Studenland

Direkte Linie nach Bad Zurzach wäre finanzieller Kraftakt

Endstation Kaiserstuhl: Die Linie 354 fährt von Baden über Niederweningen (Bild) in die Zurzibieter Gemeinde. Daran dürfte sich kaum etwas ändern. Sandra Ardizzone

Endstation Kaiserstuhl: Die Linie 354 fährt von Baden über Niederweningen (Bild) in die Zurzibieter Gemeinde. Daran dürfte sich kaum etwas ändern. Sandra Ardizzone

130 Personen fordern in einer Petition eine direkte Bus-Verbindung durch das Studenland nach Bad Zurzach – dies käme die betroffenen Gemeinden teuer zu stehen.

Sie war keine 24 Stunden online und hatte schon die nötigen 50 Stimmen zusammen: Der Vorstoss auf der Internetplattform petitio.ch der AZ Medien für eine direkte Busverbindung von Baden durchs Studenland nach Bad Zurzach unterzeichneten bis kurz vor Schluss über 130 Personen. Heute fährt die Buslinie 354 von Baden via Niederweningen in der Gemeinde Mellikon ab der Haltestelle Chessel nicht direkt in den Bezirkshauptort, sondern in die andere Richtung nach Kaiserstuhl. Zu den Unterstützern der Petition gehören auch die elf «Rheintal+»-Gemeinden. «Gemeinsam können wir vielleicht etwas bewegen», sagte der Wislikofer Ammann Heiri Rohner.

Bereits im letzten Jahr führten die involvierten Gemeinden Gespräche mit der Postauto AG. Damals hiess es, dass der enge Fahrplantakt nicht mehr eingehalten werden könne, wenn das Postauto neu in Bad Zurzach und nicht mehr in Kaiserstuhl wenden würde.

Der Busbetrieb berät den Kanton, der schliesslich über das Angebot entscheidet. Reto Kobi von der kantonalen Sektion öffentlicher Verkehr bestätigt: «Entscheidend sind die Abfahrtszeiten der Züge in Niederweningen. Daran müssen sich die Busse halten.» Testfahrten Anfang 2014 hatten ergeben, dass der Bus via Bad Zurzach 15 Minuten länger unterwegs ist. Somit wäre er nicht mehr rechtzeitig zurück in Niederweningen, und die Fahrgäste würden die Zug-Anschlüsse am Bahnhof in Richtung Zürich verpassen. Dass die Buslinie geändert werde und direkt durch das Studenland nach Bad Zurzach fahre, sei deshalb nicht möglich, so Kobi.

Gemeinden müssten zahlen

Somit stellt sich auch nicht die Frage, was mit Fisibach passiert: Ohne die Verbindung Baden-Niederweningen-Kaiserstuhl wäre das Dorf nicht mehr am öV-Netz angeschlossen. Auf die Kritik des Petitionärs, dass der Bus ab Mellikon via Fisibach nach Kaiserstuhl sowieso fast immer leer sei, entgegnet Kobi: «Am Ende einer Linie kommt das oft vor, vor allem, wenn die letzten Gemeinden vergleichsweise wenig Einwohner haben.»

Aufgrund der Testfahrten passte der Kanton aber den Fahrplan so an, dass die Fahrgäste in Rümikon nur noch wenige Minuten auf ihren Anschluss in den Bezirkshauptort warten müssen. «Das ist eine gute Alternative und vor allem für die Kinder, die in Rekingen zur Schule gehen, eine starke Verbesserung.»

Dennoch: Eine direkte Busverbindung nach Bad Zurzach ist nicht ausgeschlossen – wenn die Gemeinden selber dafür finanziell aufkommen würden. Dies käme aber teuer zu stehen. Jeder Bus, der eine Stunde im Einsatz ist, kostet mindestens 100 Franken. Wäre er jeden Tag ab 8 Uhr bis 22 Uhr stündlich im Einsatz, würde der Betrieb über eine halbe Million Franken kosten.

Peter Weber, Projektleiter von Rheintal+: «Das Thema einer direkten Buslinie nach Bad Zurzach ist bei uns nach wie vor pendent.» Es sei im letzten halben Jahr aber nicht weiter verfolgt worden, da das Projekt für eine vertiefte Prüfung des Zusammenschlusses viele Ressourcen beansprucht hätten.

Am 6. April findet in allen elf Orten eine ausserordentliche Gmeind statt, an der das Volk über den Kreditantrag zur Weiterführung des Projekts abstimmt. Nachher wolle man sich der Buslinie und der Frage der Finanzierbarkeit wieder annehmen.

Möglichkeiten wären, dass die Gemeinden gemeinsam aufkommen oder andere Organisationen wie den Planungsverband Zurzibiet Regio ins Boot zu holen. «Denkbar wäre auch eine Trägerschaft», so Weber. «Wir müssen aber realistisch bleiben. Diese Linie ins Leben zu rufen, ist eine Herausforderung.»

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