Nach knapp 30 erfolgreichen Jahren im Spitzensport, unter anderem 62 Schweizer Meistertiteln, 23 Weltcup-Siegen und eben Olympia-Silber beendete die Bruggerin Sabine Eichenberger vergangenes Jahr nach der Heim-WM ihre Kanu- und Kajak-Karriere. Mit dieser Entscheidung reifte bei der mittlerweile 50-Jährigen auch der Wunsch nach beruflicher Weiterentwicklung: Ab kommendem Mai wird sie als Finanzverwalterin zur Gemeinde Böttstein wechseln.

Seit zehn Jahren bereits ist sie in dieser Position in Riniken angestellt. Die Gemeinde hat halb so viele Einwohner wie Böttstein. «Schon länger wollte ich wieder zurück zu einer grösseren Gemeinde. Es war sicher keine Entscheidung von gestern auf heute», sagt Eichenberger. Die Arbeit in der Finanzverwaltung grösserer Gemeinden kennt sie bereits, da sie zwölf Jahre in Brugg Sachbearbeiterin war. Nach der Weiterbildung zur Leiterin brachte sie der Wunsch nach einer abteilungsleitenden Position nach Riniken – damals hatte sie erstmals ihren Abschied vom Spitzensport angekündigt.

Mit dem definitiven Karriereabschied wurde der Wunsch nach einem erneuten beruflichen Tapetenwechsel grösser: «Der Zeitpunkt hat nun einfach für mich gestimmt. Ich habe mein Leben neu geordnet und das hat jetzt den Ausschlag für die Entscheidung gegeben.» Ihr Arbeitsfeld in der Rechnungsführung wird in etwa dasselbe bleiben — Finanzen seien eben Finanzen, und doch sei jede Gemeinde anders, findet die 50-Jährige. 

In einer grösseren Gemeinde wie Böttstein übernimmt ein Finanzleiter allerdings noch mehr strategische Beratungsaufgaben für den Gemeinderat. Eichenberger: «Sicher fallen in einer mehr als doppelt so grossen Gemeinde mehr Aufgaben an. Die erhöhte Verantwortung ist für mich eine neue Herausforderung.» Durch die Leitung der Finanzabteilung wird sie in Böttstein zudem in die Geschäftsleitung integriert sein.

Während ihrer Kanu-Karriere ging sie jeden Abend ins Training. Gerade während der Saison habe es privat und beruflich Bereiche gegeben, die neben dem Sport deshalb zu kurz kamen. «Dass ich nun mal einen ganzen Abend für mich habe, tut gut», sagt die Bruggerin.

Zwar sei es nun für sie «ruhiger» geworden, ganz auf den sportlichen Ausgleich zum Tag im Büro will sie allerdings nicht verzichten. «Ich bin nach wie vor viel auf dem Wasser. Nach 30 Jahren Profisport sollte man nicht direkt von hundert auf null runterfahren, das tut auch dem Körper nicht gut», erklärt sie.

Zusätzlich zur Abteilungsleitung in Riniken beziehungsweise ab Mai in Böttstein bleibt Sabine Eichenberger Mitglied im Kantonalvorstand des Berufsverband Finanzfachleute Aargauer Gemeinden.