Nachruf

Die Corona-Pandemie riss ihn aus dem Leben: Lengnau trauert um Karl Albiez

Karl Albiez bereicherte das Kulturleben über Jahrzehnte.

Karl Albiez bereicherte das Kulturleben über Jahrzehnte.

«Die Nachricht über den Hinschied von Karl Albiez erschüttert unser Dorf», schreibt alt Ammann Kurt Schmid im Nachruf. «Unfassbar stehen wir vor der Realität, dass die Pandemie unseren hochgeschätzten Karl Albiez aus dem Leben gerissen hat. Er war Lehrer, Maler, Sänger und Unterhalter. Er bereicherte das Kulturleben über Jahrzehnte.»

Vor genau fünfzig Jahren übernahm Karl Albiez als junger Sekundarlehrer unsere neue und zweite Sekundarabteilung und zog dann nach Lengnau. Diese Wahl war ein Glückstreffer für unser Dorf. Wohl niemand ahnte, dass dieser Lehrer für unsere Gemeinde Geschichte schreiben wird.

Kaum als Lehrer gewählt wurde er gleich zum Präsidenten der Schulhausbaukommission Rietwiese ernannt. Er unterstützte den in der damaligen Zeit als futuristisch bezeichneten Baustil der Oberstufenanlage Rietwiese. So sagte er, dass der mutige Bau ein Zeichen des Aufbruchs der Gemeinde sei. Und wie recht er mit seiner Aussage bekam!

Mit Karl Albiez erlebten die Schüler unvergessliche Schullager 

Als Pädagoge brachte er eine für damalige Verhältnisse moderne Unterrichtsform ein. Sein militärischer Offiziersgrad war weder in der Schulstube noch in seinen Aktivitäten spürbar, man sah ihn nie in Uniform im Dorf. Er forderte zwar seine Schülerinnen und Schüler, vermittelte ihnen aber über den Lehrstoff hinaus wertvolle Lebenskunde und schöne Erlebnisse mit unzähligen Projekten bis hin zu unvergesslichen Schullagern.

Karl Albiez lässt sich nicht auf seine erfolgreiche Lehrertätigkeit begrenzen. Seine Interessen und Fähigkeiten waren weit gespannt. So präsidierte er über etliche Jahre souverän die Raiffeisenbank. Als Lengnau im Jahr 1991 die erste Landgemeinde sein wollte, die einen Slogan hat, war Karl Albiez rasch zur Stelle und schuf das Wortspiel «Lengnau – vif und freundlich».

Sein kreativer Geist kommt mit seinem Kulturschaffen am besten zum Ausdruck. Der Künstler beherrschte den Umgang mit Bleistift und Pinsel. Ob ein Hinterhof, eine Industrieanlage oder ein Porträt, er hat die Details gesehen und feinfühlig aufs Papier gebracht. Die «Aargauer Zeitung» und das «Badener Tagblatt» haben über Jahre seine Zeichnungen in der Rubrik Todesanzeigen publiziert.

In jedem Lengnauer Haus hängt ein Bild von Karl Albiez

Er hat Hunderte von Bildern gemalt, viele Jahreskalender geschaffen und einige Male im Dorfmuseum seine Werke öffentlich zugänglich gemacht. Wohl in jedem Haus unseres Dorfes hängt ein Bild von ihm.
Zum geselligen Karl Albiez passte der Gesang. Über Jahre dirigierte er den Männerchor Freienwil und sang im Kirchenmännerchor Baldingen.

Für das 1200-Jahr-Jubiläum unserer Gemeinde kreierte er den Lengnauer Song. Diesen führte er mit der ganzen Schule zur grossen Begeisterung der ganzen Bevölkerung auf. Unvergesslich bleiben seine Auftritte als witziger und geistreicher Unterhalter. An unzähligen Veranstaltungen, Jubiläen und Festen brachte er mit seinen Worten und pointierten Versen die Menschen zum Lachen. Er hatte die besondere Gabe, spontan ganze Gedichte reimen zu können.

Zur Hochform lief er im Jubiläumsjahr 1998 der Gemeinde auf. Als Ressortleiter Unterhaltung setzte er einen Höhepunkt nach dem anderen. Die 1200-Jahr-Feier war ein Feuerwerk seiner Kreativität, vom Motto «ä rondi Sach» bis hin zur Kür des Lengnauers des Jubiläums.

Der Mensch Karl Albiez zeichnete sich durch seine Bescheidenheit, Zugänglichkeit, Geselligkeit und Begeisterungsfähigkeit aus. Es gibt niemanden im Dorf, der ihn nicht mochte. Er strahlte Zufriedenheit aus und war immer unternehmungslustig, manchmal durfte es gar ein Schabernack sein. Man war einfach gerne mit und bei ihm. Schaffenskraft und Motivation hat ihm seine Familie gegeben. Mit seiner Frau Nelly bildete er ein spürbar ideales Gespann.

Karl Albiez bleibt als ein grossartiger Mensch und Kulturschaffender unvergesslich. Wir sind ihm für sein Wirken zu grossem Dank verpflichtet. Er hinterlässt eine grosse Lücke in unserem Kulturleben. Immer wenn ich in meine Stube trete, werfe ich einen Blick auf sein gemaltes Bild mit blühenden Bäumen vom Weiler Himmelrich. Dank Karl blühen die Bäume weiter. Das ist mein Trost. Ich entbiete der Familie mein tief empfundenes Beileid.

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