Sandra sieht zauberhaft aus in ihrem wunderschönen Brautkleid, in dem sie in einer Stunde vor den Traualtar treten wird. Besser gesagt: Treten sollte. Denn es gibt da gewisse Komplikationen, von denen allerdings die Familie noch genau so wenig ahnt, wie das Premieren-Publikum in der Mehrzweckhalle Leuggern am Samstagabend. Zunächst jedenfalls sieht alles nach den letzten Vorbereitungen für ein perfekt organisiertes, grosses Hochzeitsfest aus.

Gerhard, der Grosspapa der Braut mütterlicherseits allerdings hat arg mit dem obersten Knopf seines Gala-Hemdes zu kämpfen und auch ein bisschen mit dem Gedächtnis. Bei seiner Gattin Georgette hingegen steckt das Problem in der Leibesmitte beim Verschluss des Korsetts.

Als Brautvater Manfred vom Blumen-Abholen zurückkommt, bringt ihn ein Anruf total aus dem Häuschen: Als Werbefachmann haben er und sein Geschäftspartner Beat den Auftrag einer bedeutenden Firma, ein neues Büstenhalter-Modell zu lancieren. Nun will der Auftraggeber ausgerechnet an diesem Morgen umgehend Resultate sehen.

Mani lässt alles rund um die Hochzeit stehen und liegen, will dem Mann sofort die lebensgrosse Kartonfigur einer attraktiven Frau aus den 20er-Jahren präsentieren, die Herz und Angelpunkt seiner BH-Werbung werden soll.

Tempo- und pointenreich

Manis Frau Anita reisst sich ungeheuer zusammen, um nicht durchzudrehen, Beat giesst sich viel lieber ein Glas Sekt ein, als seinen Geschäftspartner zu unterstützen. Oma und Opa schlagen sich immer aufgeregter mit ihren schwierigen Bekleidungsproblemen herum, als Mani gegen eine Türe rennt. Knockout! Der Getroffene geht, seine Werbegirl-Figur im Arm, zu Boden. Da sich gerade niemand anderer im Raum befindet, wird Mani nicht angezählt. Aber als er wieder aufsteht, hat er nicht mehr die Kartonfigur, sondern das Girl in Fleisch und Blut leibhaftig im Arm.

Nun könnte an dieser Stelle berichtet werden, was mit Mani und der hübschen jungen Frau im Charleston-Look weiter geschieht. Doch das würde die kommenden Besucher von «Und das am Hochziitsmorge» um gar so manche umwerfend komische Überraschung bringen und den einen oder anderen der höchst vergnüglichen Gags verraten. Deshalb nur so viel: Ein Psychiater würde nach dem k. o. bei Mani höchstwahrscheinlich eine «akute Amnesie, verbunden mit einer halluzinogenen Persönlichkeitsstörung» diagnostizieren.

Keine Angst: Hinter dem, was so unverständlich tönt, verbirgt sich eine typische Komödie aus der Feder des Engländers Ray Cooney. Tempo- und pointenreich, mit so zahlreichen lustigen Verwirrungen und Komplikationen, dass es sich empfiehlt, die Lachmuskeln präventiv mit Dul-X zu behandeln. Dies umso mehr, als Gabi Regli bei der Bearbeitung, ganz besonders aber mit ihrer Inszenierung grossartige Arbeit geleistet hat.

Dabei stand ihr ein sehr talentiertes und hochmotiviertes Ensemble zur Seite. Im schmucken Bühnenbild (Markus Sibold), attraktiven Kostümen, prächtige frisiert und geschminkt (Sandy Malo und Monika Kündig) werden alle Darstellerinnen und Darsteller mit viel Einfühlungsvermögen, Temperament und viel Gespür für das Setzen von Pointen zu mitreissenden Komödianten.

Theo Sibold ist ein selbst in seinem Wahn äusserst glaubhafter Mani; Gisela Nussbaum setzt als seine ständig beruhigende und schlichtende Gattin einen schönen Kontrapunkt. Gefitzt gibt Hans Brechbühler den Opa Gerhard ebenso lebenswert-trottelig, wie Irene Mutter die Haare auf den Zähnen seiner Frau Georgette mitreissend präsentiert.

Noëlle Marti überzeugt als Braut ebenso, wie Stephan Gassmann als Beat. Mit famosen Tanzeinlagen brilliert Mara Schifferle als Charleston-Girl. Schliesslich landet, direkt aus Kanada, auch noch der Vater des Bräutigams in der guten Stube, was Mike Erdin die Gelegenheit gibt, sein schauspielerisches Talent auch mit englischem Akzent köstlich unter Beweis zu stellen.

Weitere acht Vorstellungen bis zum 24. November. Mehr Informationen unter: www.theaterleuggern.ch