Zusammenspannen oder nicht? Diese Frage beschäftigt derzeit zehn Gemeinden im Bezirk Zurzach. «Rheintal plus» nennt sich das ambitiöse Projekt, das dereinst Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Fisibach, Kaiserstuhl, Mellikon, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen unter einem gemeinsamen Dach vereinen könnte. 2019 sollen die Stimmbürger der betroffenen Gemeinde über eine Fusion an der Urne abstimmen können. Die Gespräche sind inzwischen in vollem Gang. Nach einem Kennenlern-Meeting im Frühsommer trafen sich nun die verschiedenen Arbeitsgruppen zum ersten Austausch.

Einer der brennendsten Punkte dabei: Auf welchen Namen würde die neue Gemeinde entlang des Rheins getauft werden – und wie sähe das entsprechende Wappen aus? Diese Frage wird in den Dörfern bereits heiss diskutiert. «Name und Wappen treiben die Menschen unserer Region um. Überall, wo ich auf das Projekt Rheintal plus zu sprechen komme, spüre ich Ängste in Bezug auf den damit einhergehenden Identitätsverlust», sagt Irene Keller aus Böbikon, die der betreffenden Arbeitsgruppe angehört.

Die Emotionen sind das eine. Dass Gemeinden einen neuen Namen erhalten, gibt es aber bindende Vorgaben. Das Bundesamt für Landestopografie, das Bundesamt für Verkehr und das Bundesamt für Statistik geben entsprechende Empfehlungen heraus: 1.) Verwendung eines bisherigen Namens 2.) Kombination aus den bisherigen Name oder 3.) Wahl eines neuen Gemeindenamens.

Angst vor Verlust der Identität

Beim einstigen Zusammenschlussprojekt «Klingnau-Döttingen», das 2013 gescheitert war, wurde der Name «Aarestadt» beim Bund zur Vorprüfung unterbreitet. Wäre es zur Fusion gekommen, wäre er nicht akzeptiert worden, da offiziell Thun auch eine Aarestadt ist. Der Kanton Aargau wiederum erlässt keine eigenen Empfehlungen zur Namensgebung. «Im Falle des Zurzibieter Projekts würde aber wohl Rheintal im Gemeindenamen nicht akzeptiert werden, da es das St. Galler Rheintal gibt», sagt Yvonne Reichlin-Zobrist, Leiterin Gemeindeabteilung vom zuständigen Departement Volkswirtschaft und Inneres.

Was Namen und Wappen für das Zurzibieter Rheintalprojekt bedeuten, erklärt der Heraldiker Rolf Kälin: «Es gibt zwei mögliche Szenarien», so der Experte. Anbieten würde sich einerseits, den Namen und das Wappen der grössten am Projekt beteiligten Gemeinde zu übernehmen, also Bad Zurzach, oder dann einen komplett neuen Namen als auch ein neues Wappen nach heraldischen Richtlinien zu erschaffen. Der erste Vorschlag dürfte bei den kleineren Gemeinden Unbehagen auslösen. Sie haben mehrfach angetönt, dass sie beim Verlust des Namens um ihre Eigenständigkeit fürchten und an Einfluss einbüssen könnten.

Der Projektleiter von Rheintal plus, Jean-Claude Kleiner, versucht solche Bedenken zu entkräften. «Bei einer allfälligen Gemeindefusion würden die Ortsnamen der zehn Projektgemeinden samt Postleitzahlen und Strassenbezeichnungen erhalten bleiben.» Der neue Gemeindename würde bei den Ortstafeln am unteren Rand klein geschrieben.

«Mellikon (Gemeinde Tenedo)»

Einen ersten Vorschlag hat die zuständige Arbeitsgruppe mittlerweile erarbeitet. In Anlehnung an die keltische und lateinische Namensgebung der Region Zurzach könnte künftig auf den Ortstafeln der Name Tenedo stehen.

Jean-Claude Kleiner weist darauf hin, dass am Ende die Bevölkerung das letzte Wort haben werde. Er kennt aus eigener Erfahrung, dass vorgeschlagene Namen spät umgestossen werden können. Im Kanton Glarus, dem grössten Projekt, das Kleiner begleitet hat, schlossen sich vor sechs Jahren 25 Gemeinden zu drei Grossgemeinden zusammen. Ursprünglich waren dort für Glarus Nord der Name Linth vorgesehen, für Glarus Süd, Schwanden.