Die Anstrengung steht dem kleinen Grüppchen der führenden Velorennfahrer ins Gesicht geschrieben, als sie unter tosendem Jubel der Zuschauer das erste Mal die Zieleinfahrt beim Sportcenter Leuggern überqueren. Nur wenige Sekunden dauert der Spuk, und schon ist von den Profisportlern nichts mehr zu sehen.

Doch lange bevor die ersten Rennfahrer die Tore durchqueren, herrscht in Leuggern bereits beste Stimmung. Das ganze Dorf erinnert an einen Jahrmarkt: Festbänke wurden aufgestellt, und die zahlreichen Essensstände machen sichtlich Profit.

Urchig und frenetisch

Urchige Klänge eines Akkordeons vermischen sich mit dem dumpfen Bass aus den Boxen des frenetisch anmutenden Sprechers, der die Leute bei Laune hält. Plötzlich wird es hektisch an der Bande: Die Sponsorenautos kommen.

Tour de Suisse: Leuggern im Ausnahmezustand.

Tour de Suisse: Leuggern im Ausnahmezustand.

Schnell zücken die Kinder ihre orangen Säcke und halten sie hoffnungsvoll auf die Strasse. Sie werden reich beschenkt mit unzähligen Fanartikeln, Gummibärli und vielen weiteren Leckereien.

Danach dominieren grüne Dächlikappen das Bild, die sich aufgrund der erbarmungslos brennenden Sonne grösster Beliebtheit erfreuen. Nicht überraschend befinden sich unter den Zuschauern viele Radklubs und Hobby-Rennfahrer – zählt doch die Region um Gippingen und Leuggern zum Mekka des Aargauer Radsports.

Bei einem kühlen Bier oder einer erfrischenden Apfelschorle warten sie auf die Ankunft ihrer Helden.

Der Geräuschpegel steigt

Dann endlich ist es soweit: Auf der riesigen Leinwand sind die ersten Fahrer zu sehen, wie sie die bewaldete Strecke kurz vor der Zieleinfahrt überwinden. Der Geräuschpegel steigt im Sekundentakt, die Seitenbanden dienen als Schlagwerk für das Publikum.

Ein schallendes Läuten vieler kleinen Glocken ertönt, als sich zuerst die Polizei und kurz darauf die ersten Rennfahrer der Ziellinie nähern. Unzählige Smartphones und Fotoapparate werden gezückt, jeder will den grossen Moment für die Zukunft festhalten.

Gefährlich nahe flitzt das Feld vorbei, so, dass das Adrenalin auch bei den Zuschauern in die Höhe schiesst. Dann ist urplötzlich alles vorbei, nur noch der Helikopter des Schweizer Fernsehens dreht gemächlich seine Runden am Himmel.