Lengnau

Die «Schmitte»-Metzg wurde zum zweiten Mal versteigert – gewonnen hat wieder der gleiche Bieter

Die frühere Metzg in Lengnau wurde erneut versteigert.

Die frühere Metzg in Lengnau wurde erneut versteigert.

Der neuer Besitzer der Lengnauer Metzgerei blätterte nach der konkursamtlichen Liegenschaftsversteigerung 52 violette Noten aus einem Einkaufskorb hin. Er plant eine Wurst-Fabrik aufzubauen. Hingegen ist der Traum einer unterlegenen Bieterin geplatzt.

Vor mehr als zehn Jahren schloss die Metzgerei in Lengnau ihre Pforten. Seither steht das Lokal im Zentrum «Schmitte» leer – ein trostloser Anblick für die Kunden des benachbarten gut frequentierten Volg und der vorgelagerten Pizzeria. Am Mittwoch hat nun aber die Stunde der Wahrheit geschlagen, ob die ehemalige Metzg – in welcher Form auch immer – wieder belebt wird.

Nachmittags um 15.30 Uhr führte das Konkursamt Aargau im Bezirksgericht Brugg die Liegenschaftssteigerung durch vom «Ladenlokal mit verschiedenen Räumen im Erd- sowie Lagerräumen im Untergeschoss – konkursamtliche Schatzung 200'000 Franken». Das Konkursamt Altstetten-Zürich hatte, betreffend den «Konkurs der Café Monti AG in Zürich» den Aargau um Rechtshilfe gebeten.

Dies, weil Efrem Demont, ein in verschiedenen Bereichen tätiger Geschäftsmann, unter anderem Verwaltungsrat mit Einzelunterschrift der Café Monti AG, die Lokalität in der Schmitte im vergangenen Januar ersteigert hatte – zumindest theoretisch. Praktisch hatte Demont damals für 80'000 Franken den Zuschlag bekommen und unverzüglich die erforderliche Anzahlung von 33'000 Franken geleistet. Praktisch jedoch war die Restzahlung von 47'000 Franken nicht erfolgt. Und so kam es am Mittwoch zu einer «neuen Steigerung infolge Zahlungsverzugs des Ersteigerers».

Der neue Besitzer ersteigerte die Metzg zum zweiten Mal

Über den Brugger Gerichtssaal verteilt nahmen – coronakonform – acht Leute Platz. Statt Richter und Schreiber sassen vorne leicht erhöht die Konkursbeamten Christoph Fuhrer und Roland Laube. Auf ausführliche Informationen zum Prozedere folgte der Startschuss für die Bietenden und schon ertönte aus dem Mund einer jüngeren Frau die Zahl 10'000 gefolgt von ihren Personalien «Bärtsch aus Lengnau». Sogleich folgte von einem stattlichen Mann, «Meier aus Freienwil», die Zahl 20'000. Bärtsch erhöhte auf 20'000, Meier – ruckzuck – auf 50'000.

Mit 55'000 gab der Vertreter einer Firma aus Rothrist ein einziges Gebot ab, auf das blitzschnell ein 60'000 des Freienwilers Meier ertönte. Nach 62'000 der Lengnauerin Bärtsch, überboten mit 65'000 von Meier, griff plötzlich Demont aus Schöfflinsdorf mit 70'000 ins Geschehen ein. Meier stieg aus, Bärtsch legte noch einen Tausender drauf, Demont erhöhte auf 80'000. «80'000 zum Ersten», zählte langsam der Konkursbeamte Fuhrer, rasch erhöhte Bärtsch nochmals um einen Tausender. Ohne Zögern erhöhte Demont erneut. Mit getragener Stimme beendete Christoph Fuhrer den Krimi: «85'000 zum Ersten... zum Zweiten... und zum Dritten.»

Efrem Demont, der Erstersteigner der Liegenschaft in der «Schmitte», erhielt zum zweiten Mal den Zuschlag. Doch anders als beim ersten Mal, als er den Preis auch nach Monaten nicht fristgerecht bezahlt hatte, schritt er dieses Mal mit einem Einkaufskorb zu den Konkursbeamten und übergab ihnen drei schwarze Stofftäschchen. Diesen entnahmen die Beamten bündelweise lilafarbene Schweizer Bank-Noten – insgesamt 52 Stück – womit Demont nunmehr «uf ein Chlapf» die Liegenschaft «Grundbuch Lengnau 540-3» erworben hatte. Er habe, tat Demont kund, schon konkrete Interessenten, gibt aber nur so viel preis: «In der Schmitte werden künftig im grossen Stil Würste produziert werden.»

Bitter enttäuscht und wütend auf Demont blieb Cornelia Bärtsch zurück, die in Lengnau aufwuchs und lebt. Ein Traum der gelernten Konditorin/Confiseurin ist geplatzt: «Ich wollte in der alten Metzg eine kleine, feine Boutique mit originellen Geschenkideen und selbst gemachten Süssigkeiten einrichten.»

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