Philippe Roussel ist Sänger, Schauspieler, Sprecher, Regisseur, Unternehmer. Er modelte für Versace, hatte die Hauptrolle in der Sitcom «Mannezimmer», trat 20 Jahre mit der Sketch-Truppe «Friends» in der Unterhaltungssendung «Benissimo» auf, spielte in «Lüthi und Blanc» und steht zum wiederholten Male mit Erich Vock auf der Bühne des Bernhard-Theaters. Trotzdem liest man in der Presse nur selten etwas über ihn. Ist er medienscheu? «Nein. Aber ich bin nicht Schauspieler geworden, um berühmt zu sein, sondern um zu spielen», sagt der attraktive 55-Jährige.

Chic sieht er aus in seinem Kaschmirsweater. Auffällig an ihm ist die aparte Form seiner blaugrauen Augen. Morgen Donnerstag startet die dreimonatige Spielzeit der Komödie «Ausser Kontrolle» im Bernhard-Theater. Weit 70 Prozent der Karten sind verkauft. Volksschauspieler Vock, der das Stück produziert hat, ist eben ein Zugpferd und generiert ein grosses Stammpublikum.

Von Wettingen nach Lengnau

Roussel gibt darin den SVP-Nationalrat Nauer, der sich für ein Schäferstündchen mit seiner Sekretärin in einem Luxushotel verabredet. Aber die amourösen Pläne laufen total aus dem Ruder. Die 63 Vorstellungen bis 9. April fordern dem Mimen alles ab. «Wir geben zwei Stunden lang Vollgas. Ich verliere pro Abend mindestens zwei Liter Schweiss», erzählt Roussel aus seinen monatelangen Probenerfahrungen und fügt hinzu: «Für unseren Beruf braucht es totale Disziplin. Ich muss mein ganzes Leben der Rolle unterordnen, die ich grad spiele.»

Seinen privaten Hafen hat der gebürtige Zürcher im Aargau gefunden. 15 Jahre lang wohnte er in Wettingen, jetzt ist er nach Lengnau umgezogen. Die neue Dachwohnung nennt er seinen «Adlerhorst». Dort sucht er die Ruhe als Kontrapunkt zum hektischen Alltag und meint: «Für mich ist Stille oft die schönste Musik, die es gibt.»

«Ich bin ein echtes Sonntagskind», erzählt Roussel und bezieht das nicht nur auf den Tag seiner Geburt, sondern symbolisch auf sein Leben: «Ich habe nichts gesucht. Alles kam auf mich zu.» Nach der Schauspielschule in Basel brachte ihm sein Talent Engagements auf sämtlichen grossen deutschen Bühnen ein. Er spielte mit Ikonen wie Claus Biederstaedt vornehmlich schwere Charakterrollen.

Philippe Roussel - Immer gewinnen kannst du nicht

Philippe Roussel - Immer gewinnen kannst du nicht

Philippe Roussel vertrat die Schweiz 1992 am Eurovision Song Contest.

Erst seit «Mannezimmer» ist er auf Komödien abonniert. Das stört ihn nicht. «Ich will das Publikum verführen; sei es zum Lachen oder zum Weinen», verrät das Multitalent. Zur Regie sei er wie die Jungfrau zum Kind gekommen, so Roussel im Rückblick. Als Inigo Gallo 2001 während der Produktion «Trau keinem über 60» schwer erkrankte, sprang er ins kalte Wasser und übernahm das Zepter. Seither führte er Regie in über 20 Theaterstücken und gehört sowohl auf als auch hinter der Bühne zum festen Bestand des Sommertheaters Winterthur.

Aber dem nicht genug: Seine Stimme ist auf einer CD mit selbstkomponierten Liedern zu hören. Er vertonte Spielfilme wie «Stuart Little 2» und «Der kleine Eisbär». Zudem hat er sein eigenes Unternehmen «Sprecherkasse» und erledigt die administrativen Arbeiten von rund 300 professionellen Sprecherinnen und Sprechern in der Schweiz.

Lange hektisch Rollen gesucht

Roussel hat fünf Geschwister, seine Mutter stammt aus Nizza, sein verstorbener Vater war gebürtiger Lausanner. Der enge Familienzusammenhalt kombiniert mit seiner Mentalität, macht ihn stark. «Ich tingelte lange Zeit von Casting zu Casting und suchte hektisch nach Rollenangeboten. Ich merkte bald, dass es nichts bringt, verkrampft einem Ziel nachzurennen. Erst als ich mich dem höheren Plan anvertraute, den das Leben mit mir hat, kam alles in Fluss», sagt der Wahl-Lengnauer Philippe Roussel und lacht entspannt.