtli (Kleindöttingen) Mitte November 2010 eine Interpellation zu diesem Thema ein. Nun liegt die Antwort des Regierungsrates vor.

Dieser weist darauf hin, dass die Hochwassersicherheit der Aare und die Verlandung des Klingnauer Stausees seit Jahren Massnahmen erforderten. Erwähnt werden der Abbruch der Klingnauer Halbbrücke zur Verbesserung der Hochwassersicherheit 2005, die Öffnung eines Seitenarms auf der linken Seite des Stausees 2007 sowie die Erhöhung der Hochwasserschutzdämme im letzten Jahr. Mit der aktuell geplanten Ausbaggerung soll laut Ausführungen des Regierungsrates «ein neues hydraulisches Gleichgewicht geschaffen werden». Bei der Prüfung der in Betracht kommenden Varianten habe sich das Abpumpen des Schlamms mit Wiedereinleiten in der Aare-Rhein-Mündung als die beste Variante herausgestellt.

«Vorgaben sind erfüllt»

In seiner Antwort räumt der Regierungsrat ein, dass er sich bewusst sei, «dass persistente organische Schadstoffe schlecht abbaubare, toxische chemische Substanzen sind, die sich nach ihrer Freisetzung via Luft und Wasser, aber auch über die Nahrungskette, global ausbreiten und fernab des Orts ihres Eintrags Mensch und Umwelt belasten». Auch sei er sich bewusst, dass belastete Sedimente gemäss Gewässerschutzgesetz speziell entsorgt werden müssten. Die gesetzlichen Auflagen seien im vorliegenden Projekt erfüllt, schreibt der Regierungsrat in seiner Beantwortung der Interpellation. Die im Vergleich zur Gesamtfracht von Schwebstoffen in der Aare geringe Menge von umgelagerten Sedimenten werde zu keiner massgeblichen Veränderung der generellen Belastungssituation von PCB in Fischen führen. Eine Einleitung könne aufgrund der Menge von 30000 bis 40000 Kubikmetern verantwortet werden. Dies entspreche geschätzten 10 Prozent der Jahresfracht.

Material hat Inertstoff-Qualität

Die Deponierung des Sediments beurteilt der Regierungsrat als «grundsätzlich realisierbar». Gemäss den Prüfberichten vom Juli 2005 und vom Januar 2011 weise das Material bezüglich Schadstoffen und den gemessenen Schwermetallen (Cadmium, Kupfer, Quecksilber, Nickel, Blei und Zink) teilweise die Qualität von unverschmutztem Aushub respektive lnertstoff-Qualität auf. Der Regierungsrat vertritt in seiner Antwort die Ansicht, eine Deponierung in Oberflächendeponien hätte erhebliche Umweltauswirkungen zur Folge – unter anderem die notwendige Trocknung und mechanische Vorbehandlung des ausgebaggerten Sediments sowie den Transport in die Deponien – und wäre mit geschätzten Mehrkosten von rund 4 Millionen Franken verbunden.

In Abwägung der ökologischen und wirtschaftlichen Aspekte habe sich deshalb das zuständige Departement Bau, Verkehr und Umwelt für die Einleitung der Sedimente in den Rhein unter Einhaltung der erlaubten Grenzwerte entschieden.

«Antwort zufriedenstellend»

Für Interpellant Theo Voegtli sind die Ausführungen des Regierungsrates zufriedenstellend ausgefallen: «Als Naturwissenschafter orientiere ich mich an den zur Verfügung stehenden Daten und beurteile darauf basierend Aufwand und Nutzen der vorgeschlagenen Lösung. Wenn ich davon ausgehe, dass die Daten stimmen und ich mir Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der vorgesehenen Massnahmen anschaue, komme ich zum Schluss, dass man der Ausbaggerung und Wiedereinleitung in den Rhein zustimmen kann.»

Die wohl schlechteste Lösung wäre, so Grossrat Theo Voegtli, wenn nichts gegen die Verlandung des Klingnauer Stausees getan würde: «Dann hätten wir sehr schnell keinen Stausee mehr, sondern nur noch eine Ansammlung von Gänse- und Entenkot.»

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