Die Schweinchen wissen genau, was jetzt kommt: Alfred Vogt öffnet die Zwischentüre, die Tiere suchen sich den erstbesten freien Platz in der Startbox. Sobald die Klappe fällt, gehts im gestreckten Galopp über die Trainingsrundstrecke zum Futtertrog. Zur Belohnung erhalten die Tiere zusätzlich Apfelstücke, die sie besonders gerne verschlingen.

«Überwältigendes Echo»

Alfred Vogt, der auf seinem Hof ständig rund 100 Schweine in Freilandhaltung betreut, hat vor acht Jahren anlässlich eines Hoffestes sein erstes Säulirennen durchgeführt. «Das Publikumsecho war derart überwältigend, dass wir entschieden haben, die Säulirennen als Nischenangebot unseres Hofes weiterzuentwickeln.» Im Laufe der Jahre hat er die Startboxen perfektioniert, und im Frühling und im Spätsommer beziehungsweise Herbst ist er an verschiedensten Festen in der Schweiz im Einsatz.

Säuli sind neugierig und clever

Die Ferkel kommen jeweils im Alter von zehn Wochen vom Züchter auf den Bronnehof. «Ich wähle jeweils nach Farbe, Postur oder ganz einfach spontan nach Sympathie jene Tiere aus, die ich für die nächste Rennequipe ausbilden will», sagt Vogt. Die Rennsäuli kommen vorerst nicht auf die Weide, sondern in die Freilaufanlage mit dem Trainingsparcours hinter dem Bauernhof. «Ferkel sind neugierig und verspielt, fast wie kleine Kinder», sagt Vogt. «Sie sind aber auch clever und kapieren schon nach wenigen Tagen, wie es geht.» Das Ritual mit Marschmusik, Trainingslauf und anschliessender Fütterung findet zweimal täglich am Morgen und Abend statt. Es entspricht dem Rhythmus der Hauptfütterung, wie er auch auf der Weide praktiziert wird.

Rennstallbesitzer Vogt ist aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung überzeugt, dass er seine Tiere nicht zu etwas zwingt, das ihnen zuwider ist: «Sie machen das gerne und es ist Teil ihres natürlichen Bewegungstriebes». Nach rund einmonatiger Trainingsphase sind die Säuli im Alter von etwa 14 Wochen bereit für den ersten Auftritt an einem Fest. «Sie gewöhnen sich schnell an die Leute, werden zahm und lassen sich nach einem Rennen problemlos von Kindern wieder zurück ins Startfeld führen».

Erreichen die Säuli das Alter von 18 Wochen, werden sie langsam zu schwerfällig für die Rennen. Sie werden «ausgemustert» und verbringen den nächsten Lebensabschnitt wieder mit ihren früheren Gspänli auf der Wiese. Dass regelmässiger Sport fit und gesund hält, sieht man auch auf der Weide: «Man sieht sofort, welches Tier ein Rennsäuli gewesen ist», sagt Alfred Vogt. «Bezüglich Gewicht haben sie längst nicht so viel zugelegt wie ihre Artgenossen.» Vogt erkennt seine ehemaligen Rennsäuli aber auch an einem anderen Verhalten: «Sie erinnern sich auch nach der Rennsaison immer an mich, und sobald ich auf der Weide auftauche, laufen sie mir nach wie Hündchen.»

Sieben Säuli in Tegerfelden

Mit den Säulirennen am Wysonntig in Tegerfelden schliesst Alfred Vogt die diesjährigen Einsätze ab. Er nimmt sieben Tiere mit, ein gefleckter Wurf, dessen Vater ein französischer Duroc-Eber ist. Jeweils fünf Tiere kommen an einem Rennen zum Einsatz, die restlichen zwei sind «Ersatzspieler», falls sich eines der eingesetzten Säuli nicht ganz so fit fühlt.

Zwischen den einzelnen Rennen sorgen mehrstündige Pausen dafür, dass sich die Tiere ausgiebig erholen können. «Ich will sie nicht überfordern und sie haben es verdient, nach dem Sprint über 20 bis 30 Meter auch wieder im Stroh liegen zu dürfen.»