Weil Gemeindeammann Thomas Knecht zurücktritt, muss Baldingen am 8. März ein neues Mitglied in die Exekutive wählen. Im Gegensatz zu vielen anderen kleinen Gemeinden kommt es in Baldingen mit seinen rund 280 Einwohnern zu einer Kampfwahl, haben sich doch zwei Kandidatinnen aufstellen lassen. In der legendären Baldinger Wirtschaft «Rose» haben Corinne Brunner-Müller und Jessica Rümmele der az Red und Antwort gestanden.

Warum wollen Sie Gemeinderätin werden?

Corinne Brunner: Obwohl es ein kleines Dorf ist, bietet Baldingen seiner Bevölkerung regelmässig viel, etwa den 1.-August-Anlass auf der Spornegg oder die Weihnachtsbaum-Abgabe. Als Gemeinderätin möchte ich dafür sorgen, dass die Bevölkerung sich hier weiterhin gut aufgehoben und daheim fühlt.

Jessica Rümmele: Weil ich sehr gerne in Baldingen lebe, möchte ich mich für das Dorf einsetzen, die Zusammengehörigkeit unter der Bevölkerung fördern und dabei besonders die jüngere Generation ansprechen.

Die Gemeinde hat für 320 000 Franken die «Rose» gekauft. War dieser Entscheid richtig?

Rümmele: Ja, auf jeden Fall. Die «Rose» gehört einfach zu Baldingen und ohne sie würde in unserem Dorf etwas fehlen. Durch den Kauf können wir nun mitbestimmen, was mit der «Rose» in Zukunft passiert.

Brunner: Ich finde den Entscheid super und mein Mann Marc ist jetzt Mitglied der Kommission, die Vorschläge ausarbeitet, wie es weitergehen soll.

Wenn der Finanzausgleich zum Tragen kommt, könnten die Steuern in Baldingen um 20 Prozent-Punkte steigen. Sehen Sie Möglichkeiten, das mit Sparmassnahmen abzufedern oder ist eine Fusion mit anderen Gemeinden die Lösung?

Brunner: Was Sparmassnahmen betrifft, so habe ich noch zu wenig Einblick in die Finanzen der Gemeinde. Eine Fusion ist sicher nicht auszuschliessen. Allerdings denke ich, dass eine solche auf grossen Widerstand stossen würde.

Rümmele: Klar ist, dass bei einer Steuererhöhung gespart werden muss. Ich kann auch nicht ausschliessen, dass eine Fusion unumgänglich wird. Ängste, dass dabei dem Dorf einiges verloren geht, sind aber berechtigt.

Wäre nicht eine mögliche Sparmassnahme, die immer mehr ausufernde Sperrgutabfuhr kostenpflichtig zu machen?

Rümmele: Gratis ist klar besser, aber leider wird jedes soziale System ausgenutzt und nicht mehr geschätzt. Das ist schade, aber dadurch wird es unumgänglich, nach dem Verursacherprinzip Kosten für die Abfuhr zu erheben.

Brunner: Wenn ich mir die Unmengen von angeliefertem Sperrgut ansehe, so kann es unmöglich alles aus Baldinger Haushalten stammen. Da müsste mal die Bremse gezogen werden. Mit Kostenpflicht könnte tatsächlich ordentlich gespart werden.

Stehen Sie einer politischen Partei nahe?

Beide unisono: Nein!

Nach dem 8. März wird Baldingen von einer Frauenmehrheit regiert. Wird das Auswirkungen auf die Entscheide des Gemeinderates haben?

Rümmele: Das glaube ich nicht. Intern allerdings wird es zu anderen Sichtweisen und Diskussionen führen.

Brunner: Ich denke nicht, aber ich finde es sehr spannend.

Was möchten Sie in Baldingen ändern, erneuern, bewirken?

Rümmele: Ich möchte gar nichts verändern, finde Baldingen super, so wie es ist. Das heisst, die «Rose» muss ja irgendwann renoviert werden, wobei sie aber unbedingt ihr Charakter erhalten werden muss.

Brunner: Grundsätzlich möchte auch ich nichts verändern, ausser dass ich mich dafür einsetze, dass auf der Endingerstrasse zwischen Sonnenweg und altem Feuerwehrmagazin wegen der vielen Schulkinder eine 30-km/h-Zone eingerichtet wird.