Koblenz/Leuggern

Die Tage einer regionalen Attraktion sind gezählt

Die 120 Jahre alte Eisenbahnbrücke wird in den nächsten zwei Jahren saniert. Rechts der angehängte Fussgängersteg.Angelo Zambelli

Die 120 Jahre alte Eisenbahnbrücke wird in den nächsten zwei Jahren saniert. Rechts der angehängte Fussgängersteg.Angelo Zambelli

Die 1892 erbaute, 236 Meter lange Eisenbahnbrücke Koblenz–Felsenau wird im nächsten oder übernächsten Jahr von den SBB saniert. Die SBB fordern eine Beteiligung der beiden Gemeinden an der Sanierung des Stegs auf der Eisenbahnbrücke.

Die SBB rechnet bei der Sanierung mit Kosten von 5,7 Millionen Franken – ohne Instandstellung des angehängten Fussgängerstegs. Dieser dient vorwiegend den Bewohnerinnen und Bewohnern des Leuggemer Ortsteils Gischberg-Felsenau als direkte Verbindung vom und zum Bahnhof Koblenz.

Steg von untergeordneter Bedeutung

Für die Sanierung des Fussgängerstegs müsste laut den SBB nochmals rund eine Million Franken aufgewendet werden – eine Investition, die sie vollumfänglich den beiden vom Fussgängersteg profitierenden Gemeinden Koblenz und Leuggern aufbürden wollen. Die um einen Sanierungsbeitrag angegangenen Gemeinden winken indes ab und verweisen auf ihre schlechte finanzielle Lage sowie auf die untergeordnete Bedeutung der Fussgängerverbindung über die Aare: Heidi Wanner, Gemeindeammann Koblenz: «Die zu erwartenden Kosten von rund 500000 Franken sind für uns nicht tragbar, zumal mit dem neuen Fussgängersteg 400 Meter aareabwärts eine zweite Fussgängerverbindung zum Bahnhof besteht.» Von der Koblenzer Bevölkerung werde der Fussgängersteg nur sehr wenig benützt, sagt Wanner. «Wir müssen an allen Ecken und Enden sparen. Geld für die Sanierung eines Fussgängersteges auszugeben, ist ein Luxus, den wir uns schlicht und einfach nicht leisten können.»

Ähnlich wird die Situation von der Gemeinde Leuggern beurteilt. Gemeinderat Peter Müller, zuständig unter anderem für das Ressort Verkehr: «Wir haben zahlreiche Institutionen, darunter den Verein Aargauer Wanderwege, den Swisslos-Fonds, das Bundesamt für Strassen und die kantonale Denkmalpflege, um finanzielle Unterstützung angefragt – und haben durchwegs Absagen erhalten.» Müller und mit ihm der gesamte Gemeinderat Leuggern ist sich bewusst, dass mit der Schliessung des Stegs eine regionale Attraktion verschwindet und die Bewohner des Ortsteils Gischberg-Felsenau eine schnelle und bequeme Verbindung nach Koblenz verlieren, «aber für die Gemeinde Leuggern ist eine Sanierung des Stegs nicht finanzierbar.»

Schliessung oder Abbruch?

Ob bei einer definitiven Absage der beiden Gemeinden der Steg abgebrochen wird, ist laut Lea Meyer von der Pressestelle der Schweizerischen Bundesbahnen noch offen. «Jedenfalls», so Meyer, «würde er von Fussgängern nicht mehr genutzt werden können.»

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