Endingen

Eine Ära endet nach 70 Jahren: Bauern lösen die Milchgenossenschaft auf

Die Milchabgabestelle und somit auch die «Chäsi Surbtal» schlossen vor 18 Jahren.

Ihre Milch können die Endinger Bauern schon lange nicht mehr im Milchhüsli abgeben. Nun endet auch die Geschichte der Milchgenossenschaft. Sie hatte noch 12 Mitglieder.

70 Jahre ist es her, als rund 50 Bauern die Milchgenossenschaft Endingen gründeten. Mit der Einführung der Hofabfuhr 2001 hatte das Milchhüsli als Annahmestelle ausgedient. Denn der Milchlastwagen fährt seither direkt auf den Hof. Dieses Jahr haben die verbliebenen zwölf Mitglieder die Genossenschaft nun aufgelöst.

«Damit endet ein Stück Geschichte», sagt der ehemalige Präsident Mathias Spuler. Zwar sei die Genossenschaft schon seit 18 Jahren nicht mehr aktiv. Aber die jährlichen Generalversammlungen hätten immerhin den gesellschaftlichen Aspekt noch am Leben erhalten.

«Das Milchhüsli war früher ein Treffpunkt. Dort sah man sich zweimal täglich beim Milchabliefern», sagt Spuler. An den Versammlungen hätten sich die Bauern des Dorfes mindestens noch einmal pro Jahr gesehen. Da unterdessen auf vielen Höfen Generationenwechsel stattgefunden hätten, sei jetzt der Zeitpunkt da, die Genossenschaft aufzulösen.

Die 1949 gegründete Genossenschaft zählte in ihrer Blütezeit in den 60er-Jahren rund 60 Milchproduzenten. «Darunter waren auch zahlreiche Kleinstbetriebe, die täglich zwei oder drei Liter Milch ablieferten», sagt Spuler. Die Käserei Caporaso, damals noch in Lengnau, verarbeitete zuletzt die Milch zu Käse, der zum Teil im Lädeli an der Marktgasse 2 verkauft wurde. 1991 baute die Genossenschaft den Milch- und Käseladen im Milchhüsli um.

«Wir wollten dem Laden nochmals Schub geben», sagt Spuler. Mit Erfolg: «Bis zur Schliessung zehn Jahre später lief die ‹Surbtal-Chäsi› gut.» Als aber 2001 die Hofabfuhr eingeführt und somit das Milchhüsli geschlossen wurde, musste auch der Laden schliessen. Paul Eggimann, der die «Chäsi» oder die «Milchi», wie sie im Dorf genannt wurde, ein Jahrzehnt lang führte, fehlte durch den Wegfall der Milchannahme eine wichtige Einnahmequelle. Nur vom Verkauf der Milchprodukte konnte er nicht leben.

Auf die «Chäsi» folgte zuerst ein Blumengeschäft, seit rund zehn Jahren betreut nun die Tierarztpraxis Rüdiger kleine und grosse Tiere im ehemaligen Milchhüsli. Seit zehn Jahren ist auch die Gefrieranlage mit 300 Fächern nicht mehr in Betrieb. Veränderte Vorschriften hätten einen Umbau nötig gemacht. «Das wäre zu teuer gewesen.»

Private lagerten dort Früchte sowie Gemüse aus ihrem Garten, und Bauern, die selber metzgen, gefroren Fleisch ein. «Wie das Milchhüsli gab es auch solche Gefrieranlagen in jedem Dorf», sagt Spuler.

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft zeigt sich nicht nur in der Schliessung des Milchhüsli. Heute besitzen in Endingen noch vier Betriebe Milchkühe. «Sie produzieren so viel Milch wie früher alle Bauern zusammen», sagt Spuler. Dass es immer weniger Milchbauern gibt, liege am tiefen Milchpreis.

«Die Rechnung geht bei vielen nicht mehr auf», sagt der Landwirt. Auch er verkaufte vor über zehn Jahren seine Kühe und setzt seither ganz auf Kartoffeln und anderes Gemüse. Denn: «Die meisten Milchbauern können nur überleben, wenn sie ein weiteres Standbein aufbauen.»

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