Lengnau

Die Sanierung der «Krone» wurde massiv teurer

Bereits bei der Einweihung der «Krone» im Dezember 2013 war klar, dass die Kosten überschritten werden. Im Bild, v. l.: Die Gemeinderätinnen Susanne Holthuizen und Hanni Jetzer, der damalige Ammann Kurt Schmid, Architekt Peter Schillig, Wirt Marco Gübeli und der damalige Vizeammann und heutige Ammann Franz Bertschi. (AZ-Archiv)

Bereits bei der Einweihung der «Krone» im Dezember 2013 war klar, dass die Kosten überschritten werden. Im Bild, v. l.: Die Gemeinderätinnen Susanne Holthuizen und Hanni Jetzer, der damalige Ammann Kurt Schmid, Architekt Peter Schillig, Wirt Marco Gübeli und der damalige Vizeammann und heutige Ammann Franz Bertschi. (AZ-Archiv)

Die Lengnauer Exekutive muss an der Gmeind eine Kostenüberschreitung von über einem Drittel präsentieren. Auch wenn der Gemeinderat schon vor einigen Monaten über zusätzliche Kosten informierte, sagt Ammann Franz Bertschi, dass die Überschreitung dem Gemeinderat «sehr unangenehm» sei.

Für den Gemeinderat Lengnau wird die Abrechnung für die Sanierung des gemeindeeigenen Restaurants Krone zu einem «Gang nach Canossa». Damit wird im übertragenen Sinn ein erniedrigender Bittgang bezeichnet. Der Gemeinderat muss darauf hoffen, dass die Stimmberechtigten die Abrechnung trotz der saftigen Kostenüberschreitung von über einem Drittel gutheissen. Allerdings muss er sich darauf einstellen, dass die eine oder andere unangenehme Frage gestellt wird.

An der Sommergemeindeversammlung 2013 hatte die Gemeindeversammlung einen Kredit von 360 000 Franken gesprochen, um die letzte echte Dorfbeiz im Zentrum zu sanieren. Nach einer Umbauzeit von nur sieben Wochen konnte die sanierte «Krone» im Dezember eingeweiht werden.

Der Freude über die Eröffnung folgte die ernüchternde Erkenntnis, dass der Kostenrahmen nie und nimmer eingehalten werden kann. In der Januar-Ausgabe des «Surbtaler» informierte der Gemeinderat, dass mit Mehrkosten von 80 000 Franken gerechnet werden müsse. Beim Umbau sei – wie in alten Gebäuden üblich – nicht alles planmässig verlaufen. «Während der Umbauzeit sind verschiedene Details zum Vorschein gekommen, die bei der ersten Besichtigung des Gebäudes nicht erkennbar waren», erklärte der Gemeinderat vor 9 Monaten im Mitteilungsblatt der drei Surbtaler Gemeinden.

Als Beispiele nannte er statische Probleme bei der Decke, Holzbalken, die neu abgestützt werden mussten, den Ersatz alter Elektroleitungen sowie gebogene Eisenbahnschienen, die angepasst und erweitert werden mussten. Weitere kostentreibende Faktoren waren gemäss den Erklärungen des Gemeinderats defekte Fenstergewände, rostige Wasserleitungen, eine defekte Fassade sowie der Gesamtumbau der WC-Anlagen.

Doch dann kams noch dicker: Nach der Eröffnung des Restaurants hätten sich die Reklamationen wegen des Lärms gehäuft, was den Einbau eines Schallschutzsystems für 10 000 Franken notwenig machte, rechtfertigt der Gemeinderat den erneuten Kostenanstieg im Traktandenbericht zur Gemeindeversammlung vom 21. November. Hinzu seien zusätzliche Kosten von 2000 Franken für den Bauphysiker gekommen und als Folge der steigenden Baukosten habe sich auch das Honorar für den Architekten von 30 000 auf 46 000 Franken erhöht. Ausserdem seien einige weitere Arbeiten angefallen, die zwingend hätten ausgeführt werden müssen, rechtfertigt sich der Gemeinderat. Unter dem Strich muss er dem Souverän eine Abrechnung mit einer Kostenüberschreitung von 125 304 Franken präsentieren.

Zerknirschter Gemeinderat

«Die Kostenüberschreitung ist uns sehr unangenehm», sagt Gemeindeammann Franz Bertschi. «Zu unserer Entlastung können wir anführen, dass vieles sehr schnell entschieden werden musste, was nicht unwesentlich dazu beitrug, dass die Kosten aus dem Ruder liefen.» Bertschi weist darauf hin, dass Arbeiten ausgeführt werden mussten, die als normale Unterhaltsarbeiten abgebucht werden müssten.

Gerüchten, der Gemeinderat habe in der «Krone» unnötigerweise einen Pizzaofen einbauen lassen und eine Designer-Beleuchtung installieren lassen, weist Bertschi entschieden zurück: «Der Pizzaofen ist vollumfänglich vom Wirt bezahlt worden und an den Kosten für die Neuorganisation des rückwärtigen Bereichs (Spülbecken) hat er sich finanziell beteiligt.» Die Beleuchtung sei so ausgewählt worden, dass sie ins Konzept passe, sagt Bertschi. Von überteuerten Designer-Lampen könne keine Rede sein.

Gemeindeversammlung,

21. November, Mehrzweckhalle Rietwise

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1