Plötzlich, es war noch tiefer Winter, hatte er dagestanden: ein alter Restaurantwagen der SBB mitten auf dem Solvay-Areal. Im Verlauf der Wochen und Monate hatte er allmählich sein Äusseres leicht verändert, sah immer frischer und verjüngt aus. Was steckt bloss dahinter?

Mario Imber aus dem basel-landschaftlichen Reinach bringt des Rätsels Lösung: Er hatte einen Restaurantwagen gesucht und in Interlaken gefunden: «Es war ein Prototyp mit Baujahr 1983 und technisch noch tadellos im Schuss.

Wir müssen ihn nur gründlich reinigen und farblich auffrischen.» Zu diesem Zweck hat Imber den Standplatz auf dem Solvay-Areal gemietet und zusammen mit seiner Frau die Firma «Swiss Rail Car» gegründet: «Unser Ziel ist es, den Wagen für Gesellschaftsfahrten zu vermieten.»

Nun fährt so ein Eisenbahnwagen ja nicht von alleine durch die Gegend. Eine Lokomotive ist das Mindeste, was dazugehört. Und weil Restaurantwagen keine Toiletten haben, braucht es für eine fröhliche Fahrt wohl auch noch einen zweiten Wagen.

Hochrhein-Terminal und Kölliken

Mario Imber hatte dies durchaus bedacht, schliesslich ist er schon lange im Bahnwesen tätig, früher bei den SBB, jetzt bei «Bahn-Support» in Glattbrugg. Der Maschinen-Ingenieur Philipp Schneider, auch er ein lang gedienter SBBler, hatte die Firma 2006 gegründet.

«Die Liberalisierung des Schweizer Bahnnetzes stellte ausländische Bahnbetreiber vor Probleme. Denn wer hier fahren will, muss über Kenntnisse und Fähigkeiten nach Schweizer Norm verfügen.

‹Bahn Support› bietet die entsprechende Ausbildung an. Ausserdem führen wir Mess- und Testfahrten durch und bieten Serviceleistungen, vergleichbar jenen vom TCS auf der Strasse, sowie Rangierdienste an», erklärt Schneider.

Die ebenfalls von Schneider 2008 gegründete Tochterfirma Swiss Rail Traffic ergänzt und unterstützt die grossen Eisenbahnverkehrsunternehmen mit individuellen, spezifischen Konzeptionen.

«Beispielsweise stellen wir den Rangierdienst zwischen dem Hochrhein-Terminal und der Bahnstation Rekingen sicher. Da diese Strecke nicht elektrifiziert ist, müssen hier Dieselloks eingesetzt werden, über die unsere Firmen verfügen.»

Die Firma von Philipp Schneider steht auch in Kölliken im Einsatz, seit die Deponie zurückgebaut wird: «Unsere Züge überführen Sondermüll von der Deponie nach Niederglatt, wo das Material von der Eberhard Recycling AG gesichtet wird. Einen Teil führen wir dann weiter nach Basel in den Rheinhafen, von wo das Material per Schiff zur Verbrennung nach Holland überführt wird.»

Hochzeiten oder Geburtstage

Zurück zum Restaurantwagen auf dem Solvay-Areal. Im Herbst sollte er, so Mario Imber, frisch herausgeputzt sein, von den zuständigen Amtsstellen auf Herz und Nieren geprüft und somit fahrbereit.

«Wir werden ihn dann verschiedenen Bahnunternehmen und mit Flyern zum Mieten anbieten, entweder solo oder – zusammen mit dem Rollmaterial der Swiss Rail Traffic als Package.»

Ein gesellschaftlicher Anlass, etwa ein Hochzeits- oder ein Geburtstagsfest im Zug mit einer eigens zusammengestellten Fahrroute – die Nischenfirmen von Philipp Schneider und Mario Imbers Restaurantwagen machen es möglich.

«Ganz billig wird es gewiss nicht sein, aber je nach Anzahl Personen und Strecke auch nicht enorm viel teurer als Erst-Klasse-Billette auf derselben Route», sind sich Imber und Schneider einig.