Der 30. Januar 1993 geht als geschichtsträchtiger Tag in die Annalen von Bad Zurzach (damals noch Zurzach) ein. An jenem Samstag versammelten sich mehrere hundert Menschen auf dem Bahnhofplatz zu einer lautstarken Kundgebung. Im Bezirkshauptort fand sich alles ein, was Rang und Namen hatte. An vorderster Front kämpfte CVP-Ständerat Hans Jörg Huber.

Auf die Strasse trieben die Leute die Abbaupläne der SBB. Die Demonstration sei «Die Antwort auf das arrogante Verhalten der SBB» fing das «Badener Tagblatt» die Stimmung ein. Die Bundesbahnen beabsichtigten die Schnellzugsverbindungen sowie die Badezüge auf der Linie zwischen Rheinfelden und Bülach einzustellen.

So titelte das «Badener Tagblatt» am 1. Februar 1993.

So titelte das «Badener Tagblatt» am 1. Februar 1993.

Die Zurzacher wollten sich das nicht gefallen lassen. Sie stemmten sich gegen dieses Vorhaben und setzten die Leitung unter dem damaligen Chef Benedikt Weibel unter Druck. Mit Erfolg: Die SBB lenkten schliesslich ein und liessen die Verbindung dem Rhein entlang am Leben.

Unter den Demonstranten befand sich vor 25 Jahren auch Beat Edelmann. Der heutige Präsident der Stiftung Gesundheitsförderung Baden und Bad Zurzach schätzt die SBB für ihre sprichwörtliche Pünktlichkeit, Sauberkeit und Perfektion. Der jüngste Entscheid geht dem Rechtsanwalt aus dem Flecken aber zu weit. Im Juni dieses Jahres haben die SBB am Zurzacher Bahnhof bereits den Gepäckschalter geschlossen.

Ab 1. Januar gehen an den Samstagen nun auch die betreuten Bahnschalter zu. «Dieser Schritt läuft dem Dienstleistungsauftrag diametral entgegen», so Edelmann. «Der Zurzacher Bahnhof hat sich zu einem geachteten und gut genutzten Reisezentrum entwickelt.» Der persönliche Kontakt könne durch Billettautomaten nicht wirklich ersetzt werden. Gerade in einem Kurort, der auch am Wochenende viele Gäste mit Bahnkontakt habe, sei der betreute Schalter wichtig.

Abbau auf Raten

Mit seinem Protest steht Edelmann nicht alleine da. Widerstand gegen die angekündigte Schalter-Schliessung formiert sich auch bei Bad Zurzach Tourismus. Direktor Peter Schläpfer hat den SBB bereits in einem Brief sein Missfallen mitgeteilt. Er bezeichnet die Aufhebung als einen Abbau auf Raten und als Abwertung des Kurstandorts. Schläpfer verweist darauf, dass wegen der Reha Clinic und dem Thermalbad auch viele ältere Besucher nach Bad Zurzach kommen und gerade jene Leute auf eine gute Dienstleistung angewiesen seien. Der Tourismus-Chef nennt das Vorgehen seitens der SBB Salamitaktik und er fragt sich: «Was als Nächstes kommt».

Nicht tatenlos will den Entschluss auch der Gemeinderat hinnehmen. Er hat bei den SBB inzwischen ebenfalls interveniert. Im Januar kommt es zu einer Aussprache, wie Gemeindeschreiber Daniel Baumgartner auf Anfrage bestätigt.

An der nächsten Sitzung der Kurkommission, der Beat Edelmann angehört, will er das Vorgehen besprechen und mögliche Schritte einleiten. Seine Haltung ist klar: Er fordert die SBB auf, ihren Entscheid zu überdenken. Falls das nicht geschieht, solle man sich in Bad Zurzach auf die Hinterbeine stellen und sämtliche Optionen prüfen, so Edelmann. Infrage käme für ihn auch eine Kundgebung – wie 1993.