Gemächlich dreht sich das Wasserrad im Rhein. Über Ketten wird die Kraft auf eine Welle übertragen und mittels eines Riemens auf eine zweite Welle, die ins Erdgeschoss der Barzmühle in Bad Zurzach führt. Doch das Bild täuscht. «Die Mühle wird durch einen Elektromotor angetrieben», erklärt Gottfried Rudolf.

Der Motor war in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts durch den damaligen Müller Dambach installiert worden, weil der sich nicht mehr ausschliesslich auf die Launen des Rheins – das heisst die Wasserführung – einlassen wollte. Im Erdgeschoss öffnet Gottfried Rudolf ein Kästchen, legt einen Schalter um, und der Elektromotor setzt ein imposantes Räderwerk in Gang.

Barzmühle Bad Zurzach

Barzmühle Bad Zurzach

Zuoberst in der Mühle, im Dachgeschoss, kippt derweil Kurt Grossen aus einem blauen Plastikkübel eine abgewogene Mischung von Weizen- und Dinkelkörnern in einen Holztrichter. Und im mittleren Geschoss verfolgen die Besucherinnen und Besucher, wie die Körner in mehreren Mahlgängen zu feinem Mehl verarbeitet werden.

Am Mühlentag wird gemahlen

Aus Anlass des Schweizerischen Mühlentags hat auch die Barzmühle – die einzige intakte Getreidemühle am freifliessenden Rhein, wie auf dem Prospekt zu lesen steht – ihre Türen geöffnet. «Jeweils am Mühlentag mahlen wir», sagt Gottfried Rudolf, der zusammen mit anderen guten Geistern für den Betrieb der Barzmühle besorgt ist.

1947 wurde der Mühlenbetrieb eingestellt

Entstanden ist die Barzmühle aus einer im Rhein verankerten Schiffsmühle, die 1857 an Jakob Dambach und seine Söhne übergegangen war. 1947 wurde der Mühlenbetrieb eingestellt. 1970 erwarb die Gemeinde Bad Zurzach die Mühle, bis dann Ende der 90er-Jahre die Vereinigung Barzmühle gegründet wurde, aus der die Stiftung Barzmühle entstand. Frieda und Johann Dambach statteten diese mit einem Grundkapital aus. 1999 wurde mit der Restaurierung der Mühle begonnen, die 2004 mit der Montage des Wasserrades ihren Abschluss fand. Seither steht die Mühle für Führungen offen.

«So jetzt lasse ich es «tschädere», sagt Gottfried Rudolf nach der Führung durch die Mühle und das kleine Ackerbaumuseum im Dachgeschoss. Er steigt ins Erdgeschoss hinunter, um den ominösen Schalter umzulegen. Dann beginnt es zu «tschädere».

Wie im Kinderlied aus der Zeit der Eichendorff’schen Romantik klappert die Mühle am rauschenden Rhein. Schwer zu sagen was ihre Faszination ausmacht. Ist es die archaische Technik mit all den Riemen und Rädern oder die bewegte Geschichte? Das Wasserrad dreht sich unbeeindruckt von alledem – jedenfalls, solange Vater Rhein genügend Wasser führt.