Der Kanton weiss nicht mehr wohin mit all den zugewiesenen Asylbewerbern. Kaum eine Gemeinde nimmt sie mit offenen Armen auf, oft regt sich Widerstand. Es geht aber auch ohne. Das zeigt aktuell Koblenz.

In einem Schreiben an die Einwohner, datiert mit 15. Juli, kündigt das Departement Gesundheit und Soziales an, man werde eine kantonale Asylunterkunft an der Langfohrenstrasse 2 einrichten.

Dort, mitten im 1600-Seelen-Dorf, hat der Sozialdienst per 1. Juli drei Wohnungen für fünf Jahre gemietet. Im Laufe der Sommerferien werden drei Grossfamilien aus Syrien mit insgesamt 19 Personen einziehen. Die Kinder gehen künftig in der Region zur Schule.

Im Verenahof in Koblenz wollte der Kanton Asylbewerber unterbringen.

Im Verenahof in Koblenz wollte der Kanton Asylbewerber unterbringen.

Im Infoblatt schreibt der Leiter Fachbereich Unterbringung des Sozialdienstes, Stephan Müller, er habe den Gemeinderat noch vor der Unterzeichnung des Mietvertrags informiert.

Gemeindeammann Heidi Wanner erinnert sich anders: «Ich habe den Anruf im Juni erhalten, als die Unterkunft schon beschlossene Sache war», sagt sie.

Was andernorts schon zu riesigen Problemen geführt hat, sieht Wanner gelassen. «Man muss das Beste draus machen. Uns ist die momentane Situation im Asylwesen bekannt, und wir sind bereit mitzuhelfen.»

Koblenz fügt sich also. Das war auch schon anders: 2012 hätten in das leer stehende Koblenzer Gasthaus Verenahof 70 Asylbewerber – alleinreisende Männer – einziehen sollen. Allerdings leistete die Bevölkerung Widerstand – das Projekt wurde verworfen, nachdem sich die «Verenahof»-Eigentümer von den Verhandlungen zurückzogen.

Koblenz, Langfohrenstrasse 2

Mit den aktuellen Asylplänen sei man in Koblenz «einverstanden, weil es sich um Familien handelt und die Anzahl Personen für die Gemeinde verkraftbar ist», sagt Heidi Wanner. Das gleiche Echo habe sie auch nach Gesprächen mit den Haupt-Gegnern der «Verenahof»-Unterkunft erhalten.

Ein paar Kilometer rheinaufwärts, in Rekingen, will man keine Familien in der grossen kantonalen Asylunterkunft. Die Kinder müssten – ohne ein Wort Deutsch zu verstehen – in Rekingen zur Schule. «Das bedeutet einen riesigen Mehraufwand und somit extreme Kosten», argumentierte der Gemeinderat an einer Infoveranstaltung im letzten November.

In Koblenz sieht man das anders, obwohl die Gemeinde finanziell auch nicht auf Rosen gebettet ist: «Die Kosten waren für uns in diesem Fall kein Thema», sagt Wanner. Wichtig sei dem Gemeinderat aber, dass der Kanton die gesamte Betreuung der Asylsuchenden und der Liegenschaft übernehme, sagt Wanner.

Das werde man tun, bestätigt Stephan Müller vom Kantonalen Sozialdienst. Er lobt die «konstruktive Haltung» der Gemeinde Koblenz: «Wir sind überzeugt, dass wir einen ruhigen und geregelten Betrieb garantieren können.»

Laufenburg plant weiteres Asylzentrum

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In einem unterirdischen Teil vom Spital Laufenburg ist bereits eine Unterkunft für 65 Asylsuchende geplant. Diese soll aber nur im Notfall genutzt werden.