Als Referent Adrian Eicher die versammelten Gemeindeammänner des Zurzibiets kürzlich fragte, ob ihre Verwaltungen Facebook nutzten, gingen nur sehr wenige Daumen nach oben. Bei seinem Vortrag ging es um modernes Verwaltungsmanagement. Eicher von der Firma CM Informatik nennt die Kommunikation mit der Bevölkerung via soziale Medien «kollaboratives Zusammenarbeiten». Die Leute können mitreden, mitbestimmen, sich austauschen.

Die Möglichkeit wird im Zurzibiet, wie eine Umfrage bei den Gemeinden zeigt, nur sehr sparsam genutzt. Vorbildlich ist Leibstadt mit dem Facebook-Profil «Gemeinde Leibstadt». Da sind Bilder vom Senioren-Ausflug zu sehen, die Bewohner werden vor Einbrechern gewarnt und Behördenmitgliedern wird zum Geburtstag gratuliert. Man mag vom täglichen Meinungssenf in den sozialen Medien halten, was man will: Das Leibstadter Profil versprüht jedenfalls Charme.

Jüngere Klientel ansprechen

«Um als Standort attraktiv zu bleiben, nutzen wir Social Media. Die Facebook-Seite ist für uns eine innovative und kostengünstige Lösung, den Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern zu pflegen», sagt Gemeindeschreiber Peter Keller und fügt an: «Die Kommunikation zwischen der Gemeinde und den Einwohnern spielt eine wichtige Rolle. Hier können wir teilweise auch eine jüngere Klientel ansprechen. Zudem können wir Nachrichten oder Ereignisse auf diesem Kanal schnell verbreiten.»

Ähnlich tönt das Urteil des Riniker Kommunikationsexperten Bruno Hofer: «Eine Gemeinde kommt mit einer Facebook-Seite bürgerfreundlicher rüber. Das ist ein Vorteil im Standortmarketing.» Die Leibstadter Facebook-Seite hat immerhin 258 Likes.

Auch Rekingen, obwohl in den Gemeindeverband «Verwaltung 2000» angeschlossen, betreibt es eine eigene Facebook-Seite (Gemeinderat Rekingen). «Im Vorfeld gab es einige Bedenken. Was darf gepostet werden und was nicht», sagt Gemeinderat Toni Schüpbach. Rekingen postet vorwiegend Voranzeigen für Anlässe oder im Anschluss kurze Berichte mit Fotos. «Ziel ist», sagt Schüpbach, «modern aufzutreten und auch die Jüngeren in der Gemeinde zu erreichen. Im Moment wird die Seite jedoch eher von älteren Bürgern besucht und gelikt.» Schüpbach persönlich betreut die Seite als Administrator und hofft, den einen oder anderen dazu zu bringen, sich aktiv am Dorfleben zu beteiligen.

Auch wenn nur sehr wenige Gemeinden Facebook nutzen, so war es doch vielerorts schon ein Thema. «Der Facebook-Account einer Gemeinde bedingt, dass dieser auch bewirtschaftet und mit Neuigkeiten versehen wird. Hierfür verfügt die Gemeinde nicht über genügend Ressourcen», heisst es, stellvertretend für viele Gemeinden, aus Fisibach.

Einen eigenen Weg geht Endingen: Neben der Homepage hat man sich für eine App «Gemeinde Endingen» entschieden und verschickt praktisch wöchentlich News-Meldungen und auch Push-Mitteilung. In einigen Gemeinden beschäftigt man sich in diesen Tagen mit Facebook. «Es wird ein Thema an der nächsten Klausurtagung», heisst es aus Würenlingen. Und Tegerfelden meldet: «Wir werden im November eine Veranstaltung ‹Social Media wirkungsvoll nutzen› besuchen. Gut möglich, dass wir danach einen Account eröffnen.»