Vor einem Jahr hat der Lengnauer Publizist Roy Oppenheim die Idee lanciert, im Surbtal ein Museum zur besseren Darstellung der christlich-jüdischen Geschichte zu errichten. Auch der damalige Lengnauer Gemeindeammann Kurt Schmid erachtete ein Museum als wünschenswert, vertrat aber die Meinung, dies sei Sache der «Stiftung zur Erhaltung der jüdischen Kulturgüter von Neu-Lengnau».

Damit konnte sich Initiant Oppenheim ganz und gar nicht einverstanden erklären. Sein Gegenargument: «Die Forderung, die Juden sollten diese Aufgabe selbst übernehmen und finanzieren, ist so grotesk wie die Forderung, die Verdingkinder sollten sich selbst entschädigen.» Oppenheim wünschte ausdrücklich, dass Juden und Christen das Projekt gemeinsam anpacken.

Dies ist an einem vom Kanton einberufenen runden Tisch auch getan worden. Und siehe da: Thomas Pauli-Gabi von der Abteilung Kultur im Departement Bildung, Kultur und Sport kann vermelden, dass ein Konsens gefunden werden konnte: «Die Interessensvertreter aus den Gemeinden, den örtlichen jüdischen Institutionen und dem Verein ‹jüdischer Kulturweg› haben sich auf die Ausarbeitung eines Konzepts mit der Bezeichnung ‹Doppeltür› verständigt.»

Die zwei Eingänge in den Häusern in Endingen und in Lengnau gehen auf eine Bestimmung zurück, wonach Juden und Christen nicht beieinander wohnen sollten. Diese Bestimmung wurde umgangen, indem sich Juden bauwilligen Christen als Geldgeber anboten und danach einen Hausteil mieteten.

Einmalige Geschichte im Surbtal

«Bis im Frühling 2015 soll herausgefunden werden, wie sich das frühere Zusammenleben jüdischer und christlicher Gemeinschaften im Surbtal attraktiver vermitteln lässt», sagt Pauli-Gabi. Die jüdisch-christliche Geschichte dieser zwei Dörfer sei einmalig in der Schweiz.

Einem externen Büro soll der Auftrag erteilt werden, entsprechende Möglichkeiten auszuloten und dem Gremium zur Beurteilung vorzulegen. Die Idee des jüdisch-christlichen Museums ist nicht vollständig vom Tisch, doch der Fächer wird weit aufgemacht.

Die konkrete Umsetzung sei noch offen, sagt Pauli-Gabi, doch würden auch die Möglichkeiten der modernen Kommunikationsmittel und die Möglichkeiten bei der Inszenierung in die Überlegungen einbezogen. Pauli: «Neben der Geschichte sollen auch aktuelle Themen wie Integration und Umgang mit Minderheiten in der Vermittlung eine Rolle spielen.»

In erster Linie gehe es jetzt darum, die vorhandenen Potenziale auszuloten, sagt Pauli-Gabi. Erst in einem zweiten Schritt soll über Trägerschaft und Finanzen gesprochen werden. «Für die Projektstudie liegen bereits finanzielle Zusagen verschiedener Organisationen vor. Ergänzend dazu wird die Abteilung Kultur beim Regierungsrat einen Beitrag aus dem Swisslos-Fonds beantragen.»

«Ein grosser Schritt vorwärts»

Roy Oppenheim ist mit dem Ergebnis des runden Tischs zufrieden: «Mit der Einigung auf das Konzept ‹Doppeltür› sind wir einen grossen Schritt bei der Aufarbeitung eines wichtigen Kapitels der abendländischen Kultur vorangekommen.» Oppenheim lobt das Engagement des Kantons: «Die Begeisterung der Abteilung Kultur ist geradezu ansteckend. Regierungsrat Alex Hürzeler hat Mitte Januar die Zeugen der christlich-jüdischen Kultur höchstpersönlich besichtigt.»Kommentar rechts