Den Entscheid des Bundesrates empfindet der parteilose Hirt nicht als historisch, sondern als hysterisch. «Wir werden damit leben müssen», gibt er sich Tag nach dem Schliessungs-Fahrplan gelassen.

Sollten die beiden Werke Beznau I und II 2019 bzw. 2022 tatsächlich abgeschaltet werden, hätte das für die Gemeinde aber gravierende finanzielle Konsequenzen. Döttingen erhält heute laut Hirt als Standortgemeinde von Axpo jährlich zwischen 2 und 8 Millionen Franken - im Schnitt ist das etwa ein Drittel der Einnahmen.

Steuerfuss müsste erhöht werden

Fliessen diese Gelder nicht mehr, dann müsste die Gemeinde sparen. «Wir müssten sicher den Steuerfuss erhöhen», sagt Hirt. Heute liegt er bei 60 Prozent und ist damit einer der tiefsten im Kanton. Vor 10 Jahren lag es noch 115 Prozent. Ob er wieder dort zu liegen kommt, will Hirt nicht sagen.

Und auch der AKW-Fonds, mit dem die Gemeinde jährlich Projekte von regionaler Bedeutung mit Millionen unterstützt, käme wohl zum Erliegen. Für 2011 wird eine Million ausgeschüttet. Die Projekteingabe sei eben abgelaufen, so Hirt.

Wo gespart werden könnte, das weiss Hirt heute noch nicht. Es könne aber sicher auch gespart werden. «Verlumpen werden wir deswegen nicht».

550 Stellen auf dem Spiel

Eine Schliessung hätte auch negative Folgen für den regionalen Arbeitsmarkt. In beiden Werken arbeiten heute rund 550 Angestellte, viele von Ihnen wohnen in der Region. Gemäss einer Studie stellen die Werke im unteren Aaretal 7,4 Prozent aller Arbeitsplätze. «Wir müssen hier nach Alternativen schauen. Alleine können wird das nicht. Wir zählen auf die Energiewirtschaft», so Hirt.

Er geht davon aus, dass es am Standort Beznau auch in Zukunft eine Energie produzierende Anlage geben wird. Denn sämtliche Leitungen laufen am Standort zusammen. Wenig willkommen wäre im 3700-Seelen-Dorf allerdings ein Gaskombi-Werk. Laut Hirt sind das wahre Dreckschleudern. Sollte sich ein solches Werk als einzige Alternative aufdrängen, dann würde der Gemeindeammann sich aber nicht dagegegn stemmen.

Noch aber laufen die beiden AKW. Für Gemeindeammann Hirt ist noch längst nicht entschieden, dass die Werke in Beznau bis 2022 auch stillgelegt werden. Er geht davon aus, dass letztendlich das Volk darüber entscheiden wird. Und dass es sowieso länger gehen wird. (rsn)