Kaiserstuhl

«Ein Wechsel zum Kanton Zürich wäre naheliegend»

Wegen der begrenzten Gemeindefläche von nur 32 Hektaren kann sich Kaiserstuhl nur schwer entwickeln. angelo zambelli

Wegen der begrenzten Gemeindefläche von nur 32 Hektaren kann sich Kaiserstuhl nur schwer entwickeln. angelo zambelli

In der Oktober-Ausgabe der Gemeindenachrichten formuliert Valentin Egloff vom Verein Pro Kaiserstuhl interessante Gedankengänge zur Zukunft der Gemeinde.

Ungeheuerliches sei im Juni 2010 passiert, schreibt Egloff. Eine Gruppe von Bürgern aus Bachs habe die Idee verbreitet, das Bachsertal zum Kanton Aargau zu schlagen, da befürchtet wurde, der Kanton Zürich würde den Finanzausgleich kürzen. Der Vorstoss sei als Signal an den Zürcher Kantonsrat gedacht und kaum ernst gemeint gewesen. «Berechnungen haben gezeigt, dass Bachs im Aargau finanziell nicht besser gestellt wäre.»

Kaiserstuhl geht leer aus

Egloff fragt sich, ob Kaiserstuhl in einer ähnlichen Situation stecke – ein Vorzeigeobjekt mit wenig Unterstützung. «Kürzlich wurden die Finanzausgleichszahlen für das Jahr 2012 veröffentlicht. So erhält zum Beispiel Fisibach 467000, Siglistorf 489000 und Wislikofen 543000 Franken Finanzausgleich», berichtet Egloff. «Und Kaiserstuhl geht leer aus.» Offenbar sei die Steuerkraft der Einwohner über dem kantonalen Mittel.

Da stelle sich ihm unweigerlich die Frage, ob das System richtig funktioniere, schreibt Egloff. «Früher musste Kaiserstuhl in den Finanzausgleich sogar Leistungen erbringen.»

Fusion «nicht das Gelbe vom Ei»

Fast müssig sei es zu fragen, was Kaiserstuhl, das sich mühsam jedes Jahr ein knappes Budget erarbeite, vom Umland, vom Bezirk und vom Kanton erhalte. «Unsere Grenzlage zum Kanton Zürich und zu Hohentengen sowie unser kleines Gemeindegebiet erschweren eine vernünftige Entwicklung. Bezirksschule und Verwaltung mussten bereits ausgelagert werden. Grosse Teile unseres Bezirks sind offenbar mit den gleichen Problemen konfrontiert. Ein Zusammenschluss einer Reihe finanzschwacher Gemeinden ist wohl auch nicht das Gelbe vom Ei», schreibt Egloff.

Es liege nahe, einen Wechsel zum Kanton Zürich in Betracht zu ziehen. Aber: Als Zürcher Unterländergemeinde mit tiefem Steuerfuss und S-Bahn-Anschluss würde Kaiserstuhl wohl in Kürze überrannt werden, befürchtet Egloff. «Seien wir froh, dass der ungesunde Zürcher Bauboom noch auf sich warten lässt. Sonst geht es uns wie vielen Seegemeinden – die Einheimischen finden in ihrer eigenen Gemeinde keinen bezahlbaren Platz mehr.»

«Tragen wir Sorge zur Lebensqualität»

Also gelte es, das eigene System zu verbessern und sich auf seine Stärken zu besinnen: der Kreisschule Sorge zu tragen, die Bedeutung von Kaiserstuhl in der Verwaltung 2000 zu stärken und die Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden zu pflegen. «Unsere intakte Altstadt sowie die schönen Landschaften am Rhein und am Rande des Schwarzwaldes sind eine grosse Chance. S-Bahn, Gastronomie, Theater, Rheinschifffahrt, Kinderhort und die zahlreichen kulturellen Veranstaltungen, die man fast nur in einer städtischen Atmosphäre findet, sind – nebst zahlreichen Vereinen – Standortvorteile, die wir zeigen können.»

In den bestehenden, engen Grenzen werde sich Kaiserstuhl einwohnermässig nicht gross entwickeln können. «Also tragen wir Sorge zu dem, was wir überreichlich haben: Lebensqualität im Zurzibiet.» (za)

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