Mobilfunk

Druck auf 5G-Antennen im Zurzibiet steigt: Neue Interessengemeinschaft kritisiert Behörden

Beispiel Lengnau: Hier liefen die Bewohner gegen einen bewilligten 5G-Sender im Kirchenturm Sturm.

Beispiel Lengnau: Hier liefen die Bewohner gegen einen bewilligten 5G-Sender im Kirchenturm Sturm.

Der Widerstand in der Bevölkerung gegen den neuen Mobilfunkstandard nimmt immer zu. Eine neu gegründete Interessengemeinschaft aus dem Zurzibiet kritisiert Behörden und will die Anliegen der Bevölkerung besser vertreten.

In keinem anderen europäischen Land gibt es so viele 5G-Antennen wie in der Schweiz. Gemäss dem Bundesamt für Kommunikation waren per Ende letzten Jahres rund 600 Anlagen der neuesten Generation in Betrieb. Weltweit gesehen haben gemäss der «NZZ am Sonntag» nur Südkorea und die USA mehr installierte Sender.

Die Zahl überrascht insofern, weil der Widerstand in der Bevölkerung gegen den neuen Mobilfunkstandard immer stärker zunimmt. Gegenwehr gibt es auch im Zurzibiet. So liefen letztes Jahr Einwohner in Lengnau gegen eine bewilligte 5G-Antenne Sturm (die AZ berichtete). Gegen 200 Einsprachen waren damals eingegangen und verzögern seither das Projekt im Kirchturm.

Den Wildwuchs von neuen Anlagen einschränken

Lengnau ist bei weitem kein Einzelfall. «Gegen 1500 bewilligte Antennen sind derzeit schweizweit blockiert», sagt Ilona Mühlebach (41), Gründerin der Interessengemeinschaft gesunder Mobilfunk Zurzibiet. Mühlebach hat mit weiteren Personen aus verschiedenen Zurzibieter Gemeinden die IG ins Leben gerufen, um den Druck auf die Behörden zu erhöhen und den Wildwuchs von neuen Anlagen einzuschränken.

«Wir möchten die Bevölkerung auf die Gefahren der neuen Technologie sensibilisieren», so Mühlebach. «Uns geht es dabei nicht ums Verhindern guter Netzabdeckung. Wir wollen vielmehr den bewussten Umgang mit dem Mobilfunk und seinen Auswirkungen fördern.» Es sei nach wie vor unklar, wie sich die Strahlenbelastung auf die Gesundheit auswirke. «Es gibt aber Studien, die darauf hinweisen, dass die drastische Intensivierung der Funkstrahlung das Immunsystem schwächt und das Insektensterben beschleunigt wird.»

Gemeinden mit der Thematik überfordert

Damit die Interessen und Sorgen im Zurzibiet künftig gebündelt eingebracht werden können, will die SP-Grossratskandidatin aus Tegerfelden möglichst viele Menschen ins Boot holen. «Wir setzen uns dafür ein, dass auch mit einer bestens funktionierenden Mobilfunknetzabdeckung die gesunde Wohnqualität unserer Region für Mensch und Natur erhalten bleibt», erklärt Mühlebach. Die Resonanz sei beträchtlich: Bewohner aus mehreren Zurzibieter Gemeinden haben ihre Mitgliedschaft bereits angemeldet.

Dass sich in der Bevölkerung Unmut und Skepsis breitgemacht haben, schreibt die IG nicht zuletzt dem Bund und den Kantonen zu. Obwohl das Bundesamt für Umwelt erklärt, dass Mobilfunkanlagen bei Einhaltung der Grenzwerte grundsätzlich zu bewilligen sind, muss für jede einzelne Antenne eine Gemeindekommission zur Prüfung eingesetzt werden. «Weiss die Gemeinde über die Unmöglichkeit der Messung und Kontrolle Bescheid, so hat sie von Amtes wegen die Baubewilligung zu verweigern oder ein Betriebsverbot auszusprechen», so Mühlebach. Die IG plädiert daher für ein Dialogmodell, das ein Miteinander fördere und nach Lösungen suche. «Nicht nur mit unseren Gemeinderäten, sondern auch unter den verschiedenen Mobilfunkanbietern.»

Daniel Weissenbrunner

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