Die Aufnahme stoppt. Joana seufzt. «Wir haben kaum Szenen, in denen ‹Oropax› ernst sind», sagt die Würenlingerin zu Maurus. Die beiden 14-Jährigen sitzen im Schnittstudio des Schweizer Radio und Fernsehens SRF und schneiden einen Beitrag über das deutsche Comedy-Duo, das am Abend zuvor in Winterthurer Casinotheater Premiere ihres neusten Programmes «Faden und Beigeschmack» feierte. Die Zeit drängt. Denn der Beitrag geht um 18.40 Uhr im Promi-Magazin «Glanz & Gloria» auf Sendung.

Joana Hirt ist eine von zwölf Jugendlichen, die zusammen die Sendung gestalten, die diese Woche unter dem Titel «Glanz & Gloria voll fresh» läuft. 120 Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren hatten sich im Frühling beworben. Dank ihrer Mutter meldete sich auch Joana für das Casting an. Dort überzeugte sie im fiktiven Interview mit frechen Fragen und ihrer Hartnäckigkeit. Die freudige Nachricht überbrachte ihr «Glanz & Gloria»-Moderator Salar Bahrampoori – mitten im Unterricht an der Bezirksschule in Endingen. «Ich war völlig baff», erinnert sich Joana und fährt sich mit der Hand durch ihre rotblonden Haare. «Ich habe mich natürlich riesig gefreut.»

Seit 10 Uhr sitzt sie nun vor vier Bildschirmen in einem kleinen Raum am Leutschenbach und arbeitet zusammen mit Maurus am Beitrag über «Oropax». Die beiden Teenager haben praktisch alles alleine geplant und umgesetzt – von der zweistündigen Recherche und dem Schreiben des Skriptes mit den Kameraeinstellungen über die knapp sechsstündigen Dreharbeiten bis zum fixfertigen, dreiminütigen Film. Die gestandenen Redaktoren vom SRF geben wenn nötig Tipps, lassen aber ansonsten die Jugendlichen selbstständig arbeiten. Cutter Romeo Linder hilft, das Videomaterial zusammen zu fügen.

Von «Oropax» auf den Arm genommen

«Im Beitrag wollen wir den Zuschauern zeigen, wer hinter ‹Oropax› steckt, wer die beiden im echten Leben sind», sagt Joana. Vor den Dreharbeiten sei sie schon aufgeregt gewesen, verrät sie. «Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde.» Während des Interviews zeigte sich dann auch: Die beiden Komiker von einer seriösen Seite zu zeigen, ist schwer. «Sie antworteten selten ernst und nahmen mich beim Interview auf den Arm. Beispielsweise, dass sie viel Espresso trinken gegen die Nervosität.»

Sie habe sich derart auf das Gespräch konzentriert, dass sie zuerst gar nicht gemerkt habe, dass die Antwort ironisch gemeint war. Sie liess sich aber nicht aus dem Konzept bringen, hakte nochmals nach und erhielt dann doch noch die gewünschten Antworten. Ganz die professionelle Journalistin. Ob sie später wie ihre Gotte im Journalismus arbeiten möchte, weiss sie noch nicht. Einmal für das Fernsehen tätig zu sein, wäre aber schon «cool», sagt sie. «Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich am liebsten eine berühmte Modebloggerin werden. Oder die Modezeitschrift ‹Vogue› leiten.»

Joana ist während einer Woche Redaktorin bei «Glanz & Gloria voll fresh».

Joana ist während einer Woche Redaktorin bei «Glanz & Gloria voll fresh».

Unterdessen ist es 16 Uhr. Zeit für Produzent Tristan, sich die erste Fassung des Beitrages anzusehen (siehe Box). Der 15-jährige Wettinger entscheidet, ob der Film so gesendet wird oder ob Joana und Maurus nochmals daran arbeiten müssen. Ein besonderes Augenmerk legt er auf den roten Faden, ob der Film verständlich ist. Zu dritt sitzen sie vor den Bildschirmen und sehen sich den Beitrag an. Das SRF-Team schaut ihnen dabei über die Schultern. «Ich finde die vielen Quotes gut. Aber bei Rob Spence würde ich etwas früher aussteigen», findet Tristan. Ansonsten sei der Beitrag gelungen, auch die Musik passe zum chaotischen Komikerduo.

Am Schluss des Beitrages wird Tristan später als Off-Sprecher zusammenfassend über «Oropax» sagen: «Trotz den schwierigen Interviews, den anspruchsvollen Wortspielen und dem speziellen Humor – über den ganzen Abend gesehen sind sie uns sympathisch.»