Böttstein

Dorfladen schliesst nach über 110 Jahren – nach langem Kampf ums Überleben

Der Volg-Laden in Böttstein – auch die Postagentur schliesst. (Archivbild)

Der Volg-Laden in Böttstein – auch die Postagentur schliesst. (Archivbild)

Aus wirtschaftlichen Gründen: Böttstein verliert den Volg und damit auch die Postagentur.

Seit 1905 kaufen die Böttstemer ihre Milch und ihren Zucker im Volg, Ende Jahr ist damit Schluss: Die Genossenschaft Landi Surb schliesst ihren Dorfladen an der Hauptstrasse 34. Das bedeutet auch das Aus der Postagentur. Der gelbe Riese bietet deshalb ab 1. Januar 2020 den sogenannten Hausservice an: Kunden können ihre Päckli und Briefe direkt dem Pöstler mitgeben, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung.

Dass der Volg schliesst, habe wirtschaftliche Gründe, sagt Felix Eugster, Geschäftsleiter der Genossenschaft Landi Surb. «Mit der Sanierung der Kantonsstrasse 2016 ist der Umsatz stark eingebrochen. Davon hat sich der Laden nicht mehr erholt.» Auch zuvor kämpfte der Laden immer wieder ums Überleben. 2009 drohte die Schliessung wegen rückläufigen Umsatzes. Damals gehörte der Volg noch der Konsumgenossenschaft Böttstein, mit der die Landi Surb 2010 fusionierte. Vor zwei Jahren wollte auch die Landi den Laden schliessen, entschloss sich aber gemeinsam mit den Böttstemer Genossenschaftsmitgliedern schliesslich dagegen.

Vergangenen Dezember wurden längere Öffnungszeiten eingeführt. Aber ohne den erhofften Erfolg. «Der Entscheid, den Laden zu schliessen, fiel uns schwer», sagt Eugster. Die drei Teilzeitmitarbeitenden erhalten die Möglichkeit, in anderen Läden der Genossenschaft eine Stelle anzutreten.

Dorf soll weiterhin ein «Lädeli» haben

Ganz ohne Lädeli soll Böttstein aber nicht bleiben. «Für uns ist wichtig, dass der Dorfladen erhalten bleibt, einfach nicht mehr als Volg», sagt Landi-Geschäftsführer Eugster. Erste Gespräche mit Interessierten, die den Laden übernehmen möchten, hätten bereits stattgefunden. Dabei kommt die Landi potenziellen Mietern entgegen: «Wir stellen möglichen Nachfolgern das Mobiliar zur Verfügung und verzichten die ersten drei bis fünf Jahre auf Mietzinse», sagt Eugster. Die einzige Bedingung: Es muss ein Lebensmittelladen bleiben.

Gemeindeammann Patrick Gosteli bedauert die Schliessung des Volgs ebenfalls. «Insbesondre für den Ortsteil Böttstein ist dies ein Verlust.» Falls sich eine Nachfolgelösung realisieren liesse, würde er dies sehr begrüssen.

Briefe und Päckli direkt dem Pöstler übergeben

Dass das Ende des Volg-Ladens in Böttstein auch das Ende der Postagentur bedeutet, nehme die Bevölkerung in Böttstein eher gelassen. Ammann Gosteli hält den Hausservice, den die Post ab nächstem Jahr anstelle der Agentur anbietet, für eine gute Alternative. Die Böttstemer können mit einem Steckschild am Briefkasten dem Pöstler mitteilen, dass sie Briefe verschicken, ein Paket aufgeben oder eine Einzahlung machen möchten. «Vor allem für ältere Menschen ist dieser Service ein Vorteil», so Gosteli.

Wer hingegen arbeitstätig ist, hat das Nachsehen. Markus Werner, Verantwortlicher Kommunikation Nord der Post, sagt dazu: «Vom Postschalter direkt vor der Haustüre profitieren vor allem Menschen, die nicht mehr so mobil sind.» Arbeitstätige könnten ihre Postgeschäfte meist am Arbeitsort erledigen. Zudem befindet sich weiterhin eine Postagentur etwa knapp drei Kilometer entfernt im Ortsteil Kleindöttingen im Elektronik-Geschäft EP: Borrini. 600 Meter weiter betreibt die Post in Döttingen eine Filiale.

Den Hausservice hat die Post vor über 15 Jahren eingeführt. Bis jetzt besteht dieses Angebot in zehn Gemeinden im Bezirk Zurzach und in Remetschwil im Bezirk Baden.

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