Wenn für jemand der Grundsatz zutrifft, dass man Menschen nicht nach ihrem Äusseren beurteilen sollte, dann für Marisa Hirt, geborene Binder. Die 26-jährige Döttingerin mit Sternzeichen Fisch und Aszendent Wassermann lebt ganz und gar nicht nach Schema 08/15.

Als Heavy-Metal-Fan zieht sie sich gerne ausgefallen an und sie sagt geradeheraus, was sie denkt. Gespräche hinter dem Rücken mag sie nicht. «Ich halte nicht viel davon, was die Leute über mich erzählen. Ich mache, was mir gefällt – und ich fühle mich wohl dabei.»

In Schwarz geheiratet

Als Kind habe sie stets den Älteren nachgeeifert und sich gesagt: «Was die können, kann ich auch.» Als Zweijährige hat sich Marisa Hirt Velofahren und Skifahren selbst beigebracht – das Skifahren im Garten vor dem Elternhaus. Angezogen habe sie damals, was Mami am Morgen bereitlegte, erzählt Marisa bei einem Glas selbst gemachtem Eistee im Haus ihrer Eltern an der Terrassenstrasse in Döttingen.

Inzwischen hat sie ihren eigenen Stil entwickelt Sie liebt das Ausgefallene: Springerstiefel, die bis zu den Knien reichen, zerrissene Netzstrümpfe und Korsetts in allen Farben gehören zur Standardausrüstung.

Marisa Hirt liebt kleine Accessoires, die sie in Läden zusammensucht und nach Lust und Laune zu einem fröhlichen Ganzen kombiniert. Individualität ist ihr sehr wichtig: «Damit kann ich meine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen».

Individualität hat Marisa Hirt auch bei ihrer Hochzeit am vorletzten Samstag bewiesen, als sie Ramon Hirt heiratete – in einem schwarzen Brautkleid, nicht in einem weissen. «Schwarz ist meine Lieblingsfarbe. Das heisst aber nicht, dass ich depressiv bin», sagt Marisa mit schelmischem Grinsen.

«Ich liebe Action»

Als kleines Kind sei sie oft als «Ruech» bezeichnet worden, erzählt Marisa Hirt. «Ich war immer dabei, wenn draussen etwas lief. Ich liebe Action. Mit mir kann man Pferde stehlen. Langweilige Gesellschaften sind mir ein Gräuel.»

Als gelernte Automechanikerin schwimmt Marisa Binder auch beruflich gegen den Strom: «Ich bin nicht heikel», sagt sie. «Dreckige Hände sind mir egal.» Es gefalle ihr, Autos nach herkömmlicher Art zu reparieren und nicht nur Teile auszuwechseln. Dass sie Stahlkappenschuhe trage, habe einen grossen Vorteil, erklärt Marisa Hirt: «Wenn mir jemand bei einem Konzert auf die Füsse tritt, spüre ich nichts.» Dass es Leute gibt, die es darauf anlegen, ihr möglichst heftig auf die Füsse zu treten, hat Marisa Hirt mehr als einmal erfahren. Trotzdem will sie ihren Lebensstil beibehalten, selbst auf die Gefahr hin, von einzelnen Menschen schräg angeschaut oder gar ausgegrenzt zu werden.

«Ich kann mir nicht vorstellen, nicht mich selbst zu sein.» Hingegen könne sie sich sehr gut vorstellen, auf einer Alp zu leben. «Allerdings würde ich mich auch auf der Alp genauso kleiden, wie hier unten.» Ein Natel würde sie nicht mitnehmen, «weil ich nicht immer und überall erreichbar sein muss.» Gespräche am Telefon könnten Gespräche unter vier oder mehr Augen niemals ersetzen, ist Marisa Hirt überzeugt.

Helferin, die nicht Nein sagen kann

Da ist aber auch noch eine ganz andere Seite an der jungen Frau. Wird im Dorf ein Fest vorbereitet oder durchgeführt, ist Marisa Hirt geborene Binder mit Sicherheit dabei und hilft beim Service, hinter der Theke oder wo sonst gerade eine helfende Hand benötigt wird. «Ich bin immer da, wenn ich gebraucht werde», sagt die 26-Jährige. «Fragen gute Freunde oder Bekannte an, sage ich meistens zu.» Durch ihre hilfsbereite Art läuft Marisa aber auch Gefahr, ausgenützt zu werden. «Hinterher frage ich mich oft, warum ich das gemacht habe. Ich muss lernen, öfters nein zu sagen.»

Nicht missen möchte Marisa ihre Einsätze beim Turnverein, bei der Musikgesellschaft oder beim Männerchor am Döttinger Winzerfest. «Das gefällt mir. Da sind schon viele wertvolle Bekanntschaften entstanden», sagt Marisa mit blitzenden Augen. Urs Bugmann, Präsident des Männerchors findet nur lobende Worte für die junge Frau mit dem ungewöhnlichen Outfit: «Marisa ist uns immer eine sehr grosse Hilfe.

Sie hat ein sehr offenes, einfühlsames und spontanes Wesen. Sie ist authentisch – und: Sie kann zuhören.» Marisa mache auch bei der Arbeit keine halbherzigen Sachen, sagt Bugmann. «Sie hängt sich immer voll rein. Was sie macht, macht sie hundertprozentig.» Dass Marisa Hirt offen und spontan ist, kann auch Vizeammann Lilli Knecht bestätigen: «Ich habe mich riesig gefreut, als Marisa kurz nach Bekanntwerden meiner Wiederwahl an der Haustür klingelte und mir gratulierte.»

Marisa mit Rollator

Die Frage, wie sie sich das Leben als 80-Jährige vorstellt, beantwortet Marisa Hirt mit dem ihr eigenen Schalk: «Ich möchte, dass ich dann noch zwäg bin, damit ich etwas unternehmen kann. Die Vorstellung, mit einem Rollator in der Gegend herumzukurven, erschreckt mich nicht. Ich stelle mir das ganz praktisch vor: Wenn man müde wird, hat man den Stuhl zum Absitzen gleich dabei.»