Schneisingen

Dorf ist bereit für Schweizer Meisterschaften: «Einem Radsportfest steht jetzt nichts mehr im Wege»

Bereit für ein rauschendes Radsportfest: OK-Präsident August «Gusti» Widmer (links) und Streckenchef Marc Riesen.

Bereit für ein rauschendes Radsportfest: OK-Präsident August «Gusti» Widmer (links) und Streckenchef Marc Riesen.

Heute beginnen in Schneisingen die Rad-Schweizer-Meisterschaften mit dem Einzelzeitfahren. Das Zurzibieter Dorf rüstet sich für den Grossanlass. Was die Zuschauer und die Fahrer in den kommenden Tagen erwartet.

Los gehts! Eine scharfe Linkskehre, gefolgt von einer spitzen Rechtskurve. Wir verlassen das Start-Ziel-Gelände im Zentrum von Schneisingen und begeben uns auf die Runde, welche die Profis am Sonntag an den Schweizer Meisterschaften im Einzelrennen achtmal zu bewältigen haben. 200 anforderungsreiche Kilometer warten auf das Fahrerfeld, das vom Schneisinger Lokalmatador Silvan Dillier angeführt wird.

Am Steuer sitzt Marc Riesen. Der 47-Jährige ist der Streckenchef der nationalen Titelkämpfe. Bei ihm laufen die Fäden zusammen. Er koordiniert, kommuniziert und ist vor allem konzentriert. Der Ehrendinger sorgt dafür, dass alle sicherheitsrelevanten Vorgaben erfüllt werden. Matten anbringen an den neuralgischen Punkten, Signalisation, Absperrgitter, Kontakt mit der Regionalpolizei, mit den Streckenposten und vieles mehr.

Rad-Schweizermeisterschaften Schneisingen: Streckenchef Marc Riesen über ein attraktives Teilnehmerfeld, Verpflegung und Fussball

Rad-Schweizermeisterschaften Schneisingen: Streckenchef Marc Riesen über ein attraktives Teilnehmerfeld, Verpflegung und Fussball

Knapp 300 Personen stehen in den nächsten Tagen im Einsatz. Riesen ist äusserlich entspannt, begegnet der Aufgabe aber mit Respekt. Er hat diese Woche bei seinem Arbeitgeber Ferien genommen, um alles minutiös planen zu können und um nichts dem Zufall zu überlassen.

Wir erreichen Lengnau. «Hier müssen der Staub und der Dreck von der Strasse noch weggewischt werden», meldet Riesen seinem Mitfahrer auf dem Rücksitz. Dieser nickt stoisch. «De Gusti wird eifach nie nervös», sagt Marc Riesen mit stiller Bewunderung. Gusti, das ist August Widmer, seines Zeichens OK-Chef der bevorstehenden Grossveranstaltung im kleinen Dorf im Seitental der Surb.

So schnell bringt die «Stimme» im Aargauer Radsport nichts aus der Ruhe. Dafür ist er zu lange in der Veloszene fahrender-, organisierender- und schreibenderweise unterwegs. Wer eine Auskunft zum Radrennsport benötigt, der wendet sich an Gusti, wie sie ihn alle nennen. Letzte Woche feierte er seinen 67. Geburtstag, notabene am gleichen Tag wie ein ganz grosser des Radsports – Francesco Moser, italienische Ikone aus den 70er- und 80-Jahren.

20 Kilometer in 4,5 Minuten: Flitzen Sie über die Strecke der Rad-Schweizermeisterschaften 2018:

20 Kilometer in 4,5 Minuten: Flitzen Sie über die Strecke der Rad-Schweizermeisterschaften 2018

Bergpreis in Baldingen

Nach Lengnau steigt die Strasse an. Oberhalb des Weilers Vogelsang erreichen die Fahrer den höchsten Punkt der Strecke auf 568 Metern über Meer. Hier wartet der Bergpreis. «Auf der Runde ist immer etwas los», sagt Marc Riesen. «Langweilig wird es nie.» Rund 3500 Höhenmeter haben Dillier und Co. zu bewältigen, ehe sie, gemäss Marschtabelle, am Sonntag irgendwann nach 17 Uhr im Ziel erwartet werden.

Wir erreichen Rekingen und fahren dem Rhein entlang bis nach Mellikon. Vor einem Jahr hat sich der Veloclub Alpenrose aus Schneisingen entschieden, sich bei Swiss Cycling für die Durchführung der Schweizer Meisterschaften zu bewerben. Weil Wetzikon, das ursprünglich als Austragungsort vorgesehen war, die notwendigen Bewilligungen nicht erhielt, kamen die Schneisinger schliesslich zum Handkuss.

«Natürlich war Silvan Dillier der Auslöser, um den Event ins Zurzibiet zu holen», sagt Gusti Widmer. Das Timing passte perfekt: Mit seinen Erfolgen, unter anderem dem letztjährigen Etappensieg am Giro d’Italia, dem Gewinn des Schweizermeistertitels und dem zweiten Rang diesen Frühling bei Paris - Roubaix hat der 27-Jährige in der Region eine kleine Rad-Euphorie ausgelöst.

Festmeile auf 300 Metern

Von der Rosswisstrasse biegen wir in die Hauptstrasse Richtung Wislikofen. 120 000 Franken beträgt das Budget des Veranstalters. Für einen kleinen Verein wie den VC Schneisingen wäre dies alleine finanziell nicht zu stemmen. «Dank der Unterstützung der vielen Sponsoren haben wir den Betrag zusammengebracht», sagt Gusti Widmer. «Einem Radsportfest steht jetzt nichts mehr im Wege», ergänzt Marc Riesen.

Nach 20 Kilometern kommen wir auf die Zielgerade, die an diesem Nachmittag noch menschenleer ist. In den nächsten Tagen wird das anders sein: Im Herzen von Schneisingen wartet eine Erlebnismeile, zwar nur 300 Meter lang, aber mit jeder Menge kulinarischer und sportlicher Leckerbissen für Velofans.

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