Tegerfelden

«Die geplante Deponie ist ein Spielplatz für den Naturschutz»

Beat Haller vom Fachverband Schweizer Kies- und Betonindustrie erklärt den Besuchern die geplante Deponie Buchselhalde in Tegerfelden und deren mögliche Gestaltung.

Beat Haller vom Fachverband Schweizer Kies- und Betonindustrie erklärt den Besuchern die geplante Deponie Buchselhalde in Tegerfelden und deren mögliche Gestaltung.

Rund 150 Interessierte haben sich am Tag der offenen Grube in Tegerfelden über die geplante Deponie Buchselhalde informiert.

«Es geht nun nicht mehr um die Sache selbst. Da spielt Neid auf Landbesitzer und auf die Firma Birchmeier mit.» Davon ist ein Besucher überzeugt, der sich an diesem Samstag das Projekt der Erweiterung der Deponie Buchselhalde näher anschaute. Seine Meinung ist gemacht, er wird am 24. November Ja sagen zur Nutzungsplanänderung.

So wie er denken die meisten der Anwesenden. Die Gegner sind an diesem Samstag nur als kleine Gruppe vor Ort, die sich die Ausstellung zu geologischen und meteorologischen Gegebenheiten anschauen und mit Experten die neu geschaffenen Ruralflächen besuchen.

Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau und Beat Haller vom Fachverband Schweizer Kies- und Betonindustrie führen die Besucher in Gruppen zur bestehenden Deponie und der dortigen Renaturierung. Beide zeigen sich begeistert von den Örtlichkeiten. «Die temporären Wasserstellen sind eine Chance für die Kreuzkröte, deren hoher Bestand hier die Tegerfelder stolz machen darf», erklärt Johannes Jenny.

Beat Haller spricht von einem «Spielplatz» für den Naturschutz und liefert gleich ein Beispiel. Die aufgeschütteten Sandhaufen seien eigentlich für die Uferschwalben gedacht gewesen. Diese kamen nicht, dafür machte es sich ein Fuchs gemütlich. «Jedes Jahr gestalten sich die Ruralflächen neu und bieten so ein Biotop mit einzigartiger Artenvielfalt», sagt Beat Haller.

In den nächsten Jahren werden diese Biotope – gekoppelt an die Auffüllung der Deponie – in Richtung Surbufer verschoben und mit Landwirtschaftsland ersetzt, welches sich über dem Aushubmaterial befindet.

Aufwertung oder Zerstörung der Landschaft?

«Diese Umgestaltung des Uferbereiches ist doch auch eine Aufwertung der Landschaft», meint Besucher Sascha Bächler aus Tegerfelden. «Wir hatten wohl noch nie ein Projekt, in das so viele Beteiligte wie Pro Natura, Birdlife oder WWF involviert sind», ergänzt sein Tischnachbar Georg Müller, ebenfalls aus Tegerfelden. Es müsse doch nicht alles schlecht sein, was neu ist, wirft ein weiterer Besucher beim Vorbeigehen ein.

Die Befürworter sind unter sich. Die Gegner scheinen die Gelegenheit nicht genutzt zu haben, um ihren Standpunkt darzulegen. Gemäss Gemeinderätin Karin Wiedemeier hatte der Gemeinderat auf die entsprechende Einladung eine Absage des Nein-Komitees erhalten.

Vehement widerspricht etwas später Deponiegegnerin Manuela Odermatt. Die Einladung sei viel zu spät gekommen. Sie hätten gar keine Zeit mehr gehabt, um zu reagieren. Dennoch ist sie nun gekommen, zusammen mit Nicole Schleuniger-Frischknecht, um sich weiter zu informieren.

«Die Landschaft wird bis auf 24 Meter hoch aufgefüllt, Biber und Eisvögel werden verdrängt», so lautet einer der Vorwürfe der beiden Frauen. Manuela Odermatt zeigt eine Fotocollage, die eine Wiese voll mit den – für Landwirte eher lästigen – Ackerkratzdisteln zeigt. So habe es noch vor ein paar Wochen hier ausgesehen. Die Deponie sei nun eigens für diesen Anlass in ein Biotop umgestaltet worden.

Die Fronten beider Lager sind verhärtet. Nachbarn, die nicht mehr miteinander sprechen und Bürger, die sich nicht mehr grüssen. Es geht am 24. November vorerst um die Nutzungsplanänderung. Weitere Abstimmungen zu Kosten und Umfang der Erweiterung der Deponie Buchselhalde werden bei einem Ja folgen.

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