13.30 Uhr, Lagebesprechung – Der «Knastbruder» und der «Feuerwehrmann» beraten das weitere Vorgehen: Kommen sie von der Turnhalle? Oder doch von der Wiese? Einige Altersgenossen des Duos versuchen, sich in der Baumkrone einzurichten. Keine gute Idee, findet das «Leoparden-Mädchen»: «Die klettern sicher rauf!» Und überhaupt, das seien ja Profis, auf deren Eintreffen man im Schulzentrum von Klingnau wartet, kommentiert der «Feuerwehrmann»: «Die rennen zwei Stunden und werden nicht müde, stell dir das mal vor!»

Still sitzen mag keiner, denn jederzeit könnten «s' Brieggerli» und «s' Lächerli» eintreffen. Und tatsächlich, sobald die beiden «Räbehegel» das erste Schulgebäude stürmen, ist auch den Kindern und Jugendlichen in den anderen Klassen bewusst, dass sie gleich rennen müssen.

Der Startschuss zur Fasnacht und «Befreiungsaktion» vom Unterricht verlangt den Schülern in Klingnau nämlich einiges ab. Ins Städtli sollen sie rennen, und wenn sie nicht spuren, knallt die Peitsche.

Antwort mit der Peitsche

Schule für Schule, Klassenzimmer für Klassenzimmer, jagen die «Räbehegel» die Kinder ins Freie und anschliessend kollektiv ins Städtli. Einige ältere Schüler, im Vergleich zu den jüngeren meist unverkleidet, lassen sich von dem Narren-Duo ungern rumkommandieren. Provokant bleiben sie stehen und fragen, ob sie die Peitsche doch wenigstens einmal auch benutzen dürfen.

Die «Räbehegel» antworten mit der Peitsche. Das kann wehtun, sei für die Kinder aber nicht gefährlich, erklärt César «s' Brieggerli» Roth, der mit Bruder Lukas zusammen seit Jahren zum Fasnachtsauftakt die Maske aufsetzt und Kinder jagt.

«Für uns ist das gefährlicher als für die Kinder», erklärt Roth. In der Vergangenheit hat er schon blutige Ohren und aufgeplatzte Haut davon getragen. Im Städtli bieten sich nämlich den Schaulustigen (und davon hat es an diesem sonnigen Schmutzigen Donnerstag viele) strassenschlacht-ähnliche Zustände: Die Kinder bewaffnen sich mit Chabisstorzen und schleudern die Geschosse auf ihre Jäger, versuchen die aufgemalten Zielscheiben auf deren Rücken zu treffen.

Warum tun er und sein Bruder sich das Jahr für Jahr an? «Damit die Kinder nicht zur Schule müssen», sagt er und lacht. Weiter erzählt er, dass die Show ein traditioneller Brauch sei, der noch immer Freude bereite und den er gerne weiterträgt. So hat er die Konfrontation mit den «Räbehegel» als Kind selbst schon erlebt. «Als ich älter war, habe ich mich auch nah herangetraut und das ein oder andere mal eingesteckt.»

Auch dieses Mal wiederholt sich das Bild – die Jugendlichen provozieren und lassen sich von einem Ende der Stadt zum anderen jagen, die jüngeren Kinder kommentieren das Geschehen altklug: «Die machen nichts, wenn man ihnen nichts macht.»

Tatsächlich, am Ende ist das Katz-und-Maus-Spiel für die Kinder gar lohnenswert. Nach der Jagd nämlich dürfen sie beim «Süssigkeiten Schreien» lautstark nach Naschwerk betteln und bekommen von den vormaligen Peinigern Würste. Einer der Jünglinge fasst bereits seinen Plan fürs kommende Jahr: «Ich verkleide mich als Baby, dann peitschen sie mich nicht.»