«Schlüssel habe ich noch keinen», meint Alois W. Hassler von der Historischen Vereinigung des Bezirks Zurzach wie entschuldigend. Das mit löchrig gewordenem Drahtgeflecht zusätzlich gesicherte Gittertor vor dem Eingang zum Bunker «Berg» am Rheinweg in Zurzach, etwas unterhalb der Brücke nach Rheinheim, bleibt daher geschlossen. Aber das macht nichts. Denn zu sehen gibts im Bunker ohnehin wenig. Bis auf die Eisenleiter, die von den ehemaligen Waffenständen im Obergeschoss zum Aufenthaltsraum im Untergeschoss führt, ist das Befestigungswerk, das im Zuge der Armeereformen militärisch überflüssig geworden war, schon vor Jahren komplett ausgeräumt worden. Jetzt ist der Bunker von der Historischen Vereinigung des Bezirks Zurzach erworben worden.

Umnutzung ist bewilligt

Vor kurzem hat der Gemeinderat von Bad Zurzach das Gesuch der Vereinigung für die Umnutzung des Bunkers bewilligt. Damit ist eine der Bedingungen der Verkäuferin des Bunkers, der Armasuisse Immobilien, erfüllt. Die Vereinigung verpflichtet sich zudem, alle Veränderungen am Objekt -- das im Inventar der erhaltenswerten Kampf- und Führungsbauten als Schutzobjekt von nationaler Bedeutung aufgeführt ist - zu unterlassen. Die neue Nutzung wird sich allerdings in Grenzen halten. Im Vordergrund steht der Erhalt. Alois W. Hassler: «Wenn Interesse besteht, werden wir den Bunker für eine Führung öffnen.»

Bei der Vereinigung muss der Kauf zwar noch von der Generalversammlung abgesegnet werden. An ihrer Zustimmung dürfte jedoch kaum zu zweifeln sein. Zum einen hält sich der Kaufpreis mit 500 Franken durchaus im Rahmen. Zum andern liegt die Sicherstellung des Erhalts des Bauwerkes ganz auf der Linie der Historischen Vereinigung des Bezirks Zurzach. «Die Vereinigung fühlt sich verpflichtet, historischen Bauten - und dazugehört auch dieser Bunker - Sorge zu tragen», erklärt Alois W. Hassler. Er erinnert auch daran, dass die Vereinigung als Eigentümerin bereits die Verantwortung für die Burgstelle Waldhausen in Fisibach, die Burgruine Böbikon, den Römerturm in Rümikon und für die Ölmühle in Böttstein trägt.

Der Bunker Berg bildet zweifellos eine spannende Ergänzung im «Liegenschaften-Portefeuille» der Historischen Vereinigung des Bezirks Zurzach. Schliesslich hat sich die Vereinigung mit ihrem umfangreichen Werk «Zweiter Weltkrieg -- Schwierige Zeit in unserer Region» ausführlich mit der Grenzbesetzung und damit auch den Grenzbefestigungen befasst. Im Artikel von Max Rudolf «Gefährdung im Grenzland» in diesem Buch findet sich übrigens eine Planskizze, die auch für den Bunker «Berg» zutrifft.

Teil der Sperrstelle Zurzach

Auslösendes Moment für den Bau auch des Bunkers «Berg» war eine Denkschrift des damaligen Obersten und späteren Divisionärs Eugen Bircher (1882 bis 1956) aus dem Jahre 1934. Im gleichen Jahr befasste sich ein Ingenieur-Offizierskurs mit den Möglichkeiten der Befestigung des Brückenkopfes beim Rheinübergang in Bad Zurzach. Zwischen 1936 und 1939 wurden die insgesamt sieben Objekte dieser Sperrstelle Zurzach gebaut. Am 27. Dezember 1937 wurde mit der Brugger Bauunternehmung Jäggi der Vertrag für den Bau des Bunkers «Berg» zum Pauschalpreis von 94 300 Franken abgeschlossen. Am 27. März 1939 war die mit zwei Maschinengewehren ausgerüstete Anlage bezugsbereit. Nur kurze Zeit später, am 29. August 1939, bezogen Soldaten der Grenz-Mitrailleur-Kompanie IV/252 den Bunker ernstfallmässig. Eine Metalltafel am Bunker erinnert an diese Einheit.

Quellen: Zweiter Weltkrieg - Schwierige Zeit in unserer Region (Heft 4/2006 der Historischen Vereinigung des Bezirks Zurzach); Grenzbrigade 5 (Baden 1988); Militärische Denkmäler im Kanton Aargau (VBS, Armasuisse 2006).