Die zentrale Frage bei der Planung eines regionalen Altersheims vor 30 Jahren durch die Gemeinden Döttingen, Böttstein, Klingnau und Koblenz war die Wahl des richtigen Standorts.

Eine regionale Arbeitsgruppe wählte aus 9 Standorten – 2 in Kleindöttingen, 3 in Döttingen, 3 in Klingnau und 3 im Grenzbereich Döttingen-Klingnau – denjenigen im Mitteldorf Döttingen aus.

Diese Wahl stiess nicht überall auf Zustimmung. In einem langen Zeitungsartikel äusserte sich der damals 73-jährige pensionierte Döttinger Gemeindeschreiber Franz Knecht kritisch zur getroffenen Wahl: «Ohne die intensive Arbeit der regionalen Altersheimkommission zu schmälern, möchte ich meinen Ausführungen einen Spruch des Schweizer Soziologie-Professors Peter Atteslander voranstellen: ‹Nicht die Alten sind das Problem, sondern diejenigen, die für sie und nicht mit ihnen planen und bauen.»

Der automobilisierte jüngere Mensch sehe die Frage der Distanzen, der Spaziermöglichkeiten des Kirchganges usw. mit ganz anderen Augen als der ältere, vielfach mit Altersbeschwerden belastete Mensch, wetterte Knecht gegen den Standort im Mitteldorf.

Er vertrat die Ansicht, ein Altersheim dürfe nicht abseits, sondern in der Nähe von bewohnten Gebieten mit vielen Kindern liegen, «denn der bei Schulhäusern und Kinderspielplätzen vorhandene Lärm stört die älteren Menschen nicht und hört beim Einnachten ohnehin auf.» Alte Leute würden mit Blick auf ihr Lebensende gerne und unauffällig Friedhöfe besuchen, schrieb Franz Knecht in seinem Zeitungsartikel.

Mit dem Argument «ein Altersheim darf sich nicht als Trinkerheilanstalt gebären, doch ist Wirtshausnähe nicht unbedingtes Erfordernis» lehnte Knecht den Altersheimstandort gegenüber dem Hotel Ochsen ab und machte sich für den Bau des Altersheims auf einem Wiesengrundstück oberhalb des Schulhauses «Bogen» stark.

«Von diesem Gebiet aus können mehrere gut ausgebaute Spazierwege in die Rebberge, die nahen Wälder und die Schulhaus -und Kirchenplätze gemacht werden, während beim anderen Platz nur Spaziergänge dem Wasser entlang möglich sind. Möge man endlich Verständnis für die Angst der Betagten vor dem motorisierten Verkehr aufbringen! Oder müssen noch mehr leichtere und sehr schwere Unfälle sich ereignen, bis die junge, mittlere und vor allem die automobilisierte Generation diesbezüglich einsichtig wird?»

Die mahnenden Worte des pensionierten Gemeindeschreibers wurden gehört; dennoch fiel der Entscheid gegen den Standort Lache/Bogen und für den Bau des regionalen Altersheims im Mitteldorf.

Kosten von 7,2 Millionen Franken

1979 und 1980 erfolgten die notwendigen Landkäufe durch die Gemeinde Döttingen. An den Sommergemeindeversammlungen 1980 stimmten Döttingen, Böttstein, Klingnau und Koblenz den Statuten des Zweckverbandes «Regionales Altersheim unteres Aaretal» zu und genehmigten die Verpflichtungskredite für das Neubauprojekt der Architektengruppe Aeschbach, Felber und Kim aus Aarau. An die Kosten für den Altersheim-Neubau von 7,2 Millionen Franken leisteten Bund und Kanton einen Beitrag von rund 40 Prozent. Den Verbandsgemeinden blieben Nettoanlagekosten von rund 4,5 Millionen Franken.

Am 21. Mai 1982 erfolgte der Spatenstich für das neue Altersheim auf dem Areal der Ende der 1960er-Jahre abgebrochenen Kirche im Döttinger Mitteldorf. Vor 30 Jahren – am 2. April 1984 – konnten die ersten drei Pensionäre ins regionale Altersheim unteres Aaretal einziehen.

Tag der offenen Tür im Altersheim Döttingen, Samstag, 10. Mai, 9.30 bis 16.30 Uhr.