Riesig war die Gästeschar, die sich in der frisch eröffneten Trotte Döttingen einfand und die elf neuen glänzenden Chromstahltanks bestaunten. Schon beim Eingang hörte man die Gläser klirren, denn schliesslich wollten sich die Anwesenden bei einer Verkostung von der Qualität der Rebensäfte überzeugen. 2700 bis 4600 Liter fassen die über drei Meter hohen Behältnisse. Ihre Innentemperatur wird per Computer gesteuert, mit dem Ziel, beim Ausbau der edlen Tropfen möglichst viele Aromen zu konservieren.

Die alten Tanks seien rostanfällig und damit nicht mehr lebensmittelkonform gewesen, sagt Michael Kaben, und fügt an: «Mit den neuen Techniken können wir unseren Weinen den letzten Schliff geben.» Der Kellermeister ist seit 2014 Geschäftsführer der Weinbaugenossenschaft Döttingen. Vorher war er in Südfrankreich als «Winemaker» (wie er es nennt) tätig. «Wir müssen erstklassige Qualität liefern, damit wir konkurrenzfähig bleiben», ist er sich bewusst und möchte mit den Döttinger Weinen künftig auch Städte wie Zürich erobern. Rund 60 Tonnen Trauben wurden in der Trotte 2015 verarbeitet. Im Sortiment sind fünf Rotweine, ein Rosé und vier Weissweine. «Ich neige aber eher dazu, das Angebot zu reduzieren und mich mehr auf den Blauburgunder zu konzentrieren. Denn der hat bei uns eine grosse Tradition», sieht Kaben vor. Weniger ist eben manchmal mehr. Er ist sichtlich stolz, dass die hauseigenen Weissweine 2016 alle Preise geholt haben. «Der beste Rotwein ist aber noch im Fass und kommt erst 2017 heraus», kündigt er vielversprechend an.

Was aus «Grümpelkammer» wurde

Auf 850›000 Franken kam der Umbau der Trotte zu stehen. Das Gebäude wurde isoliert, der einst nackte Betonboden mit einem säurebeständigen, leicht zu reinigenden Belag versehen. Neben den Chromstahltanks sind auch die Abbeermaschine und das Förderband neu. Nur die hydraulische Presse wurde aus dem alten Bestand übernommen. Schön ist, dass die vielen bis zu 140 Jahre alten Holzbalken in ihrem Originalzustand belassen wurden. So wird die Verbindung von Tradition und Moderne sichtbar, die der Genossenschaft auch bei der Weinproduktion wichtig ist.

Im oberen Stockwerk, wo früher der Abstellraum war, hing an den beiden Eröffnungstagen ein Duft von Sauerkraut und Rebwürsten. Die langen Festbänke waren voll besetzt mit gut gelaunten Menschen, die sich dem Genuss von Hausmannskost und lustigen Getränken hingaben. Damit ist auch der neue Veranstaltungsraum eingeweiht. Er verfügt über eine kleine Küche und kann künftig für Vereins und Privatanlässe gemietet werden.

95 Mitglieder hat die Weinbaugenossenschaft Döttingen. 12 davon sind Weinbauern. Sie liefern die Trauben zum Keltern bei der Trotte an und werden pro Kilo bezahlt. Warum hat gerade der Döttinger Wein Zukunft? «Wir haben einen jungen, hungrigen Geschäftsführer, der Erfolg haben möchte», sagt Präsident Jürg Michel auf die Frage und ergänzt, «mit der Modernisierung der Trotte haben wir die Basis geschaffen, um mit unseren Weinen noch mehr zu reüssieren als bisher.»

Weinverkauf in der Trotte, Chilbert 11 in Döttingen: Mo bis Do, 8 bis 17 Uhr. Fr 8 bis 19 Uhr. Sa 9.30 bis 11 Uhr.