Für Aufruhr in Bad Zurzach sorgt in diesen Tagen eine Gruppe junger Leute. Sie treffen sich am Bahnhof, spielen Fussball, hören Musik, trinken Bier: Sie chillen. Zurück lassen sie Bierdosen, Flaschen, Zigarettenkippen und einige aufgebrachte Anwohner, Passanten und Ordnungshüter. Doch wer ist im Recht? Die, die einfach nur einen Platz zum Verweilen suchen oder die, die sich durch sie belästigt fühlen?

Kein Image für einen Kurort

«Wo sollen wir sonst hin?», fragen sich die Jungs im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Schliesslich gebe es in Bad Zurzach wenig Orte, die sich als Treffpunkt eignen und für die offiziellen Jugendtreffs der Gemeinde und Kirchen seien sie zu alt. Leute anpöbeln läge ihnen aber fern, sie seien anständig. Ab und an ein hübsches Mädchen anmachen, daran sei ja nichts verkehrt.

Doch einige Leute fühlten sich belästigt, und gerade junge Frauen hätten Angst und «lassen sich von ihren Vätern vom Bahnhof abholen», hält Gemeindeammann Franz Nebel dagegen. Dennoch, laut Regionalpolizei Zurzibiet, geschehen Pöbeleien eher selten. Es sei der Lärm und Müll, der die Anwohner zum Telefon greifen lässt. «Manchmal sitzen bis zu 30 Leute am Bahnhof, die bis nachts um 3 Uhr laut Musik hören», sagt René Lippuner, Kommandant der Regionalpolizei. Und an Samstag- und Sonntagmorgen sehe es dort teilweise aus wie im Saustall, bestätigt auch Nebel und fügt an: «Das ist kein Image für einen Kurort.» Die Beweise geben ihnen recht. Von der Polizei aufgenommene Fotos zeigen, dass die Abfalleimer leer, der Boden dagegen voll mit Kehricht ist.

Tägliche Patrouillen

«Wo ist das Problem? Überall gibt es doch Leute, die was auf den Boden schmeissen», kontert der 22-jährige Azim GI 136, der seinen richtigen Namen nicht verraten möchte.

Solche Aussagen lassen darauf schliessen, dass dies wohl ein tiefgreifenderes Problem ist. Aus Familie und sozialem Umfeld anerzogene Verhaltensweisen lassen sich schwer auslöschen, und solange die Polizei keinen Umweltsünder in flagranti erwischt, seien ihr die Hände gebunden. Dabei fahren sie schweres Geschütz auf. Mehrmals täglich, vor allem nachts, patrouillieren Polizei, Grenzwache sowie ein von der Gemeinde engagierter Sicherheitsdienst. Eine Woche lang filmte eine Kamera Teile des Bahnhofsplatzes. Der Aufwand lohnte sich aber nicht. Die jungen Leute verschwanden einfach aus ihrem Blickfeld. Auch die ehemals neben dem Emil-Welti-Denkmal stehenden Ruhebänke sind entfernt worden.

Doch nun trifft sich die Clique eben an der Mauer neben dem Kiosk. Sogar Hausverbote verteilten die SBB bereits, und Ordnungsbussen über 100 Franken gab es von der Polizei. Die jungen Leute aber bleiben stur. «Wir lassen uns nicht vertreiben!», sagen sie einheitlich. Ausserdem sei der Bahnhof für sie wegen Zugverkehr und Kiosk sehr praktisch und immerhin ein besserer Treffpunkt als beispielsweise der Stadtpark, wo sich aufgrund der Nähe zum Thermalbad erst recht die Kurgäste tummeln.

Dreck ja, Belästigungen nein

Eine, die ständig vor Ort ist, keine Angst hat und das Thema eher gelassen angeht, ist Ines Berisha. Sie arbeitet im Bahnhofskiosk täglich bis um 20 Uhr. Berisha hat bislang aber nichts Schwerwiegendes gesehen. Eine gewisse Lautstärke sei zwar vorhanden und Dreck definitiv auch, doch eine Gefahr für Passanten sehe sie nicht.