Familie Roth – Käthi, Rolf und Tochter Sabine – hatten tolle Ferien auf Ibiza verbracht und nette Bekanntschaft mit den Geissbergers – notabene Landsleuten – gemacht.

Beim Abschied hatte Käthi gesagt, was man in solchen Momenten halt so sagt: «Lueged emol verbi».

Doch, oh je, so eine reine Höflichkeitsfloskel kann sich unverhofft in ein wahres Trauma verwandeln, was die Roths hautnah erleben und erdulden müssen. So, wie Goethes Zauberlehrling «Die Geister, die ich rief . . .» bitter beklagt, so verfluchen die Roths schon bald die Quälgeister, die sie mit nur gerade drei Worten riefen.

Denn die Geissbergers – Rosmarie, Markus und Sohnemann Kevin, inklusiv Hamster Felix – schauen eines schönen Sommertages nicht einfach nur bei den Roths vorbei. Sie fallen buchstäblich über sie her.

Während Rolf über die sich total kurzfristig ankündigenden Ruhestörer flucht, beginnt Käthi, ganz perfekte Hausfrau, unverzüglich gewaltig zu rotieren, um die Gäste würdig zu empfangen.

So richtig aus dem Leben gegriffen

Gäste ist – wie sich rasch herausstellt – allerdings keine adäquate Bezeichnung, Schmarotzer hingegen schon. Denn die Geissberger okkupieren die Roth’sche Wohnung, kommandieren herum, lassen sich von vorn bis hinten bedienen. Es dauert lange, bis den Roths die Galle überläuft und sie Gegenmassnahmen ergreifen. Bis es so weit ist, zerrt nebst dem stinkenden Hamster Felix auch noch Monika, die Nachbarin der Roths, an deren Nerven . . .

Mit «Lueged emol verbii», der ins Schweizerdeutsche übertragenen Komödie aus der Feder der Bayerin Ulla Kling, landet die Kirchspieler Freizeitbühne 87 einmal mehr einen Hit:

Der Plot ist so richtig aus dem Leben gegriffen, was zur Folge hat, dass man sich als Zuschauer streckenweise gar nicht im Theater wähnt, sondern mitten drin im turbulenten Geschehen.

Aber glücklicherweise ist man ja doch Beobachter und kann, während die Roths vor Verzweiflung fast zum Weinen gebracht werden, so richtig herzhaft lachen über die urkomischen Situationen mit ebenso überraschenden, wie trefflichen Pointen gespickten Dialoge.

Viel komödiantisches Talent

Kurzum: Man amüsiert sich königlich über das Stück, aber nicht weniger über die einfalls- und temporeiche Inszenierung von Markus Schmid sowie die Spiellust aller Darstellerinnen und Darsteller. In einem wunderhübschen Bühnenbild agieren mit viel komödiantischen Talent Claudia Brutschi, Ruedi und Mirjam Emmenegger als Familie Roth sowie Irène Vögeli, Nejat Emek und Benjamin Moser als deren «Alptraum», Familie Geissberger. Temperamentvoll und köstlich verhelfen Vreni Knecht als Nachbarin und Giorgio Sebastiani als Helfer in der Not mit ihren Intermezzi dem vergnüglichen Chaos zu zusätzlichen Höhenflügen.

Da bleibt, als logische Folge, nur die Empfehlung an die Leserschaft: «Lueged emol verbii» in der Mehrzweckhalle Leuggern: Es lohnt sich!

Weitere Vorstellungen am 28. Und 29. März, sowie am 4. Und 5. April.