Der Spieler steht mitten in Koblenz, ein älterer Herr kommt auf ihn zu, lädt ihn ein, sich sein Atelier anzusehen. Plötzlich findet sich der Spieler in einer Wohnung in der Hinterdorfstrasse wieder. Dort erzählt ihm der ältere Herr, welche Kunst er ausübt und was diese für ihn bedeutet. Wenn sich der Spieler einiges davon merken kann, sammelt er Punkte und steigt ein Level auf. Weiter gehts – es gilt das Dorf zu entdecken und die Künstler kennen zu lernen. Das ist das Kulturnacht-Spiel.

Kein Künstler, ein Kunstvermittler

Der Autor dieses PC-Spiels ist Jean-Daniel Cordonnier. Der 40-Jährige wohnt zusammen mit seiner Frau Caroline Etesse in einem ehemaligen Bürogebäude in Koblenz. Dort haben sie auch je ein Atelier – beide sind künstlerisch aktiv. Cordonnier hat fünf Jahre an der Zürcher Fachhochschule studiert und mit einem «Bachelor of Arts» abgeschlossen. Als Künstler bezeichnet sich der gebürtige Walliser trotzdem nicht: «Ich sehe mich als Kunstvermittler», sagt er mit seinem leichten, charmanten französischen Akzent.

Mit dem Kulturnacht-Spiel will er nicht nur Kunst vermitteln, sondern auch Künstler. «Es war mir wichtig, die Künstler zu unterstützen. Mit dem Spiel möchte ich auch junge Menschen animieren, sich für die Kulturnacht zu interessieren und sie zu besuchen», sagt Cordonnier. Schön fände er es auch, wenn sein «Pionier-Projekt» Nachahmer finden würde. Dass er für dieses für die Kulturnacht designt hat, ist allerdings dem Zufall zu verdanken: Zunächst meldete sich Cordonnier als Mitglied der Kulturkommission, die die Kulturnacht in Koblenz organisiert, ohne genau zu wissen, was ihn dort erwartet. Nach einigen Sitzungen war sein Interesse geweckt und er beschloss, zum administrativen auch einen künstlerischen Beitrag zu leisten: eben das Kulturnacht-Spiel.

«Es war viel Arbeit», sagt Cordonnier, «aber es war sehr spannend und hat grossen Spass gemacht.» Um das Spiel möglichst authentisch zu gestalten, hat er die Künstler besucht. Oft war er einen halben Tag dort, hat gezeichnet und beobachtet. Die Kulisse des Spiels, das Dorf Koblenz, hat er mittels «Google-Maps» gestaltet. Zusätzlich zum Spiel designte Cordonnier zusammen mit seiner Frau Caroline auch den Flyer der Kulturnacht Koblenz. «Ich freue mich sehr auf die Kulturnacht», sagt Cordonnier. Dort werden unter anderem zwei Beamer aufgestellt sein, Cordonniers Spiel kann so auf einer grossen Leinwand gespielt werden.

Kunst, Handwerk und eine Taufe

Insgesamt acht Künstler stellen in Koblenz im Rahmen der Kulturnacht ihre Werke aus. Bilder, Tiere aus Filz, Vasen, Taschen-Design, ein Schmied bei der Arbeit – den Besuchern wird einiges geboten. Am Samstag zwischen 16 bis 1Uhr nachts stellen die Künstler im Lokdepot ihre Stücke aus oder sind beim Fertigen ihrer Werke zu sehen. Für die Kinder hält Anna Nina Christen in einem Eisenbahnwagen Märchenstunden. Am Zollplatz, den die Besucher wie auch das Lokdepot mit den kostenlosen Shuttlebussen erreichen können, stellt das Fotostudio «frechebilder.ch» seine Fotografien aus. Ausserdem werden Gratisfahrten mit einer Dampflok nach Leibstadt angeboten.

Apropos: Auf dem Programm steht am Samstag eine Taufe mit bekannten «Götti» und «Gotten»: Benedict Weibel, ehemaliger CEO der SBB, und Patricia Schreiber-Rebmann taufen einen Triebwagen auf den Namen «Koblenz». Dieser Wagen wird vom Draisinenverein Fricktal für Ausfahrten genutzt. Der Festakt wird von einem Bläsertrio des Aargauer Symphonie-Orchesters umrahmt.

In Koblenz dauert die Kulturnacht länger als andernorts: das gesamte Programm findet auch am Sonntag zwischen 11 und 16 Uhr statt. Wer nicht nur den Triebwagen bewundern, sondern auch selbst ein spezielles Fahrerlebnis haben möchte, kann am Sonntag eine Dampffahrt nach Stein-Säckingen unternehmen.