Die Geschäftsstelle der Raiffeisenbank in Koblenz schliesst per 31. Oktober, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Als Gründe werden der Wandel im Marktumfeld und die sich ändernden Kundenbedürfnisse angegeben. Dies habe den Verwaltungsrat der Raiffeisenbank Aare-Rhein veranlasst, sich mit den vier eigenen Bankstandorten auseinanderzusetzen. Die Konsequenz: Die Geschäftsstelle in Koblenz wird geschlossen, nur der Bancomat bleibt bis auf weiteres bestehen.

Willi Vogt, Vorsitzender der Bankleitung Aare-Rhein, nennt die Kundenbedürfnisse als Hauptgrund: «Unsere Analyse hat ergeben, dass die Zahl der Transaktionen am Kundenschalter stark rückläufig ist.» Einfache Dienstleistungen werden immer mehr am dichten Bancomaten-Netz, via E-Banking, mittels Kreditkarten oder Smartphone getätigt. «Ein Grossteil der Kunden geht nie mehr an einen Bankschalter», sagt Vogt. Die Kundenfrequenz hat auf der Geschäftsstelle in Koblenz in den letzten zehn Jahren um 54 Prozent abgenommen. Auf den Geschäftsstellen Leuggern und Leibstadt hingegen nur um rund 30 Prozent. In Bad Zurzach nehmen die Frequenzen sogar leicht zu. Vogt verneint, dass der Koblenzer Kundenrückgang mit der Verschiebung der Verzollungsbüros über die Grenze nach Waldshut in Zusammenhang steht.

Für Gemeindepräsidentin Heidi Wanner ist die Schliessung ein herber Verlust: «Ein Verlust fürs Dorf, ein Verlust an Dienstleistungen, die vor allem ältere Leute nutzten, und ein Verlust an Steuereinnahmen.» Man sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Keine Entlassungen

Bereits Ende Februar hatte der neue Raiffeisen-Chef Patrik Gisel angekündigt, in den kommenden fünf Jahren wegen der Digitalisierung bis zu 250 kleine Filialen schliessen zu wollen. Auch Fusionen von lokalen Raiffeisenbanken seien möglich. Die Raiffeisengruppe umfasst heute 977 Filialen in 270 genossenschaftlich strukturierten Raiffeisenbanken. Diese sind rechtlich autonom und entscheiden selbst über die Schliessung von Filialen.

Ein Stellenabbau sei damit nicht verbunden, hiess es nach Gisels Hiobsbotschaft Anfang Jahr. In Koblenz wird dieses Versprechen eingehalten: Die zwei von der Schliessung betroffenen Mitarbeitenden und eine Lernende werden in den anderen Geschäftsstellen beschäftigt. Die Filialen in Bad Zurzach, Leibstadt und Leuggern sind weiterhin von Montag bis Freitag geöffnet. In den drei Bankstellen arbeiten 33 Mitarbeitende, 4 davon sind in Ausbildung.

Die Raiffeisenbank Aare-Rhein weist eine Bilanzsumme von rund 640 Millionen Franken aus und zählt 13 000 Einwohner in ihrem Wirkungskreis. «Dank der Konzentration auf drei Standorte können die Berater der Raiffeisenbank Aare-Rhein den Fokus noch stärker auf die Kundenbetreuung richten», sagt Willi Vogt. Denn im Gegensatz zu den einfachen Bankdienstleistungen sei die Nachfrage nach individueller Beratung stetig gestiegen.

Mitte 2018 läuft der bestehende Mietvertrag in Koblenz aus, die Räumlichkeiten hat die Raiffeisenbank Aare-Rhein von der Post gemietet. Am Donnerstag, 1. September, findet um 20.15 Uhr für die betroffenen Kunden im Singsaal in Koblenz eine Informationsveranstaltung der Raiffeisenbank statt.

In den anderen Zurzibieter Raiffeisenbanken – Böttstein und Surbtal-Wehntal – stehen keine unmittelbaren Schliessungen bevor, wie es auf Anfrage heisst. Für mittelfristige Prognosen zeigt man sich zurückhaltend. Aus gutem Grund: Die Surbtal-Wehntal-Geschäftsstelle in Schneisingen wurde erst kürzlich geschlossen. Seit Juni steht auch dort nur noch ein Bancomat.