Zurzeit ist es ruhig auf dem Waldspielplatz in Endingen. Der verwinkelte Holzparcours und das Flugzeug, welches dem «Flügerlispielplatz» seinen Namen gibt, stehen unbenutzt im Wald. «Die Kinder sind alle in der Schule oder im Kindergarten. Aber am Nachmittag wird es sicher voller hier», sagt Sarah Schmid-Kienle. Sie ist die Initiantin der Petition «Der Flügerliplatz soll weiterleben».

So ruhig der Spielplatz auch scheinen mag, er ist seit dieser Woche Gesprächsthema Nummer eins im Dorf und der Umgebung. Der beliebte Spielplatz soll nächstes Jahr abgerissen werden. Dies, weil er gegen mehrere gesetzliche Auflagen verstösst. Das zuständige Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) erklärte auf Anfrage, dass die Anlage nicht dem Ausmass eines bewilligungsfähigen Spielplatzes entspreche. Ausserdem sei keine Trägerschaft vorhanden, die für Sicherheit, Haftung und den Rückbau verantwortlich ist. Ein weiterer Kritikpunkt des Kantons ist, dass der Spielplatz zu verzettelt sei. Das Gelände umfasst fast eine Hektare.

Deborah Schneider unterstützt Sarah Schmid-Kienle bei ihrer Petition. «Ich wollte mich an die Gemeinde wenden, da wurde ich auf die Petition aufmerksam.» Schneider meldete sich sogleich bei Schmid-Kienle. Man kennt sich im 2500-Seelen-Dorf. Schneider steht in Kontakt mit den Behörden, Schmid-Kienle ist für das Gespräch mit dem Dorf und der Bevölkerung zuständig. Die Petition hat momentan über 800 Unterstützer. Eine sehr hohe Anzahl, wenn man bedenkt, dass sie erst letzten Samstag lanciert wurde.

Unterstützung vom Ausland

«Ich war schon überrascht, dass so schnell so viele Leute die Petition unterstützen», sagt Schneider. Schmid-Kienle ergänzt: «Wir wussten schon, dass der Spielplatz beliebt ist. Aber wir haben sogar Unterstützung von Leuten aus dem Ausland erhalten, die früher in Endingen wohnten. Das ist schon sehr beeindruckend. Auch von umliegenden Gemeinden haben wir sehr viel Zuspruch erhalten und von Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen, die einfach gerne mit ihren Schülern in den Waldspielplatz kommen.»

Die zwei Frauen sind beide in Endingen aufgewachsen, für sie ist der Spielplatz ein Teil der Gemeinde. Schneider ist Mutter von zwei Kindern und wohnt in Gehdistanz zum Waldspielplatz. «Wir sind sehr oft dort. Die Kinder können sich an den Naturmaterialien austoben und man hat einen wunderschönen Ausblick. Im Sommer kann man grillieren und im Winter haben wir schon Fondue oder Raclette gemacht.» Der Spielplatz sei eine Bereicherung für die ganze Region, davon ist die 30-Jährige überzeugt.

Schmid-Kienle ging bei Alban Killer, der den Spielplatz gebaut hat, zur Schule. Die 39-Jährige ist oft mit ihrem Sohn auf dem Waldspielplatz anzutreffen. «Der Spielplatz ist ein Ort, um zusammenzukommen. Er ist naturbezogen und ein Erlebnisplatz, egal zu welcher Jahreszeit.»

Der Spielplatz existiert seit 2005, eine Ausnahmebewilligung, wie sie für nicht forstliche Bauten und Anlagen nötig wäre, wurde nie erteilt. Die zwei Frauen wollen weder dem Kanton noch der Gemeinde einen Vorwurf machen. «Wir haben die Gemeinde nie infrage gestellt. Wir finden, die Bevölkerung muss etwas unternehmen, um die Gemeinde dabei zu unterstützen, eine bevölkerungsorientierte Lösung mit dem Kanton zu finden», sagt Schneider.

Und auch für den Entscheid des BVU bringt sie Verständnis auf: «Der Kanton hat Gesetze, die eingehalten werden müssen. Wir wollen eine Lösung, die für alle Seiten passt.» Aber ein kompletter Abriss des Spielplatzes sei für die Frauen keine Option.

Ein Vorschlag des Kantons ist, eine Feuerstelle stehen zu lassen, den Rest aber abzureissen. Auch das kommt für Schneider nicht infrage: «Der Spielplatz ist bei allen sehr beliebt. Wir können uns vorstellen, dass Anpassungen vorgenommen werden. Aber dass alle Holzspielzeuge abgerissen werden sollen, finden wir inakzeptabel. Wir wissen alle, wie viel Herzblut Alban Killer mit seinen Helfern in diesen beliebten Spielplatz gesteckt hat.» Nicht nur auf dem Petitionsportal haben die zwei Frauen Zuspruch erhalten. Es hätten sich auch sehr viele Personen und Familien gemeldet, um tatkräftig mitanzupacken, falls der Spielplatz umgebaut werden müsste. «Das gilt natürlich auch für uns selber», sagt Schmid-Kienle.

Ziel: Den Charakter erhalten

Und nun, wie geht es weiter? «Die Gemeinde wird sicher an der kommenden Gemeindeversammlung nächste Woche informieren, was als Nächstes passieren wird.» Die zwei Frauen sind sich bewusst, dass der Spielplatz nicht in seiner jetzigen Form weiterbestehen kann. «Es ist klar, dass er anders sein wird, da er so keine Bewilligung erhielt. Aber wir hoffen darauf, dass der spezielle Charakter des ‹Flügerlispielplatzes› erhalten bleiben kann», sagt Schmid-Kienle.