Bad Zurzach

Drohung, Körperverletzung, Nötigung: Strafe, aber keine Haft für Prügelvater

Der beschuldigte Vater soll seine Tochter mehrmals geschlagen und mit einem Messer bedroht haben. (Symbolbild)

Der beschuldigte Vater soll seine Tochter mehrmals geschlagen und mit einem Messer bedroht haben. (Symbolbild)

Das Bezirksgericht Zurzach hat einen Mann aus dem Kosovo zu zwei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt, weil er seine Tochter verprügelt und mit dem Messer bedroht hatte. Der Vater bestritt dies und sagte, er liebe sein Tochter.

«Wir sind mit Gewalt aufgewachsen», sagte die junge Frau. «Es geht immer um Ehre und Stolz. Es geht nicht ums Wohl der eigenen Familie. Es geht nur darum, dass die Verwandten gut über die Familie reden.»

Die Mutter von drei Kindern, die mit 17 Jahren eine arrangierte Ehe hatte eingehen müssen, sagte als Auskunftsperson gegen ihren Bruder aus.

Der aus dem Kosovo stammende Mann hatte sich vor dem Bezirksgericht wegen des Vorwurfes der mehrfachen Drohung, Körperverletzung, Tätlichkeiten, Beschimpfung, Sachbeschädigung und Nötigung zu verantworten.

Der Beschuldigte - der seit 25 Jahren in der Schweiz lebt, der von seinem langjährigen Arbeitgeber als Mitarbeiter geschätzt wird und der ein blankes Vorstrafenregister hat - war nicht nur gegenüber seiner Schwester, sondern vor allem gegenüber seiner Tochter arg handgreiflich geworden.

Regelmässig Schläge

Ins Rollen gekommen war die Geschichte, nachdem eine Kollegin der Tochter an die Polizei gelangt war. Die damals 18-jährige Tochter war zu ihr geflüchtet, nachdem der Beschuldigte sie geschlagen und mit dem Messer bedroht hatte.

Im Zuge der Untersuchungen sagte die Tochter, dass sie während Jahren regelmässig geschlagen und mit Fusstritten traktiert worden sei.

«Ich bin ein Familienmensch», erklärte die Tochter in der Befragung durch Gerichtspräsident Cyrill Kramer. «Aber ich will nicht nach Hause. Ich habe schon noch etwas Angst. Aber nicht mehr so viel wie früher. Mein Vater hat sich verändert, seit er in Untersuchungshaft gewesen ist.»

«Alles erfunden»

Das sei alles erfunden, liess der Beschuldigte durch den Übersetzer ausrichten. Er wisse nicht, weshalb seine Tochter so etwas aussagen würde. Er denke aber, dass sie durch seine Schwester manipuliert werde.

Er liebe seine Tochter und habe sie ins Herz geschlossen. Im Moment habe er jedoch keine Kraft, den Kontakt zu ihr herzustellen.

Leben in zwei Welten

«Der Beschuldigte steckt in zwei Welten fest», sagte die Staatsanwältin. «In unserer Gesellschaft ist aber kein Platz für kosovarische Wertvorstellungen. Es geht nicht an, dass jemand hier so lebt wie in seinem Heimatland.»

Der Beschuldigte zeige auch keine Einsicht oder Reue. Die Anklägerin forderte eine teilbedingte Gefängnisstrafe von 2,5 Jahren, davon ein halbes Jahr unbedingt, eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 100 Franken sowie eine Busse von 500 Franken.

Die Vertreterin der Privatklägerschaft forderte zudem Genugtuung im Umfang von 7000 Franken.

Der Verteidiger beantragte Freispruch. Allenfalls sei sein Mandant wegen geringfügiger Sachbeschädigung schuldig zu sprechen, weil er das Handy seiner Tochter zerstört und ins Klo geworfen habe.

Kein Platz für archaische Modelle

Das Gericht sprach den Beschuldigten jedoch einstimmig schuldig und verurteilte ihn zu zwei Jahren Gefängnis sowie zu der von der Anklägerin geforderten Geldstrafe und Busse.

Seiner Schwester muss der Beschuldigte Genugtuung im Umfang von 5000 Franken leisten. Das Gericht ereilte ihm zudem die Weisung, sich von seiner Tochter und seiner Schwester fernzuhalten. Für die Haft- und die Geldstrafe gewährte das Gericht den bedingten Vollzug.

Zum Schuldspruch gelangt sei das Gericht, weil es die Aussagen der Tochter als glaubhaft erachte, aber auch aufgrund von Wahrnehmungen Dritter, erklärte Gerichtspräsident Kramer. Es sei dem Gericht bewusst, dass der Beschuldigte in zwei Welten lebe.

Das Verhalten des Beschuldigten werde aber durch archaische Familienmodelle nicht legitimiert. Auch gehe es nicht an, in einem Land mit freiheitlicher Lebensweise an solchen Modellen festzuhalten.

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