Adrett, kompetent, mit einem spitzbübischen Lächeln: Auftritte vor einem grossen Publikum ist sich Stefan Wagner gewohnt. Dennoch war er «nervös wie ne Mohre», als er in Böttstein zum Bewerbungsgespräch erschien. «Letztmals befand ich mich Anfang der 90er-Jahre in einer solchen Situation», sagt der 51-Jährige aus Oberflachs.

Doch die Stelle als Gesamtschulleiter in Böttstein war ihm eine Herzensangelegenheit und kein blosser Versuchsballon, um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt auszuloten, wie er beteuert. «Der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung besteht schon seit zwei, drei Jahren», sagt Wagner.

Von den 450 Kindergärtlern, Primar- und Oberstufenschülern in Böttstein dürften die wenigsten sein Gesicht kennen. Bekannt ist der vierfache Familienvater allerdings einem Millionenpublikum. Von 1995 bis 2006 moderierte Wagner verschiedene Sportformate im Schweizer Fernsehen, war unter anderem Ressortleiter der Sendung «Sportaktuell».

2006 wechselte er zur Business Unit Sport der SRG, seit 2015 arbeitet er wieder in der Abteilung SRF Sport, aktuell als Projektleiter und Programmplaner Live. Olympische Spiele, Ski- und Fussballweltmeisterschaften waren seine Welt.

Nun, im gesetzten Alter, wagt er den Branchenwechsel. Wagner macht keinen Hehl daraus, dass er sich beim Schweizer Fernsehen zuletzt nicht mehr wohlgefühlt hat. Er nennt «unterschiedliche Auffassungen über das Führen von Mitarbeitenden» als Grund für die bevorstehende Trennung.

«Aufgrund meiner Biografie und meiner Interessen haben ich begonnen, mich im Bildungswesen nach einer Stelle umzuschauen», sagt der ausgebildete Sekundarschullehrer.

Weniger Lohn, weniger Prestige

Vom angesehenen TV-Mann im Leutschenbach zum Gesamtschulleiter in Böttstein: Den Prestigeverlust und den geringeren Lohn nimmt Wagner gerne in Kauf. «An der Schule kann ich mich für die Ausbildung junger Menschen einsetzen, habe mehr Einfluss, bin näher am Leben. Und das Finanzielle stand nie im Zentrum meiner Überlegungen.» Das 90-Prozent-Pensum in Böttstein tritt Wagner zu Beginn des neuen Schuljahrs an.

Dort tritt er die Nachfolge von Gabi Spuhler an. Schulpflege und Schulleitung sind schon jetzt voll des Lobes über den neuen Angestellten: «Stefan Wagner bringt mannigfache Erfahrung in den Bereichen Planung, Umgang mit Menschen und deren Entwicklung sowie fundierte Führungserfahrung mit.»

Und weiter: «Er überzeugte uns nicht nur durch seine fachlichen Qualitäten und ausgezeichneten Referenzen, sondern auch durch seine gewinnende, ruhige und souveräne Art.»

Wagner ist sich indes bewusst, dass er Nachholbedarf hat. «Ich habe keine Ausbildung als Schulleiter und muss auch das Schulumfeld wieder kennen lernen. Es hat sich in den letzten Jahren stark verändert.»

Nach Abschluss seiner Ausbildung 1988 war Wagner drei Jahre als Lehrer an unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen Pensen tätig. Dann folgte der Wechsel in die Medienbranche.

Noten statt Quoten

Nun gehts also um Noten statt um Quoten. Für 450 Schüler, 29 Klassen und 60 Lehrpersonen wird Wagner in Böttstein verantwortlich sein. «Ich bin einer, der die Sache ins Zentrum stellt», sagt er, «klar bin ich der Chef, aber ich verstehe mich als Unterstützer des Teams und will den Lehrpersonen ein optimales Umfeld bieten.»

Zu seinen Stärken zählt er den Umgang mit Menschen und sein Organisationstalent. «Und man darf mir auch sagen, wenn ich etwas nicht so gut mache.» Schon jetzt wird Wagner von Gabi Spuhler unterstützt, erhält vollen Einblick in ihre Arbeit und wird an alle wichtigen Termine eingeladen. «Das schätze ich sehr», sagt Wagner.

Ab November wird er an der Fachhochschule Nordwestschweiz die Ausbildung zum Schulleiter, die nur berufsbegleitend möglich ist, in Angriff nehmen. «Ich freue mich auf all die neuen Menschen und ich freue mich, ein Teil des Bildungssystems zu sein», sagt Wagner. Und wird er das Schweizer Fernsehen vermissen? «Ein Teil des Teams wird mir mit Sicherheit fehlen. Auf einige andere Aspekte kann ich gut verzichten.»