Die Beiz der Brüder Klaus (Matthias Haag) und Gabriel (Andreas Glück) ist am Ende – und sie mit ihr. Sie hocken auf einem Schuldenberg und in der maroden Wirtsstube hockt, ausser dem Freibier-Fetischisten Arno (Stefan Kloter) und der mannstollen Schnapsdrossel Susi (Rita Keller), niemand. Selbst der Versuch von Klaus, dem Elend mittels Strang ein Ende zu bereiten, scheitert kläglich. Doch als – direkt aus dem Knast – Zwinker-Eddi (Mario Noetzli) als Retter, respektive Berater in der Not auftaucht, scheint sich das Blatt doch noch zum Guten zu wenden.

Indes – wie es so geht im Leben, insbesondere aber in einem Schwank, ist der Weg zum Happy End mit allerlei Stolpersteinen gepflastert. So wie es auch in «Männer Wirtschaft» der Fall ist – und wie! Die deutsche Autorin Uschi Schilling schreibt seit vielen Jahren Komödien für Laienbühnen. Wer für die Dialektbearbeitung dieses 2003 entstandenen Stücks verantwortlich ist, ist aus dem Programm-Flyer nicht ersichtlich. Egal: Die vier Darstellerinnen und vier Darsteller reden, wie ihnen – und uns – der Schnabel gewachsen ist. So fühlt man sich als Zuschauer, kaum hat sich der Vorhang geöffnet, gleich mitten drin im wahren Leben.

Blond und sexy

Also, natürlich schon nicht so ganz und gar mit Haut und Haar. Denn welche Frau verkleidet sich schon als Mann, um ihrem Liebsten auf die Schliche zu kommen? Sonja (Diana Patrizio), die Verlobte von Klaus, tut das, während er – mangels adäquatem Servicepersonal – sich vorübergehend in eine sexy Blondine verwandelt. Diese Szene ist zweifellos der Höhepunkt des Abends und Matthias Haags Travestie-Einlage ein komödiantisches Kabinettstücklein. Viel komisches Talent zeigt auch Barbara Lüscher als Staubsauger-Vertreterin: Ihre akustische Demonstration des Wundergerätes hinter verschlossener Türstrapaziert die Lachmuskeln des Publikums arg, was ja Sinn und Zweck einer Komödie ist.

Roy Black als special guest

Allerdings entwickelt sich «Männer Wirtschaft» insgesamt leider wenig überraschend. Bei allen Turbulenzen, harzt die Geschichte und sind die Pointen etwas spärlich gesät. Besonders der dritte Akt enttäuscht, in dem das Happy End – eine Vierfach-Hochzeit – mit dem Holzhammer herbei geführt wird: Witz und Spritzigkeit versanden hier in ziemlicher Einfallslosigkeit. Daran vermag auch der Auftritt von Regisseur Marcel Schlegel als Roy Black und der Damen ganz in Weiss, ohne einen Blumenstrauss nicht viel zu ändern.

Das Schmankerl zum Schwank

Den grössten Plausch an dem ganzen Gaudi macht einem als Zuschauer aber ganz gewiss die Leidenschaft der Mitwirkenden auf und hinter der Bühne. Man sieht’s und spürt’s: Da wurde enorm viel geprobt, wurden viele Stunden ins gelungene Bühnenbild investiert, leisten die Maskenbildnerinnen ganze Arbeit.

Und – last but not least – sorgt auch ein Heer von Helferinnen und Helfern dafür, dass nicht nur das Gemüt, sondern auch Kehle und Magen auf ihre Rechnung kommen: Hörnli und Ghackets, Gerstensuppe mit Wienerli, selbst gemachte Kuchen, Wein, Bier, Kaffee und Cüpli – für die Damen gibt’s eins gratis! – sind die Schmankerl zum Schwank.

«Männer Wirtschaft»: Wird in der Mehrzweckhalle Rietwise noch am Freitag, 30. Januar und am Samstag, 31. Januar, jeweils um 20 Uhr gespielt.