Kaiserbühne

«Die Weinprobe» – ein unanständiges Angebot und seine Folgen

Die Frage, ob «Die Weinprobe» ein Happy End hat, ist schwierig zu beantworten.

Die Frage, ob «Die Weinprobe» ein Happy End hat, ist schwierig zu beantworten.

Die Kaiserbühne präsentiert das humoristische Kammerspiel «Die Weinprobe» in der Kaiserstuhler Mehrzweckhalle. 90 Minuten Turbulenzen zwischen Lust und Frust, Missverständnissen und Erpressung, Ehekrise und Emanzipation.

Die Erkenntnis «Im Wein liegt die Wahrheit» aus der Feder von Erasmus von Rotterdam hat der österreichische Autor Stefan Vögel gedanklich erweitert und festgestellt, dass im Wein durchaus auch Lügen liegen können, obendrein Betrug, Erotik und gar so manches mehr. Das alles hat Vögel zum Lustspiel «Die Weinprobe» verarbeitet, das in Kaiserstuhl Premiere feierte.

Von Corona aus ihrem angestammten Keller vertrieben, ist die Kaiserbühne in der Mehrzweckhalle Blöleboden zu Gast. Ein konträres Ambiente: Maske vor Mund und Nase auf, sowie um einiges grössere Distanz zu den Akteuren, die mit Mikrofonen ausgestattet sind. Zunächst ist es für das Publikum zwar gewöhnungsbedürftig, doch wenn das Saallicht aus- und die Scheinwerfer eingeschaltet sind, kommt unverzüglich Spannung auf.

Sein Traum der exklusiven Weinbruderschaft

Weinflaschen – echte in einem Regal und überdimensionierte als Bühnenprospekt – dominieren das Bild, in das, weinselig lachend, zwei Männer und eine Frau platzen. Sie kommen von einem Klassentreffen, um sich bei Danielle (Susanne Kunz) und ihrem Mann Nico (Patric Gehrig) zuhause gemeinsam mit Roman (Jürg Plüss) noch einen Absacker zu genehmigen.

Rasch stellt sich heraus, dass Danielle unübersehbar scharf ist auf Roman, während ihr Gatte, mit Hobby Weinsammeln, nicht weniger scharf ist auf eine Flasche «Château Pétrus» Jahrgang 1990. Denn eine solche fehlt ihm zur Erfüllung seines Traumes, in eine exklusive Weinbruderschaft aufgenommen zu werden. Gleich mehrere Flaschen des ebenso legendären, wie sündhaft teuren Pomerol besitzt Roman. Für eine Flasche verlangt er 5000 Franken. Da der Politiker und nebenberuflicher Weinhändler einen Freundschaftspreis für Nico kategorisch ablehnt, bietet dieser Roman seinerseits einen Freundschaftsdienst in Form einer Nacht mit Danielle an.

Überzeugendes Spiel von Moderatorin Susanne Kunz

Dies ist der Startschuss zu 90 Minuten Turbulenzen zwischen Lust und Frust, Missverständnissen und Erpressung, Ehekrise und Emanzipation. Mit Worten und Taten geht das Trio ganz schön zur Sache – durchaus auch mal unter der Gürtellinie – und so kippt die Handlung zunehmend vom Lustspiel in einen Schwank.

Mitunter ist es für den Zuschauer nicht gerade einfach, den Wendungen und Windungen in der Handlung und der sich in rekordverdächtigem Tempo ändernden Situationskomik der Inszenierung zu folgen. So ist denn auch die Frage, ob «Die Weinprobe» ein Happy End hat, schwierig zu beantworten: Zu abrupt kommt das Ende, zu wenig schlüssig ist der Schluss.

Kaiserbühne-Hausherr Peter Niklaus Steiner hat mit seiner tempo- und einfallsreichen Inszenierung aus der nicht ganz überzeugenden Vorlage von Autor Vögel viel herausgeholt. Vor allem der Kabarettistin und ehemaligen 1-gegen-100-Moderatorin Susanne Kunz gelingt es ausgezeichnet, mitten in den Turbulenzen der Figur der Danielle ein glaubhaftes Profil zu geben. Die beiden männlichen Darsteller hingegen bleiben eher blass. Jürg Plüss lässt es als Roman zwischen sich und Danielle etwas arg wenig knistern, während bei Patric Gehrigs Nico vor allem eine ausladende, sich ständig wiederholende Gestik charakteristisch ist.

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