Matthias Fässler ist noch immer gerührt, wenn er an den Freitag vor einer Woche zurückdenkt. Rund 800 Menschen erschienen an jenem Abend auf dem Fussballplatz Barz in Bad Zurzach. Grund für den Grossaufmarsch war nicht ein Prominentenmatch mit Alt-Internationalen.

Fässler, seines Zeichens Präsident des SC Zurzach, und die Pächterin des Klubrestaurants, Rita Caldas, luden zu einer Solidaritätsveranstaltung für die an akuter Leukämie erkrankte Cynthia ein.

Das Mädchen lebt mit seiner Familie zwar erst seit gut einem Jahr im Bezirkshauptort, ist im Dorf aber schon bestens integriert. Cynthias jüngerer Bruder spielt beim SC Zurzach. Nicht zuletzt deshalb bekam Matthias Fässler das ergreifende Schicksal der 15-Jährigen hautnah mit.

Spendenanlässe sind beim SC Zurzach kein Einzelfall. Letztes Jahr organisierte man eine Solidaritätsveranstaltung, mit der die Witwe eines aktiven SCZ-Fussballers unterstützt wurde, die durch den Todesfall in Not geriet.

Im Unterschied zu dieser Aktion löste Cynthias Schicksal ein gewaltiges Echo aus. Medien aus der ganzen Schweiz nahmen sich der Geschichte und der Wohltätigkeitsveranstaltung an. Fässler ist beeindruckt, welche Welle hier losgetreten wurde. «Wenn sich die Presse bei einem unterklassigen Verein meldet, sind es meistens keine positiven News.» Über zwei Stunden gab Fässler geduldig Auskunft. Für ihn in diesem Ausmass eine neue Erfahrung. Er arbeitet lieber im Hintergrund und liefert Taten statt Worte. In seinem Fall und dem des SC Zurzach sind dies keine leeren Floskeln.

Asylsuchender im Training

Den jüngsten Beleg hierzu lieferte der Klub erst diesen Donnerstagabend. Der SC Zurzach lud Moussa, einen jungen Togolesen aus der nahen Asylunterkunft in Rekingen, ins Training ein. Der Präsident bezeichnet es als einen Beitrag des Vereins zur Integration. «Einer mit nicht zu unterschätzender Wirkung», ist Fässler, der den SC Zurzach seit fünfzehn Jahren führt, überzeugt. Er spricht aus Erfahrung: In der zweiten Mannschaft, die in der 5. Liga spielt, kickt bereits ein Flüchtling aus Syrien mit dem Status «vorläufig aufgenommen». Er sei bestens integriert und akzeptiert, sagt Fässler. «Und Sie hätten den jungen Mann aus Togo sehen sollen», sagt er. «Er freute sich wie ein kleines Kind über unsere Einladung.»

In der Juniorenabteilung spielen ausserdem mehrere Flüchtlingskinder, denen der Klub dank Unterstützung des Migros Kulturprozentes die Teilnahme am Spielbetrieb ermöglicht.

Der Verein beteiligt sich gegenwärtig noch an einem anderen Programm. Man unterstützt ein Hilfsprojekt im westafrikanischen Land Mali. Mit dem letzten Anlass konnte eine Schule mit neuen Schulbänken ausgerüstet werden. Ausserdem spielt eine Mädchenmannschaft aus diesem Dorf mit Tenues des SC Zurzach.

Matthias Fässler betont, dass er mit der Haltung des Vereins nicht hausieren gehen will. «Wir sind einfach sozial eingestellt und wollen in der Gesellschaft eine Vorbildfunktion übernehmen», sagt er stellvertretend für seine Vorstandskollegen. Gelebt wird dieses Credo im Übrigen auch auf dem Fussballplatz. Die Zurzacher wurden letztes Jahr im Ranking des Aargauer Fussballverband (AFV) zum zweitvorbildlichsten Klub im Kanton gekürt.

Ziel: 10 000 Spender finden

Auch die Geschichte mit Cynthia ist für den SC Zurzach nicht abgeschlossen. Mit dem fünftstelligen Erlös der Solidaritätsaktion kann sich die Familie die nächsten Monate finanziell über Wasser halten. Für die Zeit darüber hinaus macht sich Matthias Fässler bereits Gedanken. «Wir wissen momentan nicht, wie sich ihr Krankheitsverlauf entwickelt.»

Ein konkretes Ziel hat sich der umtriebige Präsident zudem betreffend die Spende für die Knochenmarktransplantation gesteckt, die Cythia benötigt. Er will 10 000 Personen mobilisieren, die sich zeitnah für eine Registrierung zur Verfügung stellen. Entsprechende Schritte hat er bereits eingeleitet. Auf mehreren Kanälen wirbt er für die Datenbank von Blutspende Schweiz. Offenbar mit Erfolg: Bei der zuständigen Swiss Blood Stems Cells, die im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit die Registrierung für Blutstammzellenspender beaufsichtigt, hat man in den vergangenen Tagen einen signifikanten Anstieg an bereitwilligen Spendern festgestellt.

Einen weiteren Schub an möglichen Spendern dürfte die Aktion des Spitals Leuggern am 22. Juni erhalten. An diesem Tag findet unter der Leitung des zuständigen Arztes Manfred Gartner ein Registrieranlass statt. Vor Ort wird auch Matthias Fässler sein. Der 53-Jährige lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen, sich als Knochenmarkspender ebenfalls eintragen zu lassen.