Das Degustationsgefäss sieht aus wie ein Spirituosenglas. «Die bauchige Form bündelt die Aromen gut in der Nase», erklärt Organisator Stefan Haus. Riechen, schwenken, nochmals riechen, dann auf der Zunge rollen lassen – ganz wie bei einer Weinprobe. Um den Gaumen wieder zu neutralisieren, steht Mineralwasser bereit. Der Eintritt ist frei, zehn Degustationen kosten fünf Franken. Haus: «Unmöglich, sich da komplett durchzutrinken.»

Er wollte eigentlich nur 60 Sorten in die Degustation nehmen, dann sind es aber doch 88 geworden. Die Vielfalt auf dem Biermarkt ist inzwischen schier unüberschaubar. «1990 gab es in der Schweiz nur noch 32 Brauereien, heute sind mehr als zehn Mal so viele», berichtet Haus. Und alle buhlen beim Konsumenten um das besondere Geschmackserlebnis, bieten Biere mit eigenem Charakter, die sich von der Masse abheben.

Die modernen Brauer sind kreative und experimentierfreudige Typen, so wie Roger Kündig. Der Junior von der Kündigbräu AG Rietheim, seines Informatiker-Jobs überdrüssig, ist 2013 hauptberuflich in den 1997 von Vater René gegründeten Braubetrieb eingestiegen. «Damals hat mein Vater mit einem 20-Liter-Gefäss auf dem Küchenherd angefangen, auch aus Protest gegen eine immer ödere Bierkultur», weiss der Sohn. Heute werden in Rietheim rund 40 000 Liter Bier jährlich gebraut.

Malz aus Mais, Weizen, Gerste und Hafer

Zwei «Prototypen» hat Kündig in Bad Zurzach dabei, Biere, die noch nicht offiziell im Sortiment sind: «Vierchörner» heisst so, weil darin Malz aus Mais, Weizen, Gerste und Hafer drinsteckt. «Rietheimer Aue» besticht beim Riechen durch ein blumiges Aroma. Kündig: «Sicher der gefälligere Typ, während ‹Vierchörner› schon eher polarisiert.»

Nebenan steht Luc van Loon und bei ihm gehen manche Leute erst einmal vorbei, weil sie denken, dass er gar kein Bier ausschenkt. Doch das tut er, wenn auch in 0,75-Liter-Weinflaschen. «Handgemachte Biere von Winzern», ist das Motto des Kleindöttinger Betriebs, der schon länger Wein produziert und 2013 mit dem Brauen begonnen hat.

«Ich sehe das nicht als Gegensatz, sondern als Ergänzung», sagt van Loon und erklärt, dass in seinem Weizenbier Hefe steckt, die eigentlich für einen Sauvignon Blanc verwendet wird. Das «606 Bitter Ale» heisst so, weil darin sechs verschiedene Hopfensorten verarbeitet sind und es auf der Bitterkeitsskala den Wert 60 erreicht.» Beim Degustieren während der Brauschau zeigt sich: Es schimmert rötlich und duftet nach Mango und Zitrone.