Tag der Insekten

Die Insektenvielfalt in der Schweiz hat stark abgenommen – was kann man dagegen tun?

Schüler und Kindergärtler legen in der Buchselhalde Hand an.

Ein Rundgang in der Aushubdeponie Buchselhalde zeigt wie man Amphibien, Insekten und seltenen Pflanzen helfen kann.

«Aus unserer Deponie ist ein botanischer Garten geworden», sagte der Döttinger Unternehmer Markus Birchmeier, als er am Donnerstagabend Behördenvertreter und Institutionen zum Rundgang in der Kiesgrube Buchselhalde zwischen Döttingen und Tegerfelden begrüsste.

Blauflügelige Ödlandschrecke, Behaarte Karde, Weisse Heideschnecke – Namen, die aus dem Vokabular Normalsterblicher verschwunden sind – haben in der Deponie ihren Lebensraum gefunden, ebenso die Kreuzkröte und die Gelbbauchunke, der Laubfrosch oder der Bergmolch.

Bereits am Morgen des schweizweiten Tages der Insekten hatten Schüler und Kindergartenkinder die Natur erkundet und selber Steine zu Haufen und Trockenmauern geschichtet oder Totempfähle aufgerichtet.

Aber nicht um «Indianerlis» zu spielen. Das stehende Totholz bietet Käfern Nahrung und Lebensraum. «Es sind solche kleine Massnahmen, mit denen Amphibien und Insekten gefördert werden können», betonte Matthias Betsche, Präsident von Pro Natura Aargau.

Den Insekten geht es schlecht

«Es geht den Insekten schlecht», erklärte Beat Haller, «und es wäre sehr einfach sie zu fördern.» Im Schweizerischen Kies- und Betonverband ist Haller Leiter Natur und Boden. Er begleitet Unternehmer bei der Umsetzung von Naturprojekten, um sie zu überzeugen, dass Kiesabbau und Deponie eine Chance darstellen, eine Chance insbesondere für Amphibien, Insekten und seltene Pflanzen.

«Solch kiesigen Ruderalflächen wie in der Buchselhalde sind enorm wichtig», sagte er und reichte im Glas eine Kaulquappe der Kreuzkröte herum, die er aus einem Tümpel gefischt hatte. «Kreuzkröten brauchen die Dynamik einer Deponie, die bewirtschaftet wird», unterstrich Matthias Betsche.

Abstimmung im November

Die Buchselhalde ist über den Bach aus dem Sänneloch gut vernetzt mit der Surb, entlang der später auf einer Strecke von 600 Metern neue Ökoflächen geschaffen werden sollen. 15 Prozent des Auffüllperimeters sollen der Natur überlassen bleiben, der Rest wird der Landwirtschaft zur Verfügung stehen.

Die Natur schreibt in der Buchselhalde das eine Kapitel, das andere schreibt die Politik. Die Erweiterung der Aushubdeponie ist in der Gemeinde Tegerfelden sehr umstritten. Im Juni stimmte die Gemeindeversammlung nur knapp der Nutzungsplanänderung und der Teiländerung der BNO zu.

Im November kommt es zur neuerlichen Ausmarchung an der Urne, nachdem gegen den Gemeindeversammlungsbeschluss das Referendum ergriffen worden war.
«Wir sind uns durchaus bewusst, dass Kiesgrube und Deponie Eingriffe in Natur und Landschaft sind», sagt Markus Birchmeier.

Die Auffüllung mit Aushub- und Ausbruchmaterial erfolge aber nach strengen Vorgaben des Kantons und der Umweltverbände. Birchmeier: «Wir machen mehr als wir müssten.»

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