«Giroflex ist ein Teil der Koblenzer Identität», sagte Gemeindeammann Andreas Wanzenried im Sommer. Damals wurde bekannt, dass der Zurzibieter BürostuhlPionier an den norwegischen Möbel-Riesen Flokk verkauft worden war. Politiker, Gemeindeverband und Gemeinderat äusserten in der Folge ihre Sorge um den Giroflex-Standort in Koblenz. Das Grenzdorf fürchtete um den Erhalt der 130 Arbeitsplätze im Hauptsitz und weiterer 50 Stellen bei der Tochter- und Zulieferfirma Espisa.

Giroflex solle als eigenständige Marke weiterexistieren, wurde damals versichert, aber eine Garantie für ein Festhalten am Produktionsstandort gab es nicht. Bis Ende Jahr wollte der norwegische Möbelkonzern entscheiden, wie es weitergeht.

Frohe Botschaft

Diese Woche nun die frohe Botschaft: Rund 100 der 130 Giroflex-Mitarbeiter können aufatmen. Vertrieb, Forschung und Entwicklung sowie Marketing bleiben in Koblenz. Was mit der Produktion geschieht, soll nach einer weiteren Analyse in drei Monaten entschieden werden (AZ vom 28. 12.).

«Das ist eine gute Nachricht für die Gemeinde, fast wie ein Weihnachtsgeschenk», sagt Ammann Andreas Wanzenried. In den letzten Wochen hätten sich die Anzeichen verdichtet, dass Flokk an Koblenz festhalte. «Diese Meldung war nun die Bestätigung der Gerüchte», so Wanzenried. Im Hintergrund hätten verschiedene Gespräche stattgefunden, auf die er nicht näher eingehen will. Direkten Kontakt zu Giroflex oder Flokk habe der Gemeinderat nicht gehabt. «Aber indirekt haben wir klarmachen können, wie wichtig es für Koblenz ist, dass die Firma hierbleibt.»

Zurzibiet als guter Standort

«Auf unsere Steuereinnahmen hatte Giroflex in den letzten Jahren keinen grossen Einfluss», sagt der Ammann. 2016 konnte die Firma erstmals seit 2008 wieder einen Gewinn ausweisen. Aber für die Arbeitsplätze, Restaurants und Geschäfte in der Region sei der Entscheid erfreulich. «Die indirekten Steuereinnahmen sind in diesem Fall für die Gemeinde fast wichtiger», sagt Wanzenried.

Auch der Gemeindeverband Zurzibiet Regio hatte sich im Sommer in die Diskussion eingeschaltet und seine Vermittler-Dienste angeboten. «Wir schauen nicht tatenlos zu: Uns ist es wichtig, dass die Arbeitsplätze in der Region erhalten bleiben», sagte Geschäftsführer Bruno Hofer damals. Heute begrüsst er in einer Stellungnahme die aktuelle Entwicklung: «Wir sind erfreut zu vernehmen, dass rund 100 Arbeitsplätze gehalten werden können. Dies zeigt, dass das Zurzibiet gute Standortfaktoren aufweist. Zu wünschen bleibt, dass auch noch die Produktion in der Region bleiben kann.» Der Gemeindeverband werde weiterhin aufmerksam beobachten, was geschieht.

Wanzenried blickt ebenfalls mit Interesse auf die nächsten drei Monate: «Auch ich hoffe, dass die Produktion in Koblenz bleibt, und möchte direkten Kontakt zu den Verantwortlichen aufnehmen.» Und Zurzibiet Regio vermeldet: «Wir stehen für Gespräche und Vermittlerdienste bereit.»