Exotische Tiere halten in diesen Tagen Teile des Aargaus in Atem. Allen voran die vermeintliche Existenz eines Kaimans im Hallwilersee. Ob es das Reptil tatsächlich gibt, ist nach wie vor ungeklärt. Aufregung herrschte in den vergangenen Wochen auch bei einer AZ-Leserin in Baldingen. In ihrem Garten sichtete sie gemäss ihren Schilderungen eine «Weisse Witwe», die genüsslich Insekten verspeist hatte. Die Frau fotografierte das Tier und glich es mit Bildern im Internet ab. Für sie war klar, dass es sich um eine «Weisse Witwe» handeln müsse.

Charakteristisch für die Spinne sind ihr kugeliger Hinterleib und ihre dünnen langen Beine. Sie ist zwar nicht besonders aggressiv und ihr Biss ist für den Menschen in der Regel nicht gefährlich. Für gebrechliche Leute oder Kinder kann er dennoch tödlich enden.

«Würde es sich tatsächlich um eine sogenannte Latrodectus pallidus handeln, käme das einem aussergewöhnlichen Ereignis gleich», sagt Yves Gonseth. Er leitet das Schweizerische Zentrum für die Kartografie der Fauna in Neuenburg. Die «Weisse Witwe» wurde gemäss Gonseth in unseren Breitengraden bisher noch nie gesichtet. Die Art kommt hauptsächlich in Nordafrika, im Nahen Osten und vom Iran bis in mehrere zentralasiatische Staaten vor. Ihr Verbreitungsgebiet liegt in Steppen und wüstenartigen Landschaften.

Ambros Hänggi, Kurator für Biowissenschaften am Naturhistorischen Museum in Basel, gibt nach Prüfung der Bilder jedoch Entwarnung. «Bei dem erwähnten Tier handelt es sich um die «Veränderliche Krabbenspinne». Bei der «Weissen Witwe» wäre der Hinterkörper viel rundlicher und vor allem die Beine nicht so seitwärts abstehend. Auch das rötliche Band würde fehlen, so Hänggi.

Verwirrung auch wegen Internet

Was nicht heisst, dass auch bei der Veränderlichen Krabbenspinne Vorsicht geboten ist. «Von den rund 1000 Arten in der Schweiz sind zwar nur knapp ein Dutzend fähig, die menschliche Haut mit ihren Giftklauen zu durchdringen», sagt Ambros Hänggi. Einige davon seien schmerzhaft, wie Bienenstiche. «Einzig für Personen mit Allergien können Komplikationen entstehen.»

Einen Vorwurf will er der eifrigen Beobachterin wegen der Verwechslung nicht machen. «Ich erhalte ab und zu solche Meldungen.» Nicht zuletzt darum, weil bei der Bildersuche im Internet zu «Weisser Witwe» fälschlicherweise jede Menge Krabbenspinnen angezeigt würden.