Zurzibiet

Einbrecher, Brand, Beinbruch: Dieser Aargauer Velohändler lässt sich durch nichts unterkriegen

45 Jahre gibt es das Radsportgeschäft Kewa-Rad. Mit seinen zwei Läden gehört er zum Zurzibieter Urgestein. Nun meistert Walter Keller auch die Coronakrise mit stoischer Ruhe.

Es gibt kaum einen Zweirad-Besitzer im Zurzibiet, der sein Velo oder Töffli nicht bei ihm flicken liess: Walter Keller eröffnete vor 45 Jahren sein Radsportgeschäft Kewa-Rad. Dass es die beiden Läden in Endingen und Kleindöttingen noch immer gibt, ist nicht selbstverständlich. Die Krisen meisterte der 67-Jährige mit stoischer Ruhe. So auch die aktuelle Coronapandemie.

«Unsere Kunden halten uns die Stange, die Mechaniker haben alle Hände voll zu tun», sagt Keller. Er sei aber froh, ab dem 11.Mai auch wieder Velos verkaufen zu können, so der gelernte Maurer, der nach seiner Ausbildung aber schon bald auf Velos umsattelte. In jungen Jahren begleitete Keller als Mechaniker verschiedene Velotoure und schaute dem Chefmechaniker der Schweizer Nationalmannschaft über die Schulter. Er hielt auch die Velos von Stars wie dem US-Amerikaner Andrew Hampsten in Schuss, der als Amateur für die US-Nationalmannschaft fuhr sowie 1986 und 1987 als Profi die Tour de Suisse gewann.

Einbrecher in flagranti erwischt

Mit 22 Jahren eröffnete Keller in Endingen sein eigenes Velofachgeschäft in den Räumen der früheren Schuhmacherei. Als die Metzgerei Werder drei Jahre später in die Räumlichkeiten einzog, werkte Keller zuerst zwei Jahre in der Garage eines Freundes und dann in der Scheune seines Onkels weiter. Er kaufte die Scheune schliesslich an der Winkelstrasse 8 und baute sie zum heutigen Wohn- und Geschäftshaus mit Werkstatt und Ausstellungsraum um. «Ich habe alles selbst abgerissen und neu gebaut», sagt Keller. In der einen Wohnung lebt er mit seiner Frau noch heute.

Einen guten Riecher hatte Keller, als er vor 20 Jahren einen Diebstahl im Geschäft in Kleindöttingen verhinderte, das er 1989 von seinem Bruder übernommen hatte. Drei tschechische Kunden verhielten sich verdächtig. Keller verbrachte deshalb die Nacht im Geschäft. Gegen 23.30 Uhr wollte er im benachbarten Restaurant einen Kaffee holen. «Ich sah die Autos vorfahren und hörte, wie sie die Brecheisen herausholten.» Über ein Fenster, das sie mit einem Kaugummi präpariert hatten, verschafften sie sich Zugang. Keller verständigte die Polizei, welche die Einbrecher in fla­granti erwischte.

Den Einbruch von 2018 konnte Walter Keller hingegen nicht verhindern. Zwei Letten und ein Litauer klauten hochwertige Carbon-Räder im Wert von 200000 Franken und beschädigten zahlreiche weitere Velos. In Deutschland tauchten die gestohlenen Velos wieder auf. Bis er seine Zweiräder zurückerhielt, die er noch für den Einstandswert verkaufen konnte, erlebte er eine bürokratische Odyssee. So wehrte er sich erfolgreich dagegen, mehrere tausend Franken an Steuern bei der Einfuhr zahlen müssen. Schrecksekunden erlebten Walter Keller und seine Frau Priska, als sich in einer Februarnacht 2014 im Endinger Geschäft ein Akku eines Elektrovelos entzündete und die Werkstatt sowie der Ausstellungsraum in Brand gerieten. «Es sah aus wie in einer Rauchkammer», erinnert sich Keller. Auch die Wohnungen wurden in Mitleidenschaft gezogen. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Der Sachschaden betrug rund eine halbe Million Franken.

Bei Skiunfall verheerenden Beinbruch erlitten

Noch heute findet Keller Russ in seinen Büchern. «Ich überlegte mir, in Endingen aufzuhören.» Aber dank der Unterstützung seiner langjährigen Mitarbeiter, die Brüder Hamit und Nysret Ahmetaj, sanierte er das Haus mitsamt Geschäft. Besonders ein Moment blieb ihm in Erinnerung: «Ein Mädchen brachte Nysret eine Tulpenzwiebel und sagte, er solle sie draussen setzen. Wenn die Blume blühe, müsse das Geschäft wieder offen sein.»

Weniger Glück hatte der 67-Jährige Anfang dieses Jahres. Am letzten Tag seiner Skiferien stürzte er schwer, brach sich das Bein fünfmal. Keller verbrachte längere Zeit im Spital. Dabei ging die Zahlung einer Rechnung des Velogeschäfts vergessen und das Handelsregisteramt vermeldete die Eröffnung des Konkurses. Er konnte aber die Situation bereinigen, das Verfahren wurde aufgehoben. Noch heute plagen Keller Schmerzen. Klagen will er aber nicht, es sei vergleichsweise eine Bagatelle. «Seit kurzem kann ich wieder jeden Tag auf dem Balkon Velo fahren.» Ob einer seiner beiden Söhne einmal das Geschäft übernimmt, ist noch nicht klar. Fest steht aber: «Die Kewa-Geschäfte werden weiter bestehen.»

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